Tod der jungen Mutter und ihres Sohnes in Gohlis: Naomi-Pia Witte hat 48 Fragen, auf die sie gern eine Antwort hätte

Naomi-Pia Witte. Stadträtin der Linken, lässt der Tod der jungen Mutter und ihres zweijährigen Sohnes nicht los. Nicht nur, weil er so tragisch war, sondern auch, weil die junge Frau mit ihren Suchtproblemen irgendwo aus dem Betreuungsschema der Leipziger Ämter gefallen ist. Sie setzt dem Oberbürgermeister jetzt 48 Fragen vor, die sich mit den Lücken im Sachstandsbericht des Jugendamtes vom 26. Juni beschäftigen.

Eben jenen Lücken, durch die die junge Mutter augenscheinlich fiel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Aber für Naomi-Pia Witte ist es zu ruhig geworden um den Fall der jungen Mutter mit ihrem Sohn, die am 17. Juni 2012 in ihrer Wohnung in Gohlis tot aufgefunden wurden.

„Leider verstärkt sich der Eindruck, die Behörden versuchen auch diesen Fall auszusitzen. So wurde zum Beispiel die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Pellmann zum Stand der Aufklärung des Falles von der Sozialministerin mit dem Hinweis auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschmettert“, erklärte die Linke-Stadträtin. „Aber auch die Stadtverwaltung vermittelt nicht den Eindruck – außer dem Hinweis, dass irgendwann, wahrscheinlich im September, eine externe Untersuchungskommission eingesetzt werden soll, dass mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles gearbeitet wird.“

Denn augenscheinlich kann nicht stimmen, was die Verwaltung zur abgeschlossenen Suchttherapie von 2011 erklärt: „Die Schnittstellen zwischen Suchthilfe und Jugendhilfe griffen, die bestehenden Verfahrensstandards funktionierten. Diese Therapie wurde erfolgreich abgeschlossen.“

Schon aufgrund der starken Abhängigkeit der jungen Frau kann so eine Therapie nur vorübergehend als abgeschlossen gelten. Danach besteht jederzeit die Gefahr eines Rückfalls. Was dann vom ASD im Mai 2011 mit einem „Kontrollvertrag“ im Mai 2011 auch so akzeptiert wurde. Der Vertrag wurde bis Dezember 2011 erfüllt. Aber auch das ist kein Zeitraum, nachdem man nach einer so langen Suchtproblematik wirklich annehmen kann, die Betreute sei tatsächlich weniger gefährdet.
„Natürlich sind staatsanwaltschaftliche Untersuchungen zu den strafrechtlichen Konsequenzen des Falles und die Einsetzung einer externen Kommission zu begrüßen“, sagt Witte. „Beides aber entlässt die Verantwortlichen in Stadt und Freistaat nicht aus ihrer Pflicht, alles in ihren Möglichkeiten stehende zu unternehmen um die Umstände des Falles lückenlos aufzuklären.“

Denn die derbe Drogendiskussion in Leipzig 2011 hat ja auch einmal mehr gezeigt, wie groß das Problem illegalen Drogenkonsums in Leipzig ist – und dass es mit polizeilichen Methoden nicht zu lösen ist. Genau hier können nur Hilfs- und Betreuungsprogramme ansetzen, die nicht noch einem halben oder einem Jahr enden.

„Am 10.04.2012 erschien die Mutter mit Kind und neuem Lebenspartner aufgrund schriftlicher Einladungen des zuständigen Sozialarbeiters beim ASD zum Gespräch, im Ergebnis wurde erneut keine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Aus diesem Grund erfolgten keine neuen Kontakte“, heißt es im Sachstandsbericht des zuständigen Amtes. Danach verschwand die junge Frau einfach vom Radar der Betreuer. Das ist die Stelle, an der wohl auch im Amt für Jugend, Familie und Bildung die eigentlichen Fragezeichen stehen. Und Witte sieht hier gleich ein Bündel von Fragen: „Einladungen? Heißt dies, dass der Sozialarbeiter die Mutter mehrmals schriftlich einladen musste, bevor sie beim ASD erschien?

Frage 39: Welche Schlussfolgerungen hat der Sozialarbeiter aus dieser Tatsache bezüglich der Zuverlässigkeit der Mutter gezogen?

…des zuständigen Sozialarbeiters beim ASD zum Gespräch, im Ergebnis wurde erneut keine Kindeswohlgefährdung festgestellt…

Frage 40: Aufgrund welcher Tatsachen kam der Sozialarbeiter zu dieser Feststellung? Vor allem vor dem Hintergrund, dass es ja massive Hinweise auf das Drogenproblem der Mutter gegeben hatte.“

Für Naomi-Pia Witte steht fest: „Betrachtet man aber die Berichte und Stellungnahmen der Stadt zu dem Fall, so werfen diese mehr Fragen auf als sie beantworten. Von dem unbedingten Willen, Licht ins Dunkel dieses Falles zu bringen, ist hier nichts zu spüren.“

Denn eine 49. Frage bleibt ja: Wer fängt die Hilflosen dann eigentlich auf, wenn alle anderen gesellschaftlichen Netze versagen, Nachbarn nichts merken, Eltern sich nicht kümmern (können)?

Am Dienstag, 7. August, hat Naomi-Pia Witte deshalb heute eine schriftliche Anfrage nach § 28, Abs. 5, Satz 1 der Sächsischen Gemeindeordnung an den Oberbürgermeister gestellt, in der sie ihn um die Beantwortung der Fragen bittet, die die Berichte und Erklärungen der Stadt zu diesem Fall aufwerfen.
Die 48 Fragen als PDF zum download.Die Stellungnahme von OB Burkhard Jung:
www.leipzig.de/de/buerger/politik/obm/Hier-schreibt-Oberbuergermeister-Burkhard-Jung-Trauer-um-verstorbene-Familie-23381.shtml

Der Sachstandsbericht des Amte für Jugend, Familie und Bildung vom 27. Juni:
www.leipzig.de/de/buerger/newsarchiv/2012/Tod-einer-jungen-Mutter-und-ihres-Sohnes-wird-weiter-aufgeklaert-23338.shtml


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