Am 8. Mai im Schauspiel Leipzig: William Shakespeare – Der Widerspenstigen Zähmung

Christopher Schlau ist ein gestandener Mann und so redet er auch. Der weibliche Gegenangriff auf seine verbalen Entgleisungen befördert ihn aber nicht nur rücklings zu Boden, sondern auch in eine verdrehte Welt. Seine Ohnmacht wird ihm zum Fiebertraum gemacht.
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Als Schlau wieder zu sich kommt, wird er als begehrenswerter Mann behandelt, dem die Welt zu Füßen liegt. Schauspieler seien nun gekommen, um für diesen großen Mann eine Komödie zu spielen. Vor Schlaus Augen spielen sich Liebesgeschichten, Familiendramen und Konkurrenzkämpfe ab. Doch die Männer und Frauen spielen nicht die Rollen, die er von ihnen erwartet hätte — und ziehen ihn überdies immer weiter in die aberwitzige Geschichte hinein:

Die erfolgreiche Geschäftsfrau Baptista Minola hat zwei schöne Söhne, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der jüngere Bianco ist in seiner Anmut und Sanftheit nicht zu übertreffen. Im Kampf um seine Hand idealisieren ihn seine Bewerberinnen immer mehr zum Lustobjekt. Somit kann Baptista für ihn unter den Höchstbietenden der Stadt auswählen. Doch ihrem älteren Sohn Katharino, ebenfalls im heiratsfähigen Alter, eilt der Ruf seiner Renitenz und Streitsucht voraus.

Die Mutter hat eine klare Vorstellung davon, wie ihre Söhne an die Frau zu bringen sind, und beschließt, dass Bianco erst dann geheiratet werden darf, wenn sich auch für Katharino eine Gattin gefunden hat. Bis dahin können Biancos Freierinnen nur durch ein komplexes Rollenspiel weiter in seiner Nähe bleiben, wobei die Zahl der Rivalinnen weiter ansteigt. Das verstärkt die Dringlichkeit, eine Ehefrau für den älteren Bruder zu finden.

Als eine Reisende aus Verona in die Stadt kommt, wird sie zur Hoffnungsträgerin: Petruchia will sich reich vermählen. Doch mit der Heirat ist mehr verbunden als die Entgegennahme der Mitgift. Die albtraumhafte Hochzeit ist für Katharino nur der Auftakt für die Ehe mit einer Frau, die ihn erbarmungslos bezwingen will.

Der Widerspenstigen Zähmung (Trailer)

Shakespeares frühe Komödie beschreibt die Liebe als ein sadistisches Spiel, das die Geschlechter miteinander treiben, und als einen Wert, der mit kapitalistischen Marktmechanismen in Verbindung gebracht wird. Aber sie offenbart sich auch als fieberhafter Traum von einer bedingungslosen Zusammengehörigkeit jenseits gesellschaftlicher Konventionen, der keine Auflösung erfährt.

Moritz Sostmann inszeniert jenen Traum mittels der Spiegelung der geschlechtlichen Machtverhältnisse. Während die Frauenfiguren in Shakespeares Stück ein hohes Maß an Unterdrückung erfahren, nehmen sie in dieser Inszenierung die Rolle der Machthaberinnen ein. Aus den Zähmern werden Gezähmte — doch nicht ehe sie nach allen Regeln der Kunst ihre Widerspenstigkeit gezeigt haben. Denn Shakespeares „Zähmung“ bleibt, was sie immer ist: eine bitterböse Komödie.

Mi, 08.05. 19:30 — 22:10
mit Audiodeskription, Zum letzten Mal!
Große Bühne
19:00
Einführung im Rangfoyer
Karten

Spieldauer ca. 2:40, eine Pause

Besetzung: Felix Axel Preißler als Christopher Schlau, Bettina Schmidt als Biondella, Magda Lena Schlott (Puppenspiel) als Baptista/Vincentia, Andreas Dyszewski als Katharino, Ron Helbig als Bianco, Christian Sengewald (Puppenspiel) als Gremia/Magister, Rike Schuberty (Puppenspiel) als Hortensia, Alina-Katharin Heipe als Lucentia, Anna Menzel (Puppenspiel) als Trania, Anne Cathrin Buhtz als Petruchia

Team: Regie: Moritz Sostmann, Bühne: Christian Beck, Kostüme: Elke von Sivers, Puppenbau: Hagen Tilp, Dramaturgie: Matthias Döpke, Licht: Ralf Riechert

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0341 / 12 68 168
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