Leipziger Freiheitsdenkmal: Preise vergeben, Ausstellung eröffnet

Am Freitag, 13. Juli, gab's Preise. Preise für die drei Erstplatzierten im Wettbewerb um das, was mal früher das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal werden sollte. Kaum ein Leipziger ist noch verblüfft, dass das Thema "Deutsche Einheit" von kaum einem der teilnehmenden Künstler thematisiert wurde. Und wenn, dann als finstere Reminiszenz an die Mauer in Berlin.
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Der Versuch, zwei ganz andere Themen zu gestalten, überwog: die Freiheit, zuweilen ganz simpel wie in der hübschen Sitzgruppe, die die Buchstaben „FREI“ in einem der Entwürfe bilden. Das andere Grundthema ist die Demokratie – immer wieder als schwer errungenes und täglich zu verteidigendes Gut. Ein Thema, das mit der „Arabischen Revolution“ mittlerweile wieder die ganze Welt bewegt. Denn Revolutionen sind – so blutig sie sind – immer der leichtere Teil. Der schwerere Teil ist es, eine Demokratie nachhaltig zu verankern, die destabilisierenden Kräfte zu bannen und vor allem das so gern beschworene Volk tatsächlich zur Stütze der Demokratie zu machen.

Nach der Preisverleihung im Festsaal um 14 Uhr verlagerte sich das Geschehen in die Untere Wandelhalle, wo zum ersten Mal nicht nur die drei Siegerentwürfe zu sehen waren, sondern auch alle anderen Entwürfe der Künstler und Künstlergruppen, die zur zweiten Wettbewerbsrunde eingeladen worden waren. Rund 200 Leipziger waren zur Ausstellungseröffnung gekommen und betrachteten recht nachdenklich die ausgestellten Entwürfe. Einige suchten auch die Diskussion mit den Siegern aus München: Marc Weis und Martin de Mattia, M + M, die sich zusammen mit ANNABAU Architektur und Landschaft, Sofia Petersson and Moritz Schloten aus Berlin in den Wettbewerb gewagt hatten. 25.000 Euro gab’s für den 1. Preis.

Den zweiten Preis in Höhe von 17.500 Euro konnte das Büro realities: united, Studio for art and architecture, Jan Edler and Tim Edler, Berlin, mit Schlaich Bergermann und Partner Beratende Ingenieure, Berlin; Prozessagenten Susanne Jaschko, Berlin and Belgrad Creative, Leonard Streich, Berlin, entgegennehmen. Man sieht: auch hier der Zusammenschluss von Kreativen mit unterschiedlicher Profession.

Mit dem dritten Preis (12.500 Euro) wurden Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano, Leipzig, ausgezeichnet.Gefordert war nicht nur der Entwurf eines Denkmals, sondern auch eine Vorschlagsgestaltung für den Wilhelm-Leuschner-Platz, der nach Willen der Stadtverwaltung einmal „Platz der Friedlichen Revolution“ heißen soll.

Die Preise wurden durch Oberbürgermeister Burkhard Jung und die Vertreter der Zuwendungsgeber, Ministerialdirigent Dr. Michael Roik, Gruppenleiter beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Staatsminister Dr. Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei, übergeben.

Das Vorhaben einschließlich des Wettbewerbsverfahrens wird mit bis zu 5 Millionen Euro durch den Bund gefördert. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro. Das Denkmal soll 2014 zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz eingeweiht werden.

Von den aus 325 Bewerbungen ausgewählten 41 Teilnehmern waren 39 Entwürfe bei dem den Wettbewerb im Auftrag der Stadt Leipzig betreuenden Architekturbüro ANP in Kassel eingegangen. Das Preisgericht tagte am 5. und 6. Juli in Leipzig.

Nun kann man also sehen, was draus geworden ist. Was man sieht, sind natürlich auch die Zwänge der Aufgabenstellung. Es gibt eigentlich keinen Entwurf, in dem nicht die Platzgestaltung im Mittelpunkt steht. Es gibt einige Parklandschaften, es gibt mehrere Versuche, den Platz mit Gebäudestrukturen zu definieren – bis hin zu einem Sendemasten und einem erleuchteten Obelisken. Selbst zwei aneinander gelehnte Riesenräder sieht man, einen großen Autokran, der den freiheitssuchenden Bürger in die Höhe hievt. Am emotionalsten vielleicht sogar der Platz, auf dem sich eine Gruppe von Lampen, wie sie einst die Berliner Mauer beleuchteten, versammeln, als wollten sie jetzt auch mal demonstrieren.Ein ähnlicher Versuch versammelt lauter Transparente auf dem Platz, ein anderer stapelt bunte Raumelemente umeinander, die sich ohne strenge Kontur über den Platz ergießen. Nutzbar als „Schule für Friedliche Revolution“. Ganz ähnlich dachte der Künstler, der eine „Schule der Revolution“ als einsehbaren Kubus auf den Platz stellen wollte.

Irgendwann ist man da durch und ist sich sicher: Die Raumplaner und Gartenarchitekten haben ihre Aufgabe gelöst. Nur das Denkmal fehlt.

Oberbürgermeister Burkhard Jung zeigte sich zwar auch zur Ausstellungseröffnung vom Siegerentwurf begeistert. Und ganz theoretisch hat der natürlich Vieles für sich. Die Vielfalt und die Schönheit der Revolution kann sich durchaus wiederfinden in diesem gewaltigen bunten Fußballfeld und den 70.000 farbigen Elementen, die man einfach mit nach Hause nehmen kann.

Doch wenn sie fort sind – was dann? Wo ist der emotionale Bezugspunkt, der den Platz zum Magneten für Touristen und Geschichtsinteressierte macht?

Es ist nicht der einzige Entwurf, in dem das fehlt. Keiner kommt wirklich über die Rauminstallation hinaus, gestaltet gar einen neuen, eindrucksvollen Stadtplatz, der hier neue Aufenthaltsqualitäten schafft. Man darf ja nicht vergessen: Der Platz liegt, wenn erst einmal die S-Bahn-Station „Wilhelm-Leuschner-Platz“ in Betrieb genommen wurde, höchst zentral. Auf der Westseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes steht neben der neuen Propsteikirche noch eine weitere architektonische Neugestaltung an. Dasselbe auf der Ostseite, wo die Grünen seit Jahren um eine Markthalle kämpfen.

Die meisten Entwürfe versuchen irgendwie, den Glaswürfel des Südausgangs der Station zu integrieren. Auch der Platz der „70.000“ muss wohl erst um mehrere Grad gedreht werden, damit nicht ausgerechnet der Stationswürfel mitten drauf steht.

Die Diskussionen am Rand der Ausstellungseröffnung wurden jedenfalls schon recht emotional.Ab jetzt kann man natürlich auch mitdiskutieren. Ein Forum fand am Abend des 13. Juli im Neuen Rathaus statt. Freigeschaltet zur Diskussion ist jetzt auch bis zum 3. August die Website www.denkmaldialog-leipzig.de. Die Ausstellung im Neuen Rathaus wird durch öffentliche Führungen von Kunstwissenschaftlern begleitet. Dafür können sich Interessierte ebenfalls über den Onlinedialog anmelden.

Das Ergebnis des Wettbewerbsverfahrens und die Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung werden im Herbst dem Stadtrat vorgestellt. Dieser wird im Ergebnis dieser Information die Verwaltung mit der Aufnahme von Verhandlungen mit den Preisträgern nach den Vorgaben des europäischen Vergaberechts beauftragen. In diesem Verhandlungsverfahren werden die vom Preisgericht gegebenen Hinweise und offenen Fragen für die Realisierung aller drei ausgezeichneten Entwürfe beurteilt sowie bewertet, ob sich der Entwurf in der vorgegebenen Qualität, und dem Zeit- und Kostenrahmen mit dem Entwurfsteam umsetzen lässt. Die Stadt Leipzig wird dann unter Würdigung der Empfehlung des Preisgerichtes und der Ergebnisse des Verhandlungsverfahrens einen der Preisträger mit den weiteren Leistungen bei der Umsetzung beauftragen.

Die Statements der drei Sieger-Teams:

Die Erstplatzierten M + M / ANNABAU: „Die Frage zum 9. Oktober 1989 in Leipzig, die sich uns stellte, war: Wie können wir diese gigantische Zahl von 70 000 friedlichen Demonstranten und vor allem deren Dynamik, Zivilcourage und Errungenschaft, visuell und physisch begreifbar machen? Wir haben dafür eine neue Form des Denkmals entwickelt, die als soziale Plastik den einzelnen Bürger und seine Verantwortung für die Freiheit unmittelbar mit einbezieht.“

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Die Zweitplatzierten, die Künstler und Architekten Jan & Tim Edler von realities:united: „Die Jury hat ungewöhnlichen Mut bewiesen, in diesem bedeutenden Wettbewerb drei Projekte auszuzeichnen, die alle auf ihre Art und Weise über ein klassisches Denkmalbauwerk hinausgehen. Das ist eine Chance, die so noch nie da gewesen ist – nicht nur für die Stadt Leipzig, sondern für das gesamte Land. Mit unserem Konzept ‚Stiftung an die Zukunft‘ wollen wir einen für Deutschland einzigartigen Ort schaffen, der nicht allein der Kontemplation und Erinnerung dient, sondern der in einem fortlaufenden Prozess das gegenwärtige politische und gesellschaftliche Engagement der Menschen abbildet und in den Mittelpunkt des Denkmals stellt.“

Die Drittplatzierten Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano: „Wir freuen uns, diesen Preis entgegen zu nehmen, wir sind dankbar für die Teilnahme an diesem Wettbewerbsverfahren, weil uns die Beschäftigung mit diesem Thema zum Einen die Ereignisse des Herbst 1989 nochmals ins Gedächtnis gerufen und zum Anderen durch die Reflexion bereichert hat. Unsere Gedanken haben zur Form des Gartens gefunden, Demokratie und Freiheit müssen bestellt und gepflegt werden, damit wir uns gemeinsam an deren Früchten erfreuen können.“

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