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Um die Sanierung der Pleiße kümmert sich jetzt erst einmal das Umweltministerium, doch die Wyhra könnte durch den Hainer See fließen

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    Es wird doch noch dauern, bis es für die verockerte Pleiße im Leipziger Südraum eine Lösung geben wird. Vor einem Jahr schien eine Lösung ganz nah. Da schlug die LMBV vor, die Pleiße einfach durch die Witznitzer Seen – also den Hainer und den Kahnsdorfer See – zu leiten und damit die Strecke durch die Abraumhalden des einstigen Tagebaus Witznitz zu vermeiden, wo die Pleiße all die Sulfat- und Eisenlasten ausspült. Aber da hat jetzt das zuständige Umweltministerium erst einmal seinen Hut in den Ring geworfen.

    Die Durchleitung wäre sogar eine doppelte Lösung, denn die Pleiße würde nicht nur nicht verockern und sich in die goldgelbe Brühe verwandeln, die dann nach Leipzig fließt. Sie würde auch die Wasserqualität der beiden Bergbauseen verbessern.

    Aber hier hat sich jetzt das zuständige Landesamt eingeschaltet – wahrscheinlich zu Recht. Denn seit 2006 hätte sich die sächsische Staatsregierung um die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie kümmern müssen. Doch genau das ist bis zum Wechsel im Ministeramt 2019 nicht geschehen.

    Sachsens Flüsse und Bäche sind nach wie vor hochbelastet – zumeist mit Düngerückständen aus der Landwirtschaft, aber eben auch mit den Sedimenten aus den Bergbau. Dazu kommt ihre Kanalisierung und Eindeichung, was ihnen auch die Fähigkeit zur Selbstreinigung nimmt, vom Schwund der Artenvielfalt und einem naturnahen Zustand der Gewässer ganz zu schweigen.

    Deswegen hat die LMBV die Untersuchungen zur Verlegung der Pleiße außerhalb des Kippenbereichs als Ort des Haupteiseneintrages und die Durchleitung der Pleiße durch die Witznitzer Seen mit Verweis auf den in Erstellung befindlichen Vorhabens- und Sanierungsplan für die Oberflächenwasserkörper Pleiße-4a und Pleiße-4b (Bereich von Regis-Breitingen bis Leipzig) unter Leitung des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erst einmal gestoppt.

    Informationen, wie sich das LfULG die Sanierung der Pleiße vorstellt, gibt es noch nicht.

    Was dann sowohl LMBV als auch dem Regionalen Planungsverband erst einmal die Hände bindet und die seit 2017 anhaltende Diskussion verlängert.

    Am Donnerstag, 27. August, informierten jetzt Vertreter des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen, der Landestalsperrenverwaltung sowie der LMBV in einer gemeinsamen Folgeveranstaltung die Workshop-Teilnehmer über den aktuellen Untersuchungsstand und die neuen Erkenntnisse zur Gewässergüteverbesserung der Pleiße. Es handelt sich dabei um den 5. Workshop seit 2017. Um den hygienischen Anforderungen unter Beachtung der Teilnehmerzahl gerecht zu werden, fand die Beratung im Bürgerbegegnungszentrum der Gemeinde Neukieritzsch statt.

    Anwesend waren die Bürgermeister der Gemeinde Neukieritzsch und der Städte Böhlen und Rötha sowie Vertreter der Städte Borna, Rötha und Markkleeberg. Des Weiteren gehörten zum Teilnehmerkreis Vertreter der Landestalsperrenverwaltung, des Landratsamtes Landkreis Leipzig, des Zweckverbands Planung und Erschließung Witznitzer Seen, des Regionalen Planungsverbands Leipzig-Westsachsen, der Bürgerinitiative Kahnsdorfer See, der Blauwasser GmbH, der Blauland GmbH und des Sanierungsträgers LMBV.

    Zunächst gab Prof. Dr. Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband als Einladender und Moderator eine kurze Einführung mit Standortbestimmung zum erreichten Sachstand. Im Anschluss erläuterten die LMBV-Mitarbeiter Rolf Schlottmann und Benno Janisch den aktuellen Untersuchungs- und Bearbeitungsstand zu möglichen Lösungsansätzen aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem letzten Workshop im August 2019.

    Gibt es überhaupt Lösungen, die Eisen- und Sulfatfracht in der Pleiße zu mindern, ohne die Pleiße umzuleiten?

    An zwei Ideen arbeitet die LMBV. Das eine ist der Einsatz von Mikroben.

    Bei der zurzeit in Erstellung befindlichen Machbarkeitsstudie zur Maßnahme der Insitu-Sulfatreduktion wird untersucht, ob der Lösungsansatz der mikrobiell induzierten Eisenretention geeignet ist, um die Eisenausträge aus der Kippe Witznitz zu fixieren und somit den Eintrag in die Pleiße dauerhaft zu reduzieren.

    Etwas schneller wäre die zweite Lösung anwendbar. Die LMBV berichtete zur abgeschlossenen Vorplanung der Teileinleitung der Wyhra in den Hainer See. Die Wyhra mündet bei Lobstädt in die Pleiße. Wenn man freilich einen Teil der Wassermenge aus der Wyhra in den Hainer See leitet, trägt das dort zur Stabilisierung der Gewässergüte bei, gleichzeitig vermindert sich in der Pleiße die Wassermenge, die durch die eisenhaltigen Abraumflächen fließt. Das heißt: Man bekommt nach dem Zusammenfluss eine bessere Mischwasserqualität.

    Das hält zumindest die LMBV für erfolgversprechend: Im Ergebnis der Vorplanung wurde die ermittelte Vorzugsvariante als Maßnahme zur „Nutzung von Wasser der Wyhra zur Beschaffenheitssteuerung Hainer See“ bei der Landesdirektion Sachsen als zuständige Genehmigungsbehörde angezeigt, welche im Ergebnis einer allgemeinen Vorprüfung des Einzelfalls eine Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung feststellte.

    Die weitere Bearbeitung und Planfortschreibung ist in Abstimmung mit der Landesdirektion Sachsen sowie der Landestalsperrenverwaltung vorgesehen, so die LMBV. Es wurde vereinbart, in der vorgesehenen, behördlich geforderten Langzeitbewirtschaftungssimulation unter anderem eine Kompletteinleitung der Wyhra in den Hainer See bis zu einer noch festzulegenden Durchflussobergrenze zu untersuchen.

    Prof. Dr. Andreas Berkner thematisierte bei dieser Gelegenheit auch die anstehenden Veränderungen im Leipziger Neuseenland, die durch den Strukturwandel im Kohlerevier und dem daraus resultierenden Einfluss auf die Wasserhaushaltsgrößen zu erwarten sind. Einerseits wird der Grundwasserspiegel wieder steigen, wenn der Kohlebergbau eingestellt wird und die Pumpen abgestellt werden. Andererseits ist der Klimawandel mit den ausbleibenden Niederschlägen auch im Neuseenland spürbar.

    Die Workshop-Teilnehmer verständigten sich darauf, das nächste Treffen in Abhängigkeit des Fortschritts der laufenden Untersuchungen im kommenden Jahr durchzuführen. Zwischenzeitlich soll der Teilnehmerkreis in geeigneter Form über den Bearbeitungsstand informiert werden.

    Beim Workshop am 28. August deutete sich eine Gesamtlösung für Wyhra, Pleiße und die Witznitzer Seen an

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