Leipziger Biotech-Firma c-Lecta mit neuem Süßstoff auf Erfolgskurs

Mitte Juni hatte das Leipziger Unternehmen c-Lecta - Spezialist für Enzym-Engineering - verlautbaren lassen, dass es einen neuartigen Süßstoff entwickelt habe - in Zusammenarbeit mit einem noch ungenannten, führenden Hersteller von Inhaltsstoffen. Inzwischen sind weitere Einzelheiten zu dem neuen Süßstoff bekanntgeworden. Und Gerüchte um den vermeintlichen Kooperationspartner deuten darauf hin, dass der sächsische Betrieb bald international durchstarten könnte. Doch worauf beruht diese Annahme? Das Konzept, statt Zucker künstlichen Süßstoff zu verwenden, ist so neu schließlich nicht. Was also unterscheidet den neuen Süßstoff von seinen Konkurrenzprodukten?
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Zuckerfreie und kalorienreduzierte Softgetränke liegen nicht erst seit gestern im Trend. Und idealerweise bieten sie den gewohnt süßen Geschmack bei gleichzeitig natürlichen Inhaltsstoffen. Der Traum, solche teilweise unvereinbaren Ansprüche erfüllen zu können, schien zum Greifen nahe, als die Europäische Kommission im Jahr 2011 einen aus der Stevia-Pflanze gewonnenen Süßstoff zuließ: pflanzlichen Ursprungs, kalorienfrei und im Gegensatz zu Zucker nicht kariesverursachend! Die Industrie setzte große Hoffnung auf den neuen Süßstoff, und die Coca-Cola Company widmete ihm mit der Coca-Cola Life eine eigene Produktreihe. Nur der Erfolg blieb aus und die neue Cola Life ein Ladenhüter. Die simple Erklärung soll ein Mitarbeiter des Cola-Konzerns selbst geliefert haben: „Schmeckt schrecklich.“

Der Grund dafür: Einige der Pflanzenstoffe der Stevia haben einen bitteren Nachgeschmack. Andere sorgen zwar für eine angenehme Süße, doch sind genau diese Inhaltsstoffe seltener in der Pflanze enthalten. Und hier kommt das Enzym-Engineering von c-Lecta ins Spiel: Das Unternehmen hat einen Weg gefunden, die Pflanzenstoffe so zu verändern, dass statt des bitteren Nachgeschmacks eine leckere Süße entsteht. An der Entwicklung war laut c-Lecta auch ein international bekannter Hersteller von Süßungsmitteln beteiligt. Das Leipziger Unternehmen selbst hat die Firma nicht namentlich genannt, doch in Fachkreisen taucht immer wieder der Name Purecircle auf – ein Unternehmen, das seinerseits mit Coca-Cola zusammenarbeitet. Eine entsprechende Presse-Meldung hat c-Lecta sogar auf seiner eigenen Website als PDF veröffentlicht.

c-Lecta: Start als Dienstleister im Bereich Enzym-Engineering

Gegründet wurde c-Lecta vor rund 15 Jahren vom Biochemiker Marc Struhalla. Zunächst entwickelte sein Team Enzyme für Waschmittel und Medikamente. Das erste Patent hatten sie noch der Universität Leipzig abgekauft. Inzwischen verfügt das Biotech-Unternehmen über mehr als 50 eigene Patente. Eine solch hohe Zahl an Patenten ist aber für Unternehmen, die international erfolgreich sein wollen, keine Seltenheit und insbesondere bei Firmen, die viel Forschungsarbeit in ihre Produkte investieren, praktisch überlebensnotwendig. Zu hoch wäre sonst das Risiko, dass andere Firmen das fertige Konzept kopieren und dann in ihrem Heimatland patentieren. Der eigentliche Entwickler würde dann von diesem Markt ausgeschlossen, obwohl er die Entwicklungskosten zu tragen hatte. Jungunternehmer sind also prinzipiell gut damit beraten, sich darüber zu informieren, wie man deutsche, europäische und internationale Patente anmelden kann.

Da c-Lecta seit jüngerer Zeit nicht mehr länger als reiner Dienstleister an andere Betriebe herantritt, sondern die Inhaltsstoffe selbst herstellt, haben Patentrechte für das Unternehmen nun einen noch höheren Stellenwert. Inzwischen beliefert die sächsische Firma weltbekannte Unternehmen aus der Lebensmittel und Pharmaindustrie. Zu den bekannteren Kunden zählen unter anderem BASF, Henkel und Roche.

Allerdings ist der zunehmende Erfolg auch mit Herausforderungen verbunden. So sind die geforderten Mengen der unterschiedlichen Inhaltsstoffe inzwischen zu groß, als dass die komplette Produktion noch am Firmensitz in Leipzig realisiert werden könnte. Insbesondere die Produktion zur Süßstoffveredelung müsse aufgrund der geplanten Mengen ausgelagert werden und in anderen europäischen Städten stattfinden, so Thomas Pfaadt, Chief Financial Officer bei c-Lecta.

Es bleibt abzuwarten, ob sich mit dem neuen Verfahren des Biotech-Unternehmens doch noch der einst erhoffte Erfolg der Stevia-Softdrinks einstellt. Die Ankündigungen des Firmenchefs sind jedenfalls groß. Laut ihm sei das Produkt in der Lage, „den Weltmarkt für natürliche Süßstoffe entscheidend zu verändern.“


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