Der historische Vierseitenhof in der Bornaischen Straße 68 in Markkleeberg-Ost wechselt den Besitzer. Nachdem er über mehrere Generationen im Familienbesitz bewohnt und bewirtschaftet wurde, geht er im November 2013 an die Pleißenhofgemeinschaft über. Am Sonntag, 3. November, findet um 16 Uhr auf dem Hof die öffentliche Übergabe statt.

Die Pleißenhofgemeinschaft eG ist eine Gemeinschaft junger Erwachsener und Kinder, die sich zusammengefunden hat, um den Pleißenhof zu erhalten, ihn wohnend zu beleben und ihn sorgsam zu gestalten. Im Mai 2013 gegründet, will die Genossenschaft die Belange von Mensch und Bauwerk langfristig absichern und auf dem Pleißenhof soziale und ökologisch hochwertige Wohn-, Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Mitglieder schaffen. Denkmalschutz und Lebensraum sollen in Einklang gebracht und der Pleißenhof als Kulturdenkmal Markkleebergs erhalten werden.

Auf der Website, die die Genossenschaft eingerichtet hat, kann man auch die Geschichte des Vierseithofs an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 11 nachlesen: “1736 – diese Jahreszahl im Schlussstein über einer Tür in der Ostfassade kündet vom Baujahr des Herrenhauses. Die Historie des Pleißenhofes reicht zwar noch weiter zurück, im Jahr 1736 wurde aber nach einem Brand das markante zweigeschossige Wohngebäude mit Krüppelwalmdach neu errichtet. Die Malzdarrenscheune (vermutlich Teil einer Ausspanne mit Pferdestall) mit dem zentralen Kreuzgratgewölbe und den charakteristischen Gaubenbändern im Dach besteht seit dem 19. Jahrhundert.

1736, da hat Johann Sebastian Bach eben in der Thomaskirche sein Weihnachtsoratorium uraufgeführt, Johann Christoph Gottsched veröffentlicht in Leipzig seine “Ausführliche Redekunst”. Bis zur Fertigstellung des Gohliser Schlösschens wird es noch zwanzig Jahre dauern. Aber ein Jahr später würde die Neuberin den Hanswurst von der Bühne jagen.”Das denkmalgeschützte Pleißenhof-Ensemble in der Bornaischen Straße 68 in Markkleeberg-Ost hat Geschichte. Wir wollen sie nicht nur fortschreiben, sondern auch nach und nach ergründen, was sich an diesem Ort alles zugetragen hat. Hinweise zur Vergangenheit des Hofes, durchaus auch zur jüngeren, sind uns herzlich willkommen”, erklärt die neue Hofgemeinschaft.

In einem ersten Schritt sollen im Herrenhaus bis Mitte des Jahres 2014 durch behutsame Umbaumaßnahmen Wohnungen für die Mitglieder der Genossenschaft entstehen. In einem zweiten Schritt soll die Malzdarrenscheune aus dem 19. Jahrhundert als weiterer Wohnbereich ausgebaut werden. Mit dem Hof, dem Gewerberiegel, den Scheunen und der Obstbaumwiese soll Raum für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten gestaltet werden.Mittelfristig hat die Pleißenhofgemeinschaft das Ziel, im alten Bauernhof neue bauliche und soziale Räume zu schaffen, die individuelle Entwicklungsmöglichkeiten bieten können. “Wir möchten unseren Kindern ein naturnahes und gemeinschaftliches Umfeld bieten”, betonen die Genossenschaftsmitglieder. “Langfristig erachten wir es als sinnstiftend, mehrere Generationen auf dem Hof zu vereinen. Haus und Hof möchten gepflegt und erhalten werden. Denkmalschutz und Lebensraum möchten in Einklang gebracht werden. Der Pleißenhof soll als Kulturdenkmal Markkleebergs die für seinen Erhalt notwendigen Entwicklungen erfahren.”

Der alte Bauernhof wird also auch ein Pilotprojekt in Sachen generationenübergreifendes Zusammenleben und damit möglicherweise Vorbild für ähnliche Projekte.

“Aus der langen Geschichte des Hofs resultiert auch Verantwortung gegenüber der kulturellen Gegenwart der Gemeinde. Unser Ziel ist die Offenheit gegenüber unserem Umfeld”, betont die neue Hofgemeinschaft und plant auch schon mal Aktionen für die Zukunft: Hoffeste sind möglich, Läden, Werkstätten, Büros und Ateliers, ein Veranstaltungsraum oder ein Hofcafé. All das ist machbar.

Wer die Mitglieder der Pleißenhofgemeinschaft kennen lernen und mit ihnen ins Gespräch kommen möchte, hat dazu am Sonntag, 3. November, um 16 Uhr Gelegenheit in der Bornaischen Straße 68 in Markkleeberg.

www.pleissenhof.org

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