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Zwei Stadtratsanträge hinterfragen die Planungen zum Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule

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    Das kam im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau am 2. Juni gar nicht gut an: Erst im Mai hatte Leipzigs Schuldezernat eine völlig neue Planung für den geplanten Anbau der Apollonia-von-Widebach-Schule aus dem Ärmel gezaubert – und schon am 10. Juni soll der Stadtrat dazu sein Okay geben. Das empfanden die meisten Mitglieder des Ausschusses wie eine Überrumpelung. Wie soll man da über berechtigte Einwände und Änderungswünsche noch diskutieren?

    Fünf Ausschussmitglieder stimmten dementsprechend gegen die Vorlage und die anderen enthielten sich. Und zwei Fraktionen nutzten inzwischen die Gelegenheit, ihre Änderungsanträge zu diesem Projekt zu schreiben, das die Stadt noch im April in völlig anderer Form in Aussicht gestellt hatte.

    Wobei die CDU-Fraktion viele der Argumente aufnahm, die der Haus der Demokratie Leipzig e. V. vorgetragen hat, denn der Neubau steht ja nicht nur mitten auf dem Hof, er rückt auch direkt an die Grundstücksgrenze zum Haus der Demokratie. Und da er 20 Meter hoch wird, bleibt nicht nur vom „Blick ins Grüne“ nichts mehr übrig – das Nachbarhaus wird völlig verschattet. Man schaut nur noch auf eine Hausfront, deren größerer Teil mit ergrautem Lärchenholz verkleidet sein wird.

    Warum wurde da also nicht schon frühzeitig über eine etwas andere Platzierung des Neubaus nachgedacht? Denn gegen die Erweiterung der Apollonia-von-Wiedebach-Schule hat ja keiner was. Aber ein bisschen Rücksicht auf die Umgebung sollten die Planer dabei schon nehmen.

    Das findet auch die CDU-Fraktion und beantragt die Prüfung, „ob der Anbau außermittig des Überganges zum Altbau verschoben werden kann“, etwas weiter zur Arno-Nitzsche-Straße hin, sodass die Mieter im Haus der Demokratie nicht auf die viel zu nahe Front des neuen Gebäudeteils schauen müssen. „Mit der Verschiebung kann das Gebäude näher an die Straße und weiter entfernt von vorhandenen Gebäuden angeordnet werden. Damit kann eine maximale Anzahl von Klassenräume erhalten und der Abstand zu Bestandsgebäuden erhöht werden.“

    Und auch die von der Stadt so angepriesene alternde Holzverkleidung findet die CDU-Fraktion gar nicht so toll: „Die Fassade ist in einem Holz auszuführen, welches nicht oxidiert (grau wird).“ Und bei den Fensterformen haben die Planer auch wieder versucht, sich völlig vom 120 Jahre alten Bau der Apollonia-von-Widebach-Schule abzusetzen. Aus CDU-Sicht ist das Unsinn: „Die vorgeschlagene Form der Fenster steht in einem zu krassen Gegensatz zu der harmonischen Fenstergestaltung des denkmalgeschützte Altbaus.“

    Pausenhof der Apollonia-von-Wiedebach-Schule mit Blick zum Haus der Demokratie. Foto: Ralf Julke
    Pausenhof der Apollonia-von-Wiedebach-Schule mit Blick zum Haus der Demokratie. Foto: Ralf Julke

    Und auch die Linksfraktion hat ihr Unbehagen am Entwurf der Verwaltung in einen Änderungsantrag gegossen.

    Sie konzentriert sich auf das Außengelände, denn wenn der neue 20×20-Meter-Zweckbau mitten auf den Schulhof gesetzt wird, bleibt vom grünen Aufenthalt der Schulkinder im Freien nicht viel übrig. In vier zusätzlichen Antragspunkten formuliert die Linksfraktion, was die Verwaltung sofort mit dem Neubau anpacken muss, damit die Schüler/-innen nach Baufertigstellung nicht auf völlig tristen Hofflächen ihre Pausen verbringen müssen.

    Den Kommentar zur Ästhetik des Neubaus lässt die Linksfraktion eher beiläufig einfließen: „Mit dem neuen Gebäude erhält die Schule als Erweiterung einen ästhetisch fragwürdigen Zweckbau, der den Schulhof und mithin die Pausengestaltung territorial einschränkt. Eine Neukonzeption ist daher ohnehin erforderlich.

    Die Gelegenheit ist zu ergreifen, der Schule nicht nur eine Gebäudeerweiterung zu geben, sondern zugleich weitere Qualitätssteigerungen für den Unterricht und Aufenthalt im Freien zu schaffen. Das Gelände ist groß genug, verschiedene Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung zu gestalten. Diese sind der gesunden Pausengestaltung und dem körperlichen Ausgleich zuträglich und steigern die Aufenthaltsqualität der Schule erheblich.

    Auch weitere Sitzmöglichkeiten und Grüngestaltungen gehören unverzichtbar zur Aufenthaltsqualität einer modernen Schule. Ein ,Grünes Klassenzimmer‘ ermöglicht mindestens einer Klasse/Gruppe in den warmen Monaten, Unterricht auch im Freien durchzuführen. Derartige Konzepte haben sich im Unterrichtsalltag bewährt. Eine solche Sitz- und Tischgruppe kann überdies auch für GTA und weitere Gruppennutzungen der Schule geplant werden.“

    So ein „Grünes Klassenzimmer“ hatte die Apollonia-von-Wiedebach-Schule übrigens, bis im Februar die massiven Abholzungen zur Baugrundvorbereitung stattfanden. Es geht erst mit dem Neubau verloren. Und die Linksfraktion hat da den gar nicht so abwegigen Verdacht, dass die Stadt durchaus Unterschiede macht, wenn es um die „grüne“ Ausstattung von Gymnasien und Oberschulen geht: „Die Oberschulen sollten unserer Auffassung nach ähnlich vorteilhafte Umfeldbedingungen haben wie Gymnasien der Umgebung (etwa Louise-Otto-Peters-Schule). Dies dient zugleich der Aufwertung der Schulform und der Rolle der Schule als ein sozialer Mittelpunkt der Schülerinnen und Schüler und des Wohngebiets.“

    Fachausschuss verweigert der Vorlage zum Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule seine Zustimmung

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