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Demokratie braucht mehr …: In was für einem Land wollen wir leben?

Für alle LeserKommentarSkandale und Lobbyismus bestimmen meinen medialen Alltag. Das begünstigen zum einen die Medien. Ärger verkauft sich eben besser als Katzenfotos. Zum anderen wird mir suggeriert: Politiker sind käuflich. Sich häufende Einzelfälle vermitteln den Eindruck, dass sie vor allem das gesundheitliche Wohl dem Diktat der Konzerne unterordnen, die sich mit Geld gute Lobbyarbeit kaufen können (wie Dieselskandal, Glyphosat-Diskussion und Fipronil-Skandal allein in den letzten Monaten zeigten).

Klar arbeiten in diesen Konzernen auch Menschen, Angestellte und Arbeiter, wie du und ich und die Arbeitsplätze sollten geschützt sein, denn diese Menschen stehen am Ende der Nahrungskette. Wer aber nicht geschützt sein sollte, sind die Manager, die ihre Millionenvergütungen mit der hohen Verantwortung rechtfertigen, die sie in dem Unternehmen tragen. Also bitte: Steht zu eurer Verantwortung.

Ihr habt mich als Bürger getäuscht und täuscht schamlos weiter. Nehmt eure Hüte und geht endlich. Ihr seid eurer Verantwortung nicht gerecht geworden. Jeder macht mal Fehler, aber Fehler totzuschweigen oder gar Akten zu vernichten (wie im Dieselskandal), nur um ungeschoren davonzukommen, ist nicht verantwortungsvoll.

Die Nachrichten lehren mich heutzutage eines …

Man muss skrupellos sein, wenn man etwas erreichen will. Denn ich agiere nicht mehr in einer Gesellschaft, die aus Menschen besteht und allein vom menschlichen Zusammenleben geprägt ist, sondern in einer, in der der Aktienkurs gesteigert und Gewinnmaximierung um jeden Preis beibehalten werden muss. Und, wenn ich Ehre, Anstand und persönliche Werte wie Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit und Respekt hochhalte, sollte ich mir einen guten Psychiater suchen, denn gespiegelt werden häufig nur gesellschaftliche Kälte und Rücksichtslosigkeit.

Dazu muss ich nur vor die Haustür gehen und mit meinem Fahrrad auf die Straße fahren (denn mindestens einmal pro Tag werde ich ohne Grund angehupt, weil man sich in Leipzig eben noch die Straßen teilen muss). Das Verhalten der Menschen auf den Straßen ist meiner Meinung nach dabei aber nur der Spiegel der Verhaltensweisen jener Eliten, die durch die Medien kreiert und kolportiert werden.

Auch die Politiker leben es vor

Noch viel Schlimmer: sie werden von den Bürgern dieses Staates gewählt, wir schenken ihnen unser Vertrauen. Und dieses wird, wir bekommen es durch die Medien reflektiert, missbraucht. So traurig dieses Bundeswahlergebnis auch ist – es wundert mich nicht. Wir brauchen andere Vorbilder und Politiker, für die Integrität kein Fremdwort ist.

Der Staat muss wieder zurückkehren zu den basalen Aufgaben und seine ordnungspolitischen Pflichten wahrnehmen. Er ist in erster Linie uns Menschen verpflichtet und nicht den Konzernen. Wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Unterhalt eines guten Lebens und nicht der Gewinnmaximierung unbekannter Computeralgorithmen. Und wir sind nicht die Last des Staates, um die er sich auch mal irgendwann kümmern muss. Wir sind seine Existenzgrundlage.

Neben grundlegenden Pflichten wie die Sicherung einer guten Schulbildung, Ausbau und Erhaltung der Infrastruktur (und ja, dazu gehört auch ein ordentlicher Internetanschluss) und Schutz der Bevölkerung muss der Staat wieder dazu zurückkehren, den Bürger in den Mittelpunkt zu rücken.

Bürger – das sind alle Menschen, die hier Leben und zwar unabhängig von ihrer Herkunft, denn alle können sich in der Gesellschaft einbringen, etwa mit zivilgesellschaftlichem Engagement. Verwaltungsakte müssen einfacher werden (Guten Morgen, liebe Bürokraten und Willkommen im IT-Zeitalter), d.h. Einsparung von Verwaltungspersonal geht nur, wenn die Verwaltung entsprechend effizient arbeitet. Lobbyismus der Konzerne muss benannt und öffentlich zur Diskussion gestellt werden.

Und wir müssen ehrlich darüber sprechen, nach welchen Werten wir in Zukunft leben wollen. Was ist jedem einzelnen Menschen wichtig? Wie wollen Sie leben und behandelt werden? Zählt wirklich nur noch, ob das neue Handy/Auto/Designer-Tasche geleistet werden kann? Oder gibt es daneben noch anderes?

Welchen Werten und ethischen Vorstellungen folgen Sie? Was ist Ihnen wichtig für Ihr Leben? Wir brauchen eine gesellschaftliche Wertediskussion und diese muss die Politik anerkennen und respektieren.

Eine wütende Frau.

Du willst einen offenen Disput, saubere Recherchen & Veränderungen in Sachsen, freie Medien ohne Konzernanbindung und mit Haltung? Journalisten, die hier vor Ort arbeiten und dranbleiben? Selbst einen Kommentar bei uns veröffentlichen? Geht klar.

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Demokratie braucht mehr …: Die Wut des ostdeutschen Mannes

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Probefahrt, Reparaturbetrieb und die erstaunliche Frage nach der Mündigkeit in einem kontrollbesessenen System
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Foto: L-IZ

Für alle LeserEs sind immer wieder Sätze von Kolleg/-innen in der jeweils neuen „Leipziger Zeitung“ (die Nr. 70 liegt jetzt überall, wo es gute Zeitungen zu kaufen gibt), die so einen kleinen Aha-Moment ergeben, auch wenn die Themen in der Zeitung von uns meist lange vorher schon angedacht und geplant sind. So auch unsere Recherche-Tour in die Erinnerungswelt der DDR. Was davon ist heute noch wirksam? Oder hängt uns die 1990 Abgewickelte immer noch am Hacken?