Im Hinspiel hatten die Leipziger in Göttingen knapp gewonnen. Vor der heutigen Partie hatten sie jedoch einige schlechte Nachrichten zu verdauen. Der Fanclub L.E.Greens reagierte darauf mit Protest, ließ seine Trommeln fünf Minuten lang schweigen. "No Fight no Drums" war auf ihrem Transparent zu lesen. Von mangelndem Kampfgeist war im Team heute aber nichts zu merken - im Gegenteil. Leider reichten die Kräfte gegen den Tabellenzweiten nicht bis zum Schluss.

Wie die Gallier unter Einfluss ihres bekannten Zaubertranks warfen sich die Hausherren in die Rebounds unter dem eigenen Korb. Trainer Martin Scholz hatte offenbar die richtigen Worte gefunden, um seine Männer aufzubauen. Wer gedacht hatte, das Fehlen eines Centers würde sich bemerkbar machen, sah sich getäuscht. Bei den Defensivrebounds gingen Walter Simon und Jaroslav Tyrna erfolgreich zu Werke. Auch Geoffrey McCammon zeigte, dass er sich besser mit den Teamkollegen zurecht findet und sammelte den ein oder anderen weiteren Abpraller ein. Es brauchte erst eine Auszeit von Gäste-Trainer Johan Roijakkers, um seine Göttinger nach zwischenzeitlichem 10-Punkte-Rückstand in die Spur zu bringen. Anders als in vielen vorherigen Heimspielen hielten die Hallenherren aber auch in dieser Drangphase stark dagegen und sicherten einen Vorsprung von fünf Punkten bis zur Viertelpause.
Diesen bauten sie zunächst auf wieder zehn Punkte aus, bis sich nach einigen Wechseln auf Leipziger Seite die Göttinger wieder heranschlichen. Es wurde früh deutlich, dass nur eine kluge Rotation der Stamm- und Ergänzungsspieler zum Erfolg führen würde. Vor der Pause dann ließen die Göttinger auch wieder ihr gefürchtetes Schnellangriffspiel erkennen, das im ersten Viertel noch nicht funktioniert hatte. Somit wurde es zur Halbzeit doch noch einmal eng, einen 39:36 Vorsprung hielten die Riesen zur Pause mit einer motivierten und starken Leistung.

Adam Sollazzo trug zu Beginn der zweiten Hälfte die Hauptlast, Göttingen spielte nun wieder geduldig die Angriffe aus. Diese Tempowechsel machten deutlich, warum die Göttinger an der Tabellenspitze mitspielen. Die Uni-Riesen machten die leicht geringere Klasse aber weiter über den Kampf wett. Beim Stand von 50:52 gingen die Baskets aus Göttingen dann aber doch in Führung und zogen sogar davon. Erst bei 52:59 konnten die Leipziger nach einem Ballgewinn wieder durch Adam Sollazo punkten.
Dies war auch schon die spielentscheidende Phase, auch wenn Nick Freer noch einmal ein Zeichen des Aufbäumens mit einem starken Block setzte und den resultierenden Ballgewinn am anderen Ende des Feldes durch den Ring stopfte. “Leider spielen wir zu oft drei gute Viertel und ein richtig schlechtes”, sagte Martin Scholz nach dem Spiel. “Aber die Mannschaft hat unsere Vorgabe, einfach schön zu spielen und möglichst Siege einzufahren, toll umgesetzt.” Auf 68:89 stieg der Rückstand, aber die Riesen hatten wieder alles gegeben, Walter Simon wand sich kurzzeitig mit Krämpfen am Mittelkreis, Adam Sollazo brauchte nach dem Spiel die Hilfe des Physiotherapeuten und Nick Freer spielte mit einem Tape-Verband am Kinn die zweite Halbzeit, weil er eine Platzwunde erlitten hatte. “Wir haben toll gekämpft, es hat alles gestimmt, bis auf das Ergebnis”, meinte Walter Simon als einer der Leistungsträger am heutigen Tag.

Fairerweise zeigten die Göttinger sich als gnädige Gäste und schalteten in den zwei Schlussminuten einen Gang zurück, sonst wäre beim Endstand von 80:92 wohl auch eine Niederlage im dreistelligen Bereich möglich gewesen. “Dann holen wir unseren Heimsieg halt in Dessau”, gaben sich die Hallensprecher zuversichtlich. Mit einer Leistung wie dieser könnte das gelingen, das konstatierte selbst Gäste-Trainer Johan Roijakkers: “Ich denke Leipzig ist noch für die ein oder andere Überraschung gut.” Und auch die L.E.Greens gingen nicht mehr protestierend, sondern zufrieden nach Hause.

Die Statistik zum Spiel:

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