Das erste Picknick des Schlobachshof e. V. und das Nachdenken über die Zukunft des historischen Geländes

Für alle Leser„Am Montag in der Michaeliswoche 1920“ (28.09.1920) wurde Schlobachshof laut Tafel am Wohnhaus als Gutshof in Andenken an Franz Schlobach von seinen Söhnen errichtet. Mehr als 100 Besucher kamen 100 Jahre später zum Picknick anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung von Schlobachshof, das nicht extra in der Presse angekündigt worden war – sonst hätte es wohl einen Ansturm gegeben, mit dem das Hygienekonzept nicht mehr hätte umgesetzt werden können.
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Eingeladen hatte am Samstag, 19. September, der Schlobachshof e. V., der sich darum bemüht, das 100 Jahre alte Anwesen für Böhlitz-Ehrenberg zu erhalten und es für öffentliche Nutzung zugänglich zu machen. Der alte Gebäudebestand ist ja denkmalgeschützt. Die neueren Zubauten werden seit der vergangenen Woche abgerissen und große Flächen entsiegelt, um dort Platz für Baumpflanzungen zu schaffen.

Gekommen waren am 19. September auch die Ortschaftsratsvorsitzenden Denis Achtner (Böhlitz-Ehrenberg) und Andreas Geisler (Lindenthal). Eingeladen hatte der gemeinnützige Verein Schlobachshof e. V. zusammen mit dem Förderverein Ortsgeschichte Böhlitz-Ehrenberg (BE) und mit Unterstützung des Gewerbevereins, der Bürgergesellschaft und der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg.

Letztere war insbesondere für das leibliche Wohl – Wiener Würstchen, gespendet von EDEKA Voßler – verantwortlich, aber auch Obst, wie es einst früher auf dem Hof geerntet wurde und gekochte Eier im originalen Eierkorb aus den 50er Jahren sowie Sandwiches (einzeln verpackt) vom Verein für Ortsgeschichte erfreuten sich großer Beliebtheit.

Vortrag zum Picknick im Schlobachshof. Foto: Schlobachshof e.V.

Vortrag zum Picknick im Schlobachshof. Foto: Schlobachshof e.V.

Bei bestem Wetter eröffnete Andreas Faulhaber (Vereinsvorstand Schlobachshof e. V. und Ortsvorstand BE) die Veranstaltung auf der Wiese vor Schlobachshof. Historische Aufnahmen aus dem Museum für Ortsgeschichte Böhlitz-Ehrenberg, aktuelle Fotos und Informationen sowie das druckfrische Buch „100 Jahre Schlobachshof“ wurden vorgestellt. Eine Übersicht am Eingang zeigte den Hof mit den Gebäuden sowie den derzeit im Abriss befindlichen Baracken.

Andreas Sickert, Abteilungsleiter Stadtforsten im Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, lud dankenswerterweise zum Rundgang über den sonst verschlossenen und bewachten Hof ein. Für viele ehemalige Lehrlinge, Mitarbeiter und Besucher wurden hier Erinnerungen wach.

Mit Frau Kriehmig (Ur-Enkelin von Franz Schlobach) und Herrn Dr. Jeroch (Leiter der Lehr- und Versuchsstation Geflügelzucht Schlobachshof der Universität Leipzig bis 1992) kamen auch zwei Zeitzeugen zu Wort und berichteten von ihrer Zeit auf Schlobachshof.

Denkmalgeschützter Gebäudebestand im Schlobachshof. Foto: Schlobachshof e.V.

Denkmalgeschützter Gebäudebestand im Schlobachshof. Foto: Schlobachshof e.V.

Viel über die Historie – aber wenig über die Zukunft von Schlobachshof war zu erfahren. Denn auch wenn die Stadt das Gelände gekauft und Anfang 2020 endgültig übernommen hat, ist – was die Nutzung anbelangt – alles noch offen, wusste Andreas Sickert zu berichten und lud im Namen der Stadt Leipzig dazu ein, Ideen und Vorschläge zum Erhalt von Schlobachshof einzubringen. Dabei betonte er die vielfältigen rechtlichen Bedingungen, die beachtet werden müssten.

Derzeitig wird vom Amt für Stadtgrün und Gewässer eine „Umweltbildungsstätte Auenlandschaft“ vorgeschlagen. Ein tragfähiges Konzept existiert nicht. Wichtig wäre auch ein umgehender Objektschutz des Denkmals vor Hochwasser.

Die Stadt Leipzig hat den Schlobachshof 2016 im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahren erworben, um Ausgleichsflächen für Industriemaßnahmen durch umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen zu schaffen. Zu dieser Zeit wohnten mindestens vier Familien auf dem Hof, der zuletzt als Pferdepension diente.

Ein Anfang 2017 in Auftrag gegebenes Nutzungs- und Entwicklungskonzept mit den drei Varianten – Wanderrastplatz, Aueninformationszentrum, Biolandwirtschaft – wurde im Juni 2019 ablehnend beschieden.

Nun steht das Gelände leer und muss wegen bereits stattgehabter Brände bewacht werden. Seitens der Stadt Leipzig wird eine neue Nutzungsmöglichkeit gesucht. Die Rahmenbedingungen FFH-Gebiet, Überschwemmungsgefahr, Hochwasserpolder, Denkmalschutz sind zu berücksichtigen. Im Flächennutzungsplan der Stadt Leipzig ist das Gebiet als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen.

Der gemeinnützige Verein Schlobachshof e. V. wurde im Dezember 2018 gegründet, mit der Vision, den Hof für die Leipziger und ihre Gäste zu erhalten. Mitglieder sind neben interessierten Bürgern eine Enkelin von Schlobachs, der ehemalige Leiter des Lehr- und Versuchsgutes, ein Unternehmensberater für den ländlichen Raum, Ortschaftsräte Böhlitz-Ehrenbergs, Bauingenieure, Landwirte.

Der Verein favorisiert ökologische Landwirtschaft auf dem Gelände mit extensiver Tierzucht und -haltung, Garten, kleiner Gastronomie, Bauernhofpädagogik mit Museum und ist dabei, ein Konzept zu erarbeiten. Unterstützung, Sachverstand und Mithilfe sind willkommen. Eine Idee ist, den landwirtschaftlichen Betrieb im Rahmen eines sogenannten Inklusionsbetriebes – also überwiegend mit Menschen mit Behinderung – zu realisieren.

Der Einladung des Vereins folgten die Stadträte Andreas Geisler (SPD) und Volker Külow (Die Linke) , um ein Bild vor Ort zu bekommen, wenn über den Umfang von Abriss und Renaturierung sowie ein Nutzungskonzept demnächst in den Ausschüssen des Leipziger Stadtrates beraten wird. Denn die wesentlichen Vorgaben zur Nutzung werde dort entschieden.

Aus Sicht von Dr. Karla Amm vom Schlobachshof e. V. war es ein gelungener Tag für Schlobachshof, insbesondere als leuchtendes Beispiel für gemeinsames ehrenamtliches Engagement in Böhlitz-Ehrenberg.

Das Buch „100 Jahre Schlobachshof“ ist im Werbeatelier Kolb und Achtner, Leipziger Straße 71, oder über den Förderverein Ortsgeschichte (geöffnet dienstags von 15–18 Uhr) erhältlich.

Der Stadtrat tagte: Wie weiter am Schlobachshof? + Video

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