Braune Hochburg Leipzig? Laut Verfassungsschutz leben nirgends so viele Kameraden wie in der Messestadt

Augenscheinlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, kam sie mit Verspätung doch ans Licht: Eine Statistik über die räumliche Verteilung sogenannter Extremisten in Sachsen. Urheber ist das Landesamt für Verfassungsschutz, auf dessen Webserver das Dokument gespeichert ist. "Die in der Präsentation verwendeten Daten stellen den Sachstand für das erste Halbjahr 2011 dar", so Sprecher Falk Kämpf.
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Eine Erkenntnis aus der Übersicht, die offensichtlich im September erstellt wurde, ist nicht neu: Dass im Freistaat mehr Rechts- als Linksextremisten leben, ist schon seit Jahren bekannt. Dem Verfassungsschutzbericht 2010 zufolge stehen 2.670 rechten gerade einmal 750 linke Extremisten gegenüber.

Dass Leipzig die Gemeinde mit den meisten rechten Einwohnern sein soll, überrascht dagegen. Denn von einer starken Neonazi-Präsenz ist auf den Straßen der Messestadt nichts zu spüren. Etwa 300 bis 400 Kameraden sollen hier leben. So viele wie in keinem anderen Landkreis. In den beiden Großstädten Chemnitz und Dresden seien es lediglich jeweils 200 bis 300. Damit liegen die kreisfreien Gemeinden im sächsischen Mittelmaß. Vergleichsweise wenig Rechte leben in den Kreisen Zwickau, Meißen (beide 150 bis 200), Bautzen (150 bis 200) und im Vogtlandkreis (50 bis 100).
Im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte verlagern sich die räumlichen Schwerpunkte. Leipzig liegt in mit 7 bis 9 Rechtsextremen je 10.000 Einwohnern im Mittelfeld. Besonders stechen die Landkreise Nordsachsen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge sowie die Stadt Chemnitz hervor (10 bis 11/10.000 Einwohner). In allen drei Regionen sind Neonazis seit Jahren verstärkt aktiv. Unterdurchschnittlich wenig Rechte sollen dagegen in den Kreisen Bautzen, Zwickau, im Vogtlandkreis sowie in Dresden leben. Auch dies überrascht, nicht nur vor dem Hintergrund des „NSU“-Netzwerks. Denn im Zwickauer Raum und im Vogtland verfügen die Kameraden, die dort leben, seit Jahren über gefestigte Strukturen. Auch in der Landeshauptstadt sind sie bestens vernetzt, teils weit über Sachsen hinaus.

Die meisten linksextremen Sachsen sollen – nach Ansicht des Verfassungsschutzes – in Leipzig zu Hause sein, nämlich 200 bis 250. In Dresden seien es 150 bis 200, in Chemnitz läppische 50 bis 100. Erstaunlich: In den Landkreisen um Messe- und Landeshauptstadt herum sollen weniger als 30 linke Extremisten ansässig sein, dagegen jedoch bis auf zwei Ausnahmen 200 bis 300 rechte.

Die Statistik belegt zumindest, dass Rechtsextremismus, so man diese Begrifflichkeit denn benutzen mag, im Freistaat ein flächendeckendes Phänomen darstellt. Gemessen am Bevölkerungsschnitt leben im Vogtland etwa so viele Neonazis wie Linksextremisten in den Szene-Hochburgen Leipzig und Dresden (jeweils 3 bis 4/10.000 Einwohner). Alle übrigen Kreise haben empirisch betrachtet ein größeres Problem mit Rechts als mit Links. Möglicherweise war die Statistik aus diesem Grund der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich. Denn sie widerlegt in letzter Konsequenz den von der Landesregierung zur Staatsdoktrin erhobenen, hufeisenförmigen Totalitarismusansatz, wonach der Freistaat gleichermaßen von Links- wie Rechtsextremismus bedroht sei.

Der Link zur Statistik:
www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/Anlage_zur_Verteilung_Extremisten.pdf


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