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Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert: Bayer muss Gentechnik-Produkte vom Markt nehmen

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    Es war schon 2016 unverständlich, warum der Bayer-Konzern sich so darauf versteifte, das skandalgebeutelte us-amerikanische Unternehmen Monsanto zu kaufen mitsamt seinen vielen Gerichtsprozessen und dem mehr als suspekten Geschäftsmodell rund um gentechnikverändertes Saatgut und Umweltgifte wie Glyphosat. 2018 kaufte Bayer den Skandalkonzern trotzdem für 66 Milliarden Dollar, ließ den Namen Monsanto verschwinden, setzt aber das umstrittene Geschäft fort. Mit akuten Gefahren für Landwirtschaft und Artenvielfalt, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

    „Bayer profiliert sich gerne als transparenter und verantwortungsvoller Konzern – aber die Praxis sieht ganz anders aus. Der Konzern macht weiter Geschäfte mit Gentechnik-Saatgut und Pestiziden, will aber für die Folgen der Produkte auf die landwirtschaftliche Erzeugung, die Umwelt und menschliche Gesundheit keinerlei Verantwortung übernehmen“, kritisiert Bernd Schmitz, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) NRW anlässlich der am 28. April virtuell stattfindenden Bayer-Hauptversammlung.

    Und Bayer nutzt jetzt seine Marktmacht in Deutschland, auch die Bundesregierung von ihrer fachlich nur zu begründeten Ablehnung von Gentechnik wieder abzubringen. Aber wer das Marktmonopol für gentechnisch verändertes Saatgut hat, der bestimmt, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht, wie Bauern in den Zwang geraten, dieses Saatgut immer wieder zu kaufen und einzusetzen und weiter mit Chemiekeulen zu arbeiten.

    Damit wird der Weg in eine ökologische und damit nicht nur umweltfreundliche, sondern auch nachhaltige Landwirtschaft verbaut. Gleichzeitig wird die Unabhängigkeit von Bauern und Regionen niedergewalzt.

    „Bei den neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR drängt Bayer die Bundesregierung und die EU-Kommission dazu, dass diese nicht als Gentechnik reguliert werden sollen. Damit will Bayer eine verpflichtende Risikoprüfung, ein Zulassungsverfahren, eine Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und damit Wahlfreiheit für die gesamte Wirtschaftskette und für die Verbraucher/-innen verhindern“, kritisiert Schmitz.

    „Dieses Vorgehen macht das kommerzielle Interesse von Bayer deutlich, Gentechnik durch die Hintertür auf unseren Äckern und in unseren Ställen einzuführen. Ohne Rückverfolgbarkeit und Transparenz bleiben Bäuerinnen und Bauern auf Schäden sitzen. Die AbL fordert dagegen die Umsetzung des Vorsorge- und des Verursacherprinzips, wie es im EU-Recht klar verankert ist.“

    Die Verantwortungslosigkeit des Konzerns zeigt sich laut AbL schon bei der alten Gentechnik und bei seinem Umgang mit Pestiziden. So sei Bayer bei allen bisherigen Glyphosat-Prozessen infolge der Monsanto-Übernahme in den USA in Berufung gegangen, mit dem Argument, bei sachgemäßer Anwendung gäbe es keine Schäden.

    Das kommentiert Schmitz so: „Anstatt die Produktion des strittigen Wirkstoffs einzustellen, hat Bayer eine Neuzulassung von Glyphosat für Europa beantragt, wo die Zulassung 2022 ausläuft. Dies dient rein den Profitinteressen von Bayer. Aus vielen ackerbaulichen, Umwelt- und Gesundheits-Aspekten ist es kontraproduktiv. Bauern beweisen schon heute, dass nachhaltiger Ackerbau auch ohne Glyphosat funktioniert.“

    Und der Endtermin für Glyphosat war hart erkämpft gegen eine Lobby der Agrarkonzerne, die die Industrialisierung der Landwirtschaft immer weiter vorantreiben will, was im Gefolge nicht nur zu Dumpingpreisen für landwirtschaftliche Produkte, sondern auch zu dem nach wie vor anhaltenden Bauernsterben führt. Wenn aber Bauern ihr Land aufgeben, kaufen es immer wieder genau jene Großkonzerne, die mit ihrer Preispolitik erst das Bauernsterben in Gang gesetzt haben.

    Und Bayer spielt mit seiner nun manifesten Fokussierung auf Gentechnikprodukte und weltweit verkaufte Pestizide eine nicht unwichtige Rolle bei der Zerstörung der landwirtschaftlichen Kleinstrukturen.

    Die „neue“ Bayer-Strategie laute nun, Gentechnik-Pflanzen zu vermarkten, die gegen ein anderes Totalherbizid – Dicamba – resistent sind, so die AbL. Seit Anbau dieser Gentechnik-Pflanzen gebe es in mehreren US-Bundesstaaten auf mehreren Millionen Hektar Schadensmeldungen von Bäuerinnen und Bauern hinsichtlich ihrer Getreide-, Gemüse- und Obsternte. Ursache sei, dass Dicamba nicht nur auf dem Acker wirke, auf dem es ausgebracht wird, sondern teilweise über weite Strecken durch die Luft verlagert werde (Abdrift). Pflanzen, die nicht resistent sind, sterben ab und es komme zu erheblichen Ernteschäden. Mittlerweile gebe es über 170 Klagen von Farmern gegen Bayer in den USA. Bayer behaupte erneut: Bei sachgemäßer Anwendung sei Dicamba sicher.

    „Aus Prozessunterlagen wird deutlich, dass Bayer darauf spekuliert, dass Bäuerinnen und Bauern, die Dicamba-Schäden haben, zukünftig Dicamba-resistentes Saatgut kaufen, um weitere Schäden zu verhindern. Für uns sieht Verantwortung anders aus“, sagt Schmitz. „Problematische Pestizide und damit korrespondierendes Gentechnik-Saatgut müssen vom Markt genommen werden, statt Rechtsanwaltskanzleien mit der Verteidigung der strittigen Produkte zu beauftragen.“

    Die AbL hat zur Bayer-Hauptversammlung auch eigene Fragen an den Vorstand gestellt und fordert Bayer auf, Dicamba, Glyphosat und Gentechnik-Saatgut vom Markt zu nehmen.

    Grüne fordern eine sächsische Ausstiegs-Strategie aus der Glyphosat-Nutzung

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