Was nutzt den Sachsen ihr erster Platz in Schulvergleichen?

Sabine Friedel hat die Nase voll von der CDU-Schönfärberei: Unglücklich, armutsgefährdet und suchtanfällig, aber gut in Mathe!

Für alle LeserDa unterschied sich Sachsens Kultusminister Christian Piwarz in nichts von seinen Vorgängern und Vorgängerinnen im Amt, als er am Freitag, 18. Oktober, in Bezug auf die Ergebnisse im neuen IQB-Bildungsvergleich sagte: „Die sehr gute Arbeit unserer Lehrer und unser stabiles und verlässliches Bildungssystem sind die Eckpfeiler des erneuten Erfolges beim Ländervergleich.“ Das Lobgehudel ging ja durch alle großen Medien. Aber gleich am Freitag gab’s auch richtig Kontra von Sabine Friedel, der bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion.

In ihrer Wortmeldung entlud sich der ganze Frust über fünf weitere verlorene Jahre im sächsischen Schulsystem, die von CDU-Ministern und -Ministerinnen zu verantworten sind.

„Die Schüler in Sachsen, egal ob auf dem Gymnasium oder der Oberschule, sind für ihren weiteren schulischen oder beruflichen Weg gut gerüstet“, hatte Piwarz behauptet.

Aber das war wohl genau der Satz, den die Bildungsexpertin der SPD-Fraktion von sächsischen Schulministern nicht mehr hören kann.

„Sächsische Kinder können gut rechnen. Prima. Und was nutzt es?“, fragte Sabine Friedel am Freitag in Dresden. Die entscheidende Frage, so die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sei doch: „Schafft es die Schule, jungen Menschen die Voraussetzungen für ein gutes, glückliches und erfülltes Leben mitzugeben? Dazu gehören ohne Zweifel mathematische Fähigkeiten – aber das ist doch nicht das einzige! Schulen sollen starke Persönlichkeiten bilden, die die Herausforderungen des Lebens meistern können. Gelingt uns das in Sachsen besser als in anderen Bundesländern? Nein, eher das Gegenteil ist der Fall.“

Und dann holte sie einfach mal all die anderen Statistiken aus dem Schrank, in denen die fatalen Folgen des auf radikale Auslese getrimmten sächsischen Schulsystems nachzulesen sind.

Die Befunde für ein radikal auf Wettbewerb getrimmtes Land mit seinem Auslesesystem sprechen für sich. Hier sind sie:

In punkto Lebenszufriedenheit der Einwohnerinnen und Einwohner belegt Sachsen den drittletzten Platz.

Beim ehrenamtlichen Engagement ist Sachsen Schlusslicht, nur 1 Prozent der Bevölkerung engagiert sich für andere und die Gesellschaft.

Überdurchschnittlich schneidet Sachsen in punkto psychische Erkrankungen ab, hier ist jeder vierte junge Erwachsene betroffen.

Auch in Sachen Armut ist Sachsen vorn dabei, die Armutsgefährdungsquote ist die fünfhöchste in Deutschland .

Spitzenplätze gibt es ebenfalls in den Kategorien „Riskanter Alkoholkonsum“ (bei Männern Platz 2 in Deutschland) oder beim Konsum der Droge Crystal Meth.

Ebenfalls überdurchschnittlich rangiert der Freistaat Sachsen auch bei den Themen Jugendliche ohne Schulabschluss (vgl. IQB Bildungsmonitor), vorzeitig abgebrochene Ausbildungsverträge oder auch Anzahl der Suizide.

„Eine kluge Bildungspolitik muss endlich das ganze Leben in den Blick nehmen. Die Engführung schulischer Bildung auf abfragbare Leistungen und die Vernachlässigung von Wertevermittlung und Persönlichkeitsbildung bezahlen wir in Sachsen nicht nur mit den bekannten Wahlergebnissen, sondern auch mit großen sozialen Problemen“, fasst Sabine Friedel den Befund zusammen.

„Jetzt in den seit zwanzig Jahren auswendig gelernten Jubel auszubrechen und erneut das ideologische Lied ‚Kontinuität und keine Experimente!‘ anzustimmen, ist zu kurz gesprungen. Dabei zeigen die letzten Jahre sächsischer Bildungspolitik beispielsweise mit der Einführung der Schulsozialarbeit, der Praxisberater oder dem neuen Bildungs- und Erziehungsauftrag im Schulgesetz, dass das konkrete Handeln schon weiter ist und das Umsteuern begonnen hat.“

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