Der Körnerhaus-Verein in Großzschocher wird 15. Ein Grund zum Feiern, denn dessen Mitglieder haben im Stadtteil viel bewegt und das Körnerhaus als Ort der Begegnung und Geschichtspflege restauriert. Nun soll eine Spendenaktion das Geld für die Dachsanierung zusammenbringen. Und selbst Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hilft mit.

Was wäre Leipzig ohne seine Bürgervereine? Gut, dass sich in vielen Stadtteilen Menschen zusammenschließen und sich einbringen, wenn es um ihren Kiez geht.

Zu diesen besonders Rührigen zählt der Körnerhaus e.V. in Großzschocher. Neben den allgemeinen Belangen im Südwesten der Stadt liegt den Vereinsmitgliedern die Sanierung des historischen Gutsgärtnerhauses in der Huttenstraße 2 a am Herzen.

Hier, in der Nähe des alten Gutes Großzschocher, bekommt man einen Eindruck davon, wie es in den äußeren Leipziger Bezirken aussah und zuging. Damals, als die große Stadt noch weit sowie Industrialisierung und Demokratisierung noch fern waren. Es ging ländlich zu und gutsherrschaftlich. Der Gutsherr im nahen Anwesen war zugleich Gerichtsherr, und so kann man im heutigen Körnerhaus auch eine Arrestzelle besichtigen.
Doch im Zentrum aller historischen Bemühungen der Körnerhausfreunde steht die napoleonische Zeit mit den Befreiungskriegen. Theodor Körner, der Dichter und Angehörige der nicht ganz so regulären “Lützower Jäger” wurde hier im Juni 1813 versorgt und gepflegt. Seine Freiwilligeneinheit hatte damals das Pech, nicht immer ganz genau und aktuell mitzubekommen, ob die gekrönten Häupter in St. Petersburg, Wien und Berlin sich gerade zum Kampf gegen den Franzosenkaiser Napoleon entschlossen hatten oder nicht. So geriet man schon einmal unverhofft zwischen die Fronten.

Gleichwohl hatte die Erinnerung an die Befreiungskriege in deutschen Landen eigentlich immer Konjunktur. Daran konnten beide deutsche Nachkriegs(teil)staaten anknüpfen, als sie wieder Armeen aufzustellen begannen.
Auch heute gehören die preußischen Militärreformen und die antinapoleonischen Befreiungskriege zum Traditionsfundus der Bundeswehr, der ansonsten richtigerweise sehr eingegrenzt ist. So ist es eine besondere Geste, dass mit Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) der erste Kommandeur der Bundeswehr die Spendenaktion zu Gunsten der Dachsanierung des Körnerhauses unterstützt.

“Wir gehen in die Zielgeraden”, sagt Körnerhaus-Vereinsvorsitzender Ralf Hiller beim Vereinsgeburtstag zum Stand der Bauarbeiten. Die Dachsanierung steht nach fünfzehn Jahren unermüdlichen Einsatzes für das Körnerhaus noch aus. Durch den Kauf und die Versteigerung der Dachziegel sollen die nötigen 15.000 Euro zusammenkommen.
Die Finanzierungsidee brachte der örtliche Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Feist ins Spiel. Den Anstoß gaben ihm Freunde, die auf diese Weise die Mittel für die Restaurierung der Rittergutskirche in Kleinliebenau zusammen bekamen. Feist ist Schirmherr des Körnerhaus-Festes, das der Verein alljährlich im September organisiert. Auch hat Feist den Kontakt zum Bundesverteidigungsminister hergestellt.

Mit fünf Euro pro Dachstein wird man Ziegelpate. Feist und sein christdemokratischer Landtagskollege Sebastian Gemkow haben schon einmal je dreißig Ziegel erworben. Davon werden 58 Ziegel von Schülern der 120. Grundschule künstlerisch gestaltet – gleichsam als Geschichtsprojekt.
Los ging es mit dem Steinverkauf am 7. Juni bei der Vereins-Geburtstagsfeier. Krönender Abschluss der Spendenaktion soll eine Versteigerung der besonders gestalteten Ziegel am 8. September 2012 sein. Hierzu hat auch Minister de Maizière, dessen Berliner Abgeordnetenbüro an das von Dr. Feist grenzt, drei handsignierte Exemplare beigesteuert.

Eine kräftige Anschubfinanzierung für das Dachdecken leisteten bereits die Sparkasse Leipzig, die Bürgerstiftung Leipzig und das Gießereiunternehmen Georg Fischer, dessen Leipziger Werk sich in Großzschocher befindet.

“Das Projekt an sich finde ich unterstützenswert”, sagt Till Mannhardt von der örtlichen Georg-Fischer-Geschäftsleitung. Ihn beeindruckt, was die Körnerhaus-Freunde über eine lange Zeit mit viel Engagement aufgebaut haben.

www.koernerhaus-leipzig.de

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