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Grüne kritisieren das Fehlen eines Bewässerungskonzepts und die Vorlage für das versprochene Klimareferat

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    Der April war viel zu trocken. Wenn es nicht bald wirklich kräftig regnet, steuert Leipzig ins dritte Dürrejahr hintereinander. Und noch viel wichtiger wird eine zentrale Steuerung, die im Oberbürgermeisterwahlkampf im Januar eine ganz zentrale Rolle spielte: ein Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsreferat mit elf festangestellten Mitarbeiter/-innen, das den „Klimanotstand“ endlich auf die oberste Ebene bringt, dahin, wo er hingehört.

    Im März sollte es dazu die entsprechende Vorlage geben. Denn wenn die Arbeit der Stadtverwaltung den Erfordernissen des Klimanotstands angepasst werden soll, braucht das eine zentrale Steuerung. Und vor allem zügige Umsetzung. Die klimatischen Belastungen sind längst spürbar in Leipzig.

    Nach Angaben von Cathleen Hickmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD), Außenstelle Leipzig, war der April in Leipzig gegenüber dem vieljährigen Mittel um 2,4 °C zu warm. Es gab bedeutend mehr Sonnenstunden als sonst, und mit 2,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erreichte der gesamte Monat April nur 4,1 % des vieljährigen Mittels (51,4 Liter/Quadratmeter).

    Vor diesem Hintergrund fordert der Parteivorstand der Leipziger Bündnisgrünen die Umsetzung der Beschlüsse zum Klimanotstand und mahnt die Eilbedürftigkeit der Baumbewässerung an.

    Straßenbäume in Gefahr

    Auch der BUND hatte schon kritisiert, dass die Verwaltung nicht von allein auf die Idee kam, die Straßenbäume zu wässern, und fordert unverzügliche Maßnahmen zum Erhalt des Baumbestandes.

    „Wir haben den dritten trockenen Frühling in Folge, die Bäume und Grünanlagen müssen jetzt dringend gewässert werden, sonst drohen Langzeitschäden“, mahnt Martin Hilbrecht vom BUND Leipzig. „Die grüne Infrastruktur der Stadt darf auch unter den gegenwärtigen Umständen nicht hintenangestellt werden, sie ist unabdingbar für die Gesundheit und Lebensqualität der Leipziger Bürger/-innen.“

    Die seit 2018 anhaltende Trockenheit führte bereits zum Absterben mehrerer tausend meist junger Bäume. Andere sind so schwer geschädigt, dass sie einen weiteren Dürresommer nicht überstehen werden. Es ist zu befürchten, dass der Leipziger Baumbestand dramatisch abnimmt. Hinzu kommt die unverändert hohe Zahl an Bäumen, die Jahr für Jahr Baumaßnahmen und dem sogenannten „Baum-ab-Gesetz“ zum Opfer fallen.

    Erst 2019 wurde das längst überfällige Leipziger Straßenbaumkonzept im Stadtrat beschlossen, welches neben dem Erhalt des vorhandenen Baumbestandes die Neupflanzung von 1.000 zusätzlichen Straßenbäumen pro Jahr vorsieht.

    „Es ist erfreulich, dass es nach jahrelangem Wegsparen und Hinauszögern nun endlich wieder mehr Straßenbäume geben wird“, meint Hilbrecht. „Allerdings verpufft der Effekt, wenn mangels fachgerechter Pflege und Bewässerung an anderer Stelle die Bäume vertrocknen. Hier jetzt zu sparen wäre unlogisch und würde am Ende sehr teuer.“

    Die wiederkehrende und anhaltende Trockenheit entspricht den Projektionen der Klimaforschung für die Folgen einer zunehmenden Erderwärmung. Der BUND fordert von der Leipziger Stadtverwaltung, neben der Soforthilfe für die Bäume und Grünanlagen, ein kluges und modernes Bewässerungs- und Regenwassermanagement, um künftigen Extremwetter-Ereignissen wie Dürren und Starkregen gewachsen zu sein.

    Klimanotstand ist jetzt, nicht erst morgen

    Vor einem halben Jahr wurde in der Stadt Leipzig, die sich in einer Vorreiterrolle im Klimaschutz sieht, der Klimanotstand ausgerufen. Mit diesem wichtigen Symbolschritt wollte sich die Stadt engagiert zeigen und bekannte sich dazu, die negativen Auswirkungen der Erderhitzung auf lokaler Ebene so gering wie möglich zu halten. Tatsächlich angeregt hatte die Ausrufung des Klimanotstands im Mai 2019 das Jugendparlament.

    Doch weder gab es die Vorlage zum Klimareferat, noch reagierte die Stadt auf die Bedürfnisse der Radfahrer im Corona-Shutdown. Logisch, dass die Grünen so ihre Zweifel haben, ob es Leipzigs Verwaltungsspitze mit dem Klimaschutz wirklich ernst ist. Als Folge der Coronakrise scheint jetzt alles wieder offen, und es stehe zu befürchten, dass die Prioritäten wieder verschoben werden, zurück in fossile Denkweisen.

    Bereits im März sollte das Konzept vorliegen, die Stellenausstattung der Klimaschutzleitstelle anzupassen und diese zu einem Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsreferat weiterzuentwickeln.

    „Dieses Konzept ist bisher nicht vorgelegt worden. Angesichts der deutlich sichtbaren Folgen des Klimawandels auch in unserer Stadt fordern wir die alsbaldige Vorlage und die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses noch vor der Sommerpause“, erklärt Ulrike Böhm, Sprecherin der Leipziger Bündnisgrünen. „Gerade weil es einen Zusammenhang zwischen Corona- und Klimakrise gibt, muss in Klimaschutz und Klimafolgenanpassung investiert werden!“

    Angesichts der anhaltenden Trockenheit, die Folge des Klimawandels ist, müsse darüber hinaus schneller in Sachen Baumschutz gehandelt werden.

    „Die Stadt-, Park- und Waldbäume Leipzigs sind überlebenswichtig für die Bewohner/-innen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sich die Stadt mit einem Bewässerungskonzept für Straßenbäume und öffentliche Grünflächen bis Ende dieses Jahres Zeit lassen will.“ Matthias Jobke, der Vorstandssprecher des Grünen-Kreisverbandes, dringt auch hier auf schnelles Handeln. „Der Klimawandel unterliegt nicht dem Corona-Lockdown. Nach zwei Hitzesommern hätte ein solches Bewässerungskonzept längst vorliegen müssen!“

    Im Februar hatte die Linksfraktion so ein Bewässerungskonzept für Leipzig beantragt. Das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport hat darauf im April reagiert und die Vorlage so eines Konzepts für den Herbst angekündigt: „Ende des 4. Quartals 2020 erstellt die Stadtverwaltung mit Beteiligung der Umwelt- und Naturschutzverbände ein Bewässerungskonzept für die Liegenschaften der Stadt Leipzig.“

    Der Stadtrat tagt: Leipzig ruft den Klimanotstand aus + Video

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