Nicht einmal der Stadtbezirksbeirat Süd wurde in die veränderten Planungen zum Anbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule einbezogen

Für alle LeserKommunikation ist nicht die Stärke der aktuellen Leipziger Verwaltungsspitze, nicht einmal dann, wenn es um Kostenzuwächse von mehreren Millionen Euro geht und völlig veränderte Baupläne wie bei der Apollonia-von-Wiedebach-Schule in Connewitz. Und die Corona-Ausnahmesituation kann dafür keine Ausrede sein, denn das Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule wusste seit August 2019, dass sich beim geplanten Erweiterungsbau für die Oberschule fast alles geändert hatte.

Dass also nicht nur alle Auskünfte von 2017 hinfällig waren, nach denen der Erweiterungsbau für die dreizügige Schule an der Stirnseite zur Scheffelstraße entstehen sollte, sondern auch der Stadtratsbeschluss von 2018, demgegenüber sich der Bau noch einmal um 3 Millionen Euro verteuert hat.

Damals lautete der Beschluss noch so: „Apollonia-von-Wiedebach-Schule (Anbau mit 6 allg. Unterrichtsräumen)“. Aber dann kam es 2019 zu dem großen Wasserschaden, der einen großen Teil des alten Schulgebäudes in Mitleidenschaft zog. Was nicht nur Planungen für eine umfassende Sanierung des alten Baus erzwang. Die Planer gingen gleich zwei Schritte weiter und planten auch im Altbau Modernisierungen und einige neue Raumschnitte. Und bei der Gelegenheit planten sie auch den Anbau neu – auch weil die Oberschule schon jetzt überlaufen ist und statt 500 bis zu 800 Kinder hier unterkommen müssen.

Also plante man gleich acht neue Unterrichtsräume (statt nur sechs) und dazu auch noch eine geräumige Mensa. Das wäre in einem Anbau an der Scheffelstraße nicht unterzukriegen gewesen. Also suchten die Planer einen Platz auf dem von Dutzenden geschützten Bäumen bestandenen Hof. Erst als davon etliche in einer Hauruckaktion Ende Februar gefällt wurden, wurde auch den Nachbarn im benachbarten Haus der Demokratie klar, dass sich hier gewaltig etwas geändert hatte.

Nur: Es gab dazu keine Informationen. Auch nicht zu den Baumfällungen.

In einem Eilbeschluss Ende April gab Oberbürgermeister Burkhard Jung Grünes Licht für das Doppel-Bauprojekt (Sanierung des Altbaus und den Anbau). Die Beschlussunterlagen für den Stadtrat wurden am Montag, 4. Mai veröffentlicht.

„Der Erweiterungsbau gliedert sich in östlicher Richtung längsseitig in der mittleren Gebäudeachse des Bestands an und ist als eigenständiger Kubus geplant. Über einen verglasten Steg ist der Neubau im Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss mit dem Bestandsgebäude verbunden. Der Erweiterungsbau mit vier Vollgeschossen nimmt die Traufkante des Hauptgebäudes auf und hat eine Höhe von 19,00 m. Die Außenmaße des quadratischen Grundrisses betragen 20,64 m x 20,64 m.

Dies ergibt eine Grundfläche von insgesamt 426 m². Die Bruttogeschossfläche von Neubau inklusive der Stege zum Bestand beträgt insgesamt 2.037 m². Der Anbau rückt 8,00 m von dem Bestandsgebäude ab, sodass dieser weiterhin ausreichend belichtet wird“, kann man da lesen.

„Erschlossen wird der Neubau über einen Eingang am südlich gelegenen Pausengarten und über den Treppenraum an der Ostseite des Gebäudes. Eine Zufahrt für die Anlieferung ist an der Scheffelstraße von Norden geplant.“

Und dann kommt die Frage: Warum steht der Bau mitten auf dem Schulhof? Und warum wurden die Nachbarn nicht einmal befragt zur Entscheidungsfindung, denn auch die oben abgebildete Bauskizze zeigt ja, dass der Bau auch ziemlich nah ans Haus der Demokratie rückt.

Der Schulhof der Apollonia-von-Wiedebach-Schule am 28. Februar. Foto: Ralf Julke

Der Schulhof der Apollonia-von-Wiedebach-Schule am 28. Februar. Foto: Ralf Julke

Aber da blieben Leipzigs Ämter lieber unter sich: „Hinsichtlich der Platzierung des Erweiterungsbaus auf dem Grundstück wurden verschiedene Varianten geprüft, auch um hinsichtlich des historischen Baumbestandes auf dem Schulhof einen möglichst großen Erhalt zu ermöglichen. Aus denkmalschutzrechtlicher sowie erschließungs- und belichtungstechnischer Sicht wurde der dargestellte Standort dabei favorisiert. Zudem wären in allen untersuchten Varianten etwa gleich viele historische Großbäume betroffen gewesen.“

Förderantrag schon im August gestellt

Und spätestens im Sommer 2019 waren all diese Pläne fertig. Mitsamt der Kostenabschätzung, die eine Steigerung der Investitionskosten von 4,5 auf 8 Millionen Euro bedeutete. Was nicht nur mit der starken Raumerweiterung zu tun hat, sondern auch mit dem geplanten energiesparenden Standard (Energieeffizienzhaus 55). Als Passivhaus wäre der Bau noch 1 Million Euro teurer geworden.

Und diese Kostenkalkulation lag dem Förderantrag an den Freistaat zugrunde, der schon am 28. August 2019 eingereicht wurde.

Auch das betont die Vorlage für den Stadtrat: „Hinsichtlich der vorgesehenen Fördermittel i. H. von 2.850.000 € ist der Zuwendungsbescheid ausstehend. Der Antrag erfolgte am 28.08.2019. Daher stehen die geplanten Fördermittel in den Haushaltsjahren 2019 i. H. von 1.425.000 € sowie 2020 i. H. von 1.140.000 € nicht zur Verfügung. Mit der im Haushaltsjahr 2021 vorgesehenen Einzahlung i. H. von 2.850.000 € werden diese fehlenden Einzahlungen ausgeglichen. Es wird mit Mehreinzahlungen i. H. von 285.000 € gegenüber den bisher geplanten Einzahlungen gerechnet.“

Leipzig muss also auch hier in Vorleistung gehen, hoffend, dass der Freistaat den Fördermittelantrag doch noch positiv bescheidet.

Dass die Stadtverwaltung freilich nicht mal im Herbst fertigbrachte, die Anlieger über das völlig veränderte Projekt zu informieren, ist peinlich. Und es passt schlicht nicht zu all den vollmundigen Versprechen für mehr Bürgerbeteiligung in Leipzig. Die beginnt nun einmal damit, dass die wesentlichen Betroffenen frühzeitig informiert werden.

Aber noch am 19. November 2019 wurde selbst der Stadtbezirksbeirat mit einem Sachstandsbericht zu den Schulbaumaßnahmen beschäftigt, in dem noch der alte Baubeschluss von 2018 erwähnt wurde, beim Baubeginn noch 2019 und ein Kostenrahmen von 4,5 Millionen Euro. Und auch im Februar, als sich der Stadtbezirksbeirat wieder mit dem Sachstand bei den Schulbauten beschäftigte, stand in der vom Schulamt vorgelegten Übersicht der alte Beschluss von 2018.

Und das, obwohl die neuen Pläne längst fertig waren.

Dass diese langen Tabellen nicht wirklich Übersicht gaben, kritisierte der Stadtbezirksbeirat diesmal sogar im Protokoll: „Einbringung der Vorlage erfolgt durch Frau Weber (Koordinatorin Schulausbau)

– 2024 soll bei den Oberschulen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bedarf und Abdeckung erreicht sein

– Hinweis zu Anlage 3: es werden Ergänzungen in der Anlage zur Abdeckung durch die Förderschulen gewünscht

– Hinweis zu Anlage 6: Übersicht sollte besser aufbereitet werden: eine stringente Benennung der Schulen, bzw. eine Anordnung nach Schultyp wären sinnvoll“.

Anlage 6 war der Vorhabenplan für 2020. Die Apollonia-von-Wiedebach-Schule taucht dort freilich nicht auf und sie scheint in der Sitzung auch nicht erwähnt worden zu sein, obwohl noch im selben Monat die Bäume im Schulhof gefällt wurden. Einem Schulhof, der übrigens in diesem Frühjahr erst aufgewertet werden sollte. Denn da gibt es einen Sondertopf, in dem 15.000 Euro für die „Umgestaltung Teil 2 Schulhof“ vorgesehen waren.

Bürgerbeteiligung „nicht nötig“

Und noch spannender wird’s mit der Märzsitzung. Da stellte die Verwaltung zwar die Pläne zur Sanierung des Altbaus vor, ging aber mit keinem Wort darauf ein, dass ein völlig veränderter Anbau geplant war, der auch die komplizierte Schulspeisungssituation entschärft, die am 4. März im Stadtbezirksbeirat auch noch rauf und runter diskutiert wurde:

„Herr Seufert gibt eine Einführung in die Vorlage.

– wiederkehrende Wassereintritte durch Starkregen und marode Grundleitungen hatten zu starken Beeinträchtigungen und Schimmelbefall geführt, nun ist eine umfassende Sanierung des Untergeschosses erforderlich.

– Anmerkung zur Vorlage von Frau Elias, sie begrüßt die räumliche Aufteilung, wie sie im Plan der Vorlage skizziert wurde.

– Kritischer Hinweis von Frau Elias, dass die Schülerspeisung bei nur 156 Plätzen zu viele Durchgänge benötigt, Antwort: die Speisung wird in 4 Durchgängen durchgeführt werden.

– Die Nachfrage von Frau Elias wo und wie auf dem Schulgelände die Baustelle eingerichtet wird, konnte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden

– Auf die Nachfrage von Herrn Schreiber zur Nutzbarmachung des Dachgeschosses wurde geantwortet, dass dies geprüft wurde, aber aufgrund der räumlichen Gegebenheiten kaum möglich sei.“

Und besonders spannend wird es bei der Nachfrage von Stadtbezirksbeirat Marco Rietzschel (SPD), der sich darüber wunderte, „dass in der Vorlage bei Bürgerbeteiligung ,nicht nötig‘ vermerkt wurde“ und sich fragte, „inwieweit eine Beteiligung der Schüler geplant sei, diese sollen bei der Farbgestaltung mit einbezogen werden“.

Antworten hat er darauf augenscheinlich keine bekommen. Geplanter Baubeginn ist im Sommer 2020. Fertig sein soll der Bau im 1. Quartal 2022.

Die Stadt will die Apollonia-von-Wiedebach-Schule schon ab dem Sommer sanieren und um einen Neubau im Schulhof erweitern

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

SchulneubauBürgerbeteiligungApollonia-von-Wiedebach-Schule
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Keinen Kontakt, bitte! – RC Leipzig spielte seine beste Saison und ist trotzdem traurig.
Der RC Leipzig hofft auf Spendengelder. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelRugby und Abstand halten ist wie Baden und trocken bleiben wollen. Oder anders formuliert: Wenn nicht mindestens zehn Spieler auf einem Haufen liegen, ist es kein Rugby. Zwinkersmiley. Wobei, eigentlich wäre eher der mit dem traurigen Gesicht angebracht, denn genau dieses körperbetonte Spiel ist in Corona-Zeiten absolut tabu. Beim Bundesligisten RC Leipzig herrscht dafür vollstes Verständnis. Traurig ist man an der Stahmelner Straße natürlich trotzdem.
LVB konnten ihre Linienerlöse trotz sinkender Fahrgastzahlen steigern
XL-Straßenbahn auf der Messekehre. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur die Leipziger Gruppe als Stadtholding legte in dieser Woche ihre Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Auch die drei Tochterunternehmen legten ihre Zahlen vor. Und gerade bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) war eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Denn erstmals in den vergangen Jahren konnten die LVB ihre Erlöse nicht durch eine Fahrpreiserhöhung steigern.
Radweg am Connewitzer Kreuz: Die Litfaßsäule muss weg und an einer schrittweisen Lösung wird gearbeitet
Die aktuelle Lösung am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeharrliches Nachfragen hilft. Denn manchmal reagiert die Stadtverwaltung dann doch ohne viel Federlesens, so wie am Connewitzer Kreuz, wo man den Corona-Shutdown nutzte, um wenigstens eine kleine Änderung an der Radwegeführung vorzunehmen: Gelb abmarkiert werden die Radfahrer/-innen vor dem Rewe-Supermarkt jetzt auf der Fahrbahn geführt. Ein Provisorium, wie das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt auch auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin erklärt.
Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat + Video
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.