Emissionshandel: Zu viele Zertifikate, CO2-Preis im Keller

Am 17. Juli 2012 ging der dritte Petersberger Klimadialog zu Ende. In diesem Kontext riefen Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verstärkten Anstrengungen hinsichtlich der Reduktion von CO2-Emissionen auf. Aber das wichtigste Instrument, das die Reduktion des CO2-Austoßes voranbringen sollte, versagt: der europäische Emissionshandel. Er hat jeglichen Biss verloren.
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Der europäische Emissionshandel hat eigentlich die Aufgabe, den Ausstoß des Klimagases CO2 kosteneffizient zu reduzieren. Doch der aktuelle Preis für CO2-Emissionszertifikate bietet kaum noch Anreiz zur Investition in CO2-vermeidende Technologie, stellt Winfried Ehrenfeld vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) fest.

Steigende Kosten für CO2-Zertifikate sollten unter anderem soll er Anreize für die Investition in CO2-vermeidende Technologien bieten. Der Emissionsrechtehandel wurde in der EU 2005 eingeführt. Doch schon zum Ende der ersten Handelsperiode (2005 bis 2007) hatte der CO2-Markt diese Aufgabe nicht mehr erfüllt, da der Preis für ein CO2-Emissionszertifikat aufgrund der reichhaltigen Zuteilung bis auf zwei Cent gefallen war. Umweltschützer hatten vor diesem Effekt gewarnt. Doch gerade zum Auftakt des Versuchs wollte keine europäische Regierung ihre energieintensiven Konzerne verprellen, man reichte so viele Zertifikate aus, dass sie den CO2-Ausstoß in keiner Weise teurer machten.
Spannender wurde es ab 2008: Nachdem diese Zertifikate nicht in die zweite Handelsperiode (2008 bis 2012) übertragen werden konnten, lag der Preis für eine Tonne CO2-Emissionen Anfang 2009 bei knapp unter 14 Euro. Er entwickelte sich anschließend positiv bis in die erste Hälfte des Jahres 2011, als er zeitweise bis über 16 Euro stieg. Doch Anfang Juni 2011 fiel der Preis überraschend innerhalb von eineinhalb Wochen auf etwas über 12 Euro. In der Folgezeit entwickelte sich der Trend weiter negativ bis zum Januar 2012. Seitdem hat sich der Preis auf einem Niveau um etwa 7 Euro stabilisiert, blieb aber dennoch sehr volatil, so das IWH.

„Als bestimmende Faktoren der Preisentwicklung in der zweiten Handelsperiode können die weiterhin vergleichsweise großzügige Ausstattung der Unternehmen mit Zertifikaten sowie die Folgen der Rezession im Jahr 2009 gesehen werden. Des Weiteren übt der vermehrte Einsatz ‚grüner‘ Technologien zur Stromerzeugung Druck auf den Preis aus“, stellt Ehrenfeld fest. „Außerdem beeinflussen die anhaltende Nervosität und Unsicherheit auf den Finanzmärkten und der damit verbundene ungünstige Konjunkturausblick den CO2-Markt. Für Unsicherheit sorgt auch die Ungewissheit über die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls ab 2013. Als Grund für den abrupten Preisverfall ab Juni 2011 wurde zudem Spekulation vermutet. Sein lokales Minimum mit etwas über sechs Euro erreichte der Preis im Dezember 2011, nachdem die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Durban bekanntgegeben worden waren.“

Was wohl auch bedeutet: Der massive Ausbau von erneuerbaren Energien hat den Bedarf am Kauf von Emissionszertifikaten deutlich verringert. Da Instrument hat seinen Biss verloren. Und es steht mit der dritten Phase nicht unbedingt zu fürchten, dass es ihn zurückgewinnt.

Eine Grafik zu den CO2-Preisen:
www.iwh-halle.de/d/publik/presse/26-12.pdf


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