DOK Industry Programm 2020: Aufbrechen von Machtstrukturen

Das DOK Industry Programm 2020 steht im Zeichen der Teilhabe unterrepräsentierter Filmschaffender, des Türenöffnens sowie des Aufbrechens von Machtstrukturen, die sich durch die Dokumentarfilmbranche ziehen. Die virtuellen Angebote Deutschlands führender Branchenplattform für den Dokumentarfilmbereich sollen die Möglichkeit eröffnen, zukunftsfähige Modelle des Filmschaffens in destabilisierenden Zeiten voranzubringen und neue Wege einer inklusiven Filmproduktion zu beschreiten.
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Zu der Organisation und Kuration der diesjährigen Online-Ausgabe sagt die Leiterin von DOK Industry Brigid O’Shea: „Mein Anliegen war es bei dieser Online-Edition nicht, das DOK Industry Programm einfach als Zoom-Videokonferenz stattfinden zu lassen. Vielmehr haben wir versucht, die Veranstaltungen unter dem Aspekt des Online-Auftritts zu durchleuchten und diejenigen Programmpunkte in den virtuellen Bereich zu transferieren, die wir dort effizient und sinnvoll umsetzen können.

Im Anschluss haben wir überlegt, was wir verändern wollen, und das ist das Sichtbarmachen unterrepräsentierter Stimmen in der Dokumentarfilmbranche und damit einhergehend die Entwicklung neuer Diskussionsformate. Nach wie vor möchten wir den bestmöglichen Zugang zum Markt der internationalen kreativen Dokumentarfilmbranche eröffnen.“

Für die Online-Ausgabe des Industry Programms produzieren Leiterin Brigid O’Shea und ihr Team erstmals eine Reihe an Podcasts in einem kollaborativen Projekt mit anderen Institutionen, um branchenrelevante Perspektiven jenseits der Bildschirme aufzuwerfen.

Die Podcasts wurden gemeinsam mit What’s Up with Docs, dem Programmers of Color Collective und Themba Bhebhe, Kurator für Film und Branchenveranstaltungen, umgesetzt, und widmen sich Themen wie etwa der Dekolonisierung der Filmindustrie, der Diskriminierung und dem Widerstand indigener Filmschaffender und Filmschaffender of Colour sowie dem Recht marginalisierter Filmemacher*innen, die eigene Geschichte selbst zu erzählen.

In Bezug auf die Umsetzung des Industry Programms unter dem Vorzeichen der aktuellen Pandemie fährt Brigid O‘Shea fort: „Für uns bedeutet das Festival vor allem Freude und Feierlichkeit. Das in den digitalen Raum zu übersetzen, war enorm herausfordernd. Gleichsam können wir die Zustände um uns herum nicht ignorieren und müssen ernsthaft an der Neugestaltung der Dokumentarfilmindustrie arbeiten, um deren Zukunft zu sichern.“

Ein impulsgebendes Diskussionsforum ist die XR-Konferenz DOK Exchange. Zwei der Keynotes vertiefen Arbeiten, die bei DOK Neuland erfahrbar sind. Eine der Keynotes nimmt Bezug auf den 360°-Film „Gimme One“, in der Ballroom-Dancer eine Lebenswirklichkeit beschreiben, in der Weiß dominierte, heteronormative Muster keinen Raum haben. In der Keynote geht es um die Arbeit mit Communities als Verbündete, der Produzent Harry Silverlock wird gemeinsam mit der Protagonistin Diva zu dem Thema sprechen.

Eine andere Sprecherin ist Anna Mauersberger, eine der Macherinnen der VR-Installation „The Shape of Us“, die bei DOK Neuland als Multiplayer-Arbeit erfahrbar wird. Sie spricht über die Möglichkeit, VR als ein Mittel der Wiederverbindung zu Mensch und Natur zu nutzen. Moderiert wird die Veranstaltung von Wissenschaftler und Künstler Rob Eagle.

Im Rahmen der Rohschnitt-Präsentation DOK Preview Germany wird auch in diesem Jahr ein Preis vergeben. Eingeladen werden zu dieser Veranstaltung acht deutsche Filmprojekte, die internationale Vertriebspartner/-innen suchen. Der DFM-Works-In-Progress-Preis wird gestiftet von der Firma D-Facto Motion und beinhaltet eine Postproduktionsförderung in Wert von 10.000 Euro.

Moderiert wird die Veranstaltung von Simone Baumann, Geschäftsführerin von German Films und der Produzentin Tanja Gregorieva-Waldhauer. Acht weitere Projekte werden zur Rohschnitt-Präsentation DOK Preview Training eingeladen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit zehn europäischen Trainingsinitiativen statt. Durch die Veranstaltung führen die Produzentin Heidi Fleisher und Pierre-Alexis Chevit von Cannes Docs.

Um den Kurzfilm dreht sich alles bei DOK Short n’Sweet. Auch in diesem Jahr können Filmschaffende bei dem Pitch ihr dokumentarisches Kurzfilmprojekt renommierten Redakteur/-innen und Finanziers vorstellen.

Bei den DOK Partner Presentations schließlich können die neusten Dokumentarfilme entdeckt werden, die auf der Suche nach internationalen Partnern und bereit für internationale Akquise sind. Im Rahmen der Präsentationen wird es ein moderiertes Feedback geben. Die DOK Partner Presentations werden gehostet von Chiledoc, dem Croatian Audiovisual Centre, Doc Nomads, dem Institute of Documentary Film (IDF), der International Emerging Filmmakers Talent Agency (IEFTA) und Polish Docs.

Darüber hinaus wird es verschiedene virtuelle Vernetzungsformate geben, egal, ob sich Akkreditierte gezielt mit Expert/-innen unterschiedlicher Gewerke austauschen möchten oder informell und nach Zufallsprinzip auf andere Festivalteilnehmende stoßen wollen. Einige der virtuellen Treffen werden dank der Partner Polish Docs und ARTE mit Musik stattfinden.

Alle Veranstaltungen, Filmpräsentationen und Podcasts sind über die Festivalplattform myDOK zugänglich. Dort erhalten die Akkreditierten auch die Möglichkeiten der Vernetzung mit anderen Filmschaffenden über den DOK Industry Guide.

Die Gästeliste, die sich stetig erweitert, gibt einen ersten Einblick in die akkreditierten Fachbesucher/-innen und ist auf der Festivalwebsite einsehbar.

Einen Überblick über das diesjährige Programm von DOK Industry finden Sie hier.

Die Projekte von DOK Preview Germany finden Sie hier, die Projekte von DOK Preview Training hier.

Der DOK Co-Pro Market findet wie gewohnt an den ersten beiden Festivaltagen statt, diesmal auch virtuell. Die teilnehmenden Projekte wurden bereits verkündet.

Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 83: Zwischen Ich und Wir

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