BUND und ADFC gestalten am 30. Juni einen Gedenktag zu „zeitnah“: Zwei Stunden Radspur auf der Zeppelinbrücke

Für alle LeserAnkündigen und dann doch zögern – irgendwie wird das aus Sicht von Radfahrern die neue Art der Leipziger Verkehrspolitik. Jedenfalls wenn es um wichtige Radwege geht. Am 22. Mai überraschte das Leipziger Verkehrsdezernat die Radfahrergemeinde ja geradezu mit der Ankündigung, es wolle zeitnah einen temporären Radweg auf der Zeppelinbrücke anlegen. Doch dann passierte zeitnah wieder gar nichts. BUND und ADFC laden deshalb am 30. Juni zum Gedenktag auf der Brücke ein.

Als die Brücke 1913 fertig war, hatte man zwar an Fußsteige gedacht, aber nicht an Radwege. Was damals auch noch nicht nötig war: Die Leipziger Straßen wurden von Radfahrern dominiert. Ihnen gehörten (neben Pferdefuhrwerken, der Straßenbahn und den ersten noch seltenen Automobilen) die Straßen. Da war noch nicht dran zu denken, dass sie Jahrzehnte später auch von den Verkehrsplanern von der Straße verdrängt werden würden.

Auf der Zeppelinbrücke sollen sie sich den schmalen Fußweg mit den Fußgängern teilen. Straßenquerungen wie am Cottaweg sind so brandgefährlich, dass sie seit Jahren zu den Unfallschwerpunkten in Leipzig gehören. Das Auftragen temporärer Radstreifen hätte also die Sichtbarkeit der Radfahrenden deutlich erhöht und schon einmal die richtige Richtung gezeigt, wie sich eine Radverbindung von Lindenau zum Innenstadtring hier zeigen muss.

Doch dann passierte gar nichts. Was den BUND Leipzig und den ADFC Leipzig zu der Frage animiert: Müssen Leipzigs Bürger die Ankündigungen der Stadtverwaltung für klimafreundlichen Verkehr selbst umsetzen?

Petitionsautor Volker Holzendorf (der die Petition zur Inneren Jahnallee geschrieben hat), ADFC Leipzig und BUND Leipzig bauen zusammen am Dienstag, 30. Juni, an der Zeppelinbrücke stadteinwärts von 7 bis 9 Uhr einen temporären Fahrradstreifen. Das kennen die Leipziger/-innen ja mittlerweile von all den Straßenabschnitten, wo bis heute solche Markierungen fehlen – ob in der Prager Straße, im Ranstädter Steinweg oder in der Rödelstraße.

Die Stadtverwaltung Leipzig hat am 22. Mai angekündigt, *zeitnah* an der Zeppelinbrücke beidseitig Radstreifen anzulegen. Bisher ist immer noch nichts passiert“, zeigt sich Volker Holzendorf, Initiator der Petition „Sicheren Radverkehr in der Inneren Jahnallee in Leipzig ermöglichen“ und des ersten Leipziger Pop-Up Bikelane days Anfang Juni enttäuscht.

Volker Holzendorf, BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Leipzig und ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) Leipzig werden deswegen am Dienstag, 30. Juni, selbst den Radstreifen für die Leipziger aufbauen. Von 7 bis 9 Uhr wird stadteinwärts die rechte Fahrspur exklusiv für Radfahrende zur Verfügung stehen.

Einladung zum Gedenktag auf der Zeppelinbrücke. Foto: ADFC/BUND Leipzig

„Gütersloh hat gezeigt: Corona ist noch mitten unter uns. Deswegen brauchen gerade Radfahrende und Zufußgehende mehr Platz auf Leipzigs Straßen, um die wichtigen Abstandsregeln einzuhalten“, führt Josephine Michalke, stellvertretende Vorsitzende des BUND Leipzig einen wichtigen Aspekt an.

Gibt es keinen Bedarf für einen sicheren Radstreifen in der Jahnallee? Im Gegenteil, sagt Rosalie Kreuijer, stellvertretende Vorsitzende des ADFC Leipzig: „Über 6.000 Fahradfahrerinnen und Fahrradfahrer nutzen täglich die Relation Lindenau–Innenstadt. Ein drei Meter breiter Radweg wie wir ihn am 30. Juni aufbauen, ist deswegen schon heute notwendig, um die Massen an Verkehr zu bewältigen.“

Volker Holzendorf jedenfalls zeigt sich verwundert über die langsame Arbeitsweise der Leipziger Verkehrsplaner: „In Berlin, München und Stuttgart wurden bereits Pop-Up-Bikelanes auf die Straße gemalt und mit Baken abgetrennt. Dies geschah wirklich *zeitnah*!“

Und Josephine Michalke fügt ein wenig sarkastisch hinzu: „In der Leipziger Stadtverwaltung scheint *zeitnah* derzeit nicht mehr in diesem Jahrzehnt zu bedeuten.“

Rosalie Kreuijer vermutet die Gründe für dieses Zögern und Zaudern in der bisherigen Führung des Dezernats Stadtplanung und Bau und sieht deswegen im Wechsel an der Spitze des Baudezernates eine Chance dafür, dass sich in Leipzigs Verkehrspolitik tatsächlich vieles schneller bewegt: „Der ADFC Leipzig wird den designierten Baubürgermeister Thomas Dienberg *zeitnah*, d. h. unmittelbar nach seiner Wahl am 8. Juli, einladen, mit uns zusammen Leipzig auf dem Rad zu erkunden!“

Und die Jahnallee wird dabei bestimmt angesteuert. Für die gibt es ja seit Januar quasi die Zusage der Stadtverwaltung, hier *zeitnah* eine sichere Radverbindung in die Innenstadt zu schaffen.

„Es ist geplant, mit der Erstellung der Vorplanung 2020 zu beginnen. Eine Umsetzung dieses Konzepts mit baulichen und verkehrsorganisatorischen Maßnahmen wäre ab 2021 möglich, sofern dafür die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden können“, hatte die Verwaltung in ihrer Vorlage zugesichert.

Selbst in dieser Formulierung merkt man das Zögern, sich festzulegen und einen Zustand zu ändern, der schon seit 14 Jahren inakzeptabel ist.

Auch wegen Corona: Zeppelinbrücke bekommt jetzt einen temporären Radweg

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