Der polnische Braunkohletagebau Turów gräbt der Region Zittau das Wasser ab

Für alle LeserSeit Donnerstag, 18. Juni, liegt eine neue Studie zu den Auswirkungen des polnischen Braunkohletagebaus Turów auf die Grundwässer in Deutschland vor. Der polnische Hydroexperte Dr. Krasnicki untersuchte die grenzüberschreitenden Folgen dieses Tagebaus genau im Dreiländereck Polen, Tschechien, Sachsen für die Quantität und Qualität der Grundwässer im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Abbaus. Und schon heute ist der Grundwasserstand um Zittau massiv abgesunken.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sowohl die Entwässerung des deutschen Teils des Zittauer Beckens voranschreitet, als auch eine dauerhafte Kontaminierung fließender Gewässer wie Neiße und Oder durch Schwermetalle droht. Dieser Tagebau gleich hinter der sächsischen Grenze hat also genau dieselben Folgen wie auch die Braunkohletagebaue in der Lausitz und in der Leipziger Region.

Nur dass Polen noch nicht einmal an den Kohleausstieg denkt und der eh schon riesige Tagebau Turów noch größer werden soll und noch tiefer ins Erdreich vordringen soll. Aber dafür muss der Grundwasserspiegel im Tagebau noch weiter abgesenkt werden – mit katastrophalen Folgen für die angrenzenden Gebiete.

Schon heute hat der Tagebau sichtbare Folgen im Zittauer Becken. Das zeigt die oben abgebildete aktuelle Karte des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zum Zustand der Grundwasserkörper. Dass dabei die beiden Kohleregionen bei Leipzig und in der Lausitz rot hervorstechen, ist keine Überraschung. Solange dort Kohle abgebaggert wird, werden die Grundwasser abgepumpt. Aber Zittau taucht ebenso in warnendem Rot auf. Und das hat direkt mit Turów zu tun. Die Greenpeace-Studie macht es deutlich.

„Die Studie belegt den klaren Zusammenhang zwischen der Absenkung des Grundwassers und der Bergbautätigkeit im Bergwerk Turów. Die Zahlen sind erschreckend. Das Grundwasser in der Grenzregion ist bereits 40 Meter abgesunken. Tieferliegende Gesteinsschichten, die früher wasserführend waren, wurden in nur 30 Jahren völlig trockengelegt“, erklärt Daniel Gerber, energie- und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag und Mitglied im Ausschuss für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

„In Sachsen sehen wir uns mit der allgemeinen Herausforderung der begrenzten Menge an nutzbarem Wasser konfrontiert – doch nicht nur durch Dürre und Trockenheit des ausbleibenden Regens. Uns wird das Wasser unter den Füßen abgegraben. Die aktive Entwässerung zugunsten der Braunkohle, sowie der Fakt der anhaltenden Ausbeutung der Lagerstätte, ist fatal und verschärft die Situation um Zittau immer weiter.“

Am Donnerstag, 18. Juni, hatte Greenpeace Berlin die deutsche Übersetzung der neuen Studie des polnischen Hydroexperten Dr. Krasnicki veröffentlicht. Die Studie trägt den Titel „Grenzüberschreitende Auswirkung des Braunkohletagebaus Turów auf Grundwässer in Deutschland im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Tagebaus“ und stammt vom Mai 2020.

Gleichzeitig hat Greenpeace Berlin eine Analyse der Daten des Landesamtes Umwelt, Landwirtschaft, Geologie Sachsen (2020) zum Zustand der Grundwasserkörper veröffentlicht.

Die Studie von Greenpeace trägt den Titel „Auswirkungen des Braunkohletagebaus auf die Wasserkörper in der Region der Lausitzer Neiße – eine quantitative und qualitative Analyse“.

Derzeit läuft der öffentliche Konsultationsprozess der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zur Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans für die Internationale Flussgebietseinheit Oder.

Die aktuellen Studien bestätigen einander, stellt Daniel Gerber fest: „Wir stecken mitten in einer Wasserkrise. Obwohl das Trinkwasser von Zittau aus dem Zittauer Gebirge stammt, übersteigt die Entnahme der Wassermenge rund um den Ort bereits heute die vorhandenen Ressourcen. Wir müssen jetzt handeln und den Kohleausstieg aktiv vorantreiben, denn die Klimakrise wird diese Probleme Jahr für Jahr vervielfachen.“

Die Lage des Tagebaus Turów direkt an der sächsischen Grenze. Karte: Google Maps / Screenshot: L-IZ

Die Lage des Tagebaus Turów direkt an der sächsischen Grenze. Karte: Google Maps / Screenshot: L-IZ

Hier werden die Auswirkungen der Ressourcenzerstörung grenzüberschreitend sichtbar. Die sächsische Europaabgeordnete der Grünen Anna Cavazzini zeigt sich alarmiert: „Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden sogar noch übertroffen. Durch die Ergebnisse der neuen Studien bekommen wir erstmalig einen umfassenden Einblick sowohl in die sächsische als auch internationale Dimension von Turów. Die Auswirkungen des Tagebaus machen nicht an der Grenze halt. Die drohende Kontaminierung fließt von Fluss zu Fluss über die Staatsgrenzen hinweg. Dieses Szenario bereitet mir große Sorgen.“

Die Studie legt auch dar, dass das Gebiet des Tagebaus anfällig für saure Grubenausflüsse in Form von Schwefelsäure ist. Die aggressive Flüssigkeit laugt Schwermetalle aus der oxidierenden Braunkohle aus, die dann als umweltschädliche Verbindung in das Grundwasser sickern. Letztlich fließt somit die toxische Verschmutzung aus Turów direkt in Oberflächengewässer wie der Lausitzer Neiße.

„Die Auswirkungen von Turów müssen dringend als überregionales und grenzüberschreitendes Problem aller drei Länder begriffen werden“, sagt Cavazzini. „Ich beteilige mich daher auch an der laufenden Konsultation der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung und fordere, weitere Untersuchungen der Wasserprobleme anzugehen. Für mich ist der Fokus klar: grenzüberschreitende Kohleausstiegsregion jetzt! Gemeinsam kann das Dreiländereck eine Vorreiterrolle im Herzen Europas einnehmen und sollte dies auch. Je früher desto besser.“

Bis zum 22. Juni 2020 können sowohl Institutionen als auch Privatpersonen Einwendungen und Fragen an die Mailadresse sekretariat@mkoo.pl einreichen. Ein Beispiel stellt Greenpeace Berlin zur Verfügung.

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