Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember rollt die S-Bahn S 5, die den Leipziger Hauptbahnhof mit der Messe und dem Flughafen verbindet, vorübergehend im Dauerbetrieb nach Halle durch, ergänzt und entlastet damit die hochfrequentierte S3. Dass aber die Akteure diese Linie nicht nutzen, die Gewerbegebiete im Leipziger Nordwesten besser anzuschließen, das verwundert den Ökolöwen. Tausende Beschäftigte könnten hier jeden Tag die S-Bahn nutzen - wenn nur eine Haltestelle vorhanden wäre in Radefeld.

“Die umweltfreundliche S-Bahn ist das Rückgrat der Elektromobilität in Mitteldeutschland und verbindet die Wirtschaftsregion, ohne die Luftqualität zu schädigen”, lobt der Leipziger Ökolöwe das Erfolgsprojekt Mitteldeutsches S-Bahn-Netz, dessen Herzstück der 2013 vollendete City-Tunnel Leipzig ist. “Die Erfolgsstory muss jetzt weiter geschrieben werden. Statt Fahrverbote für den Kfz-Verkehr anzuordnen, muss das ÖPNV-Angebot weiter ausgebaut werden, damit mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen.”

Aus Sicht des Ökolöwen ist es deshalb nur lobenswert, dass die Bahn nun aufgrund der großen Nachfrage die S5 von Leipzig zum Flughafen bis nach Halle durchfahren lässt.

“Die bis Januar befristete Maßnahme sollte aber verstetigt werden, um dem enormen Ansturm der Fahrgäste auf die S-Bahn zwischen Halle und Leipzig Rechnung zu tragen”, erklärt dazu Tino Supplies, verkehrspolitischer Sprecher des Ökolöwen.

Der Zweckverband NASA in Sachsen-Anhalt sowie der ZVNL auf sächsischer Seite seien nun gefordert. Sie müssten die Verbindung dauerhaft bestellen und mit den Regionalisierungsmitteln, die der Bund an die Länder ausreicht, bezahlen.
Laut Supplies ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen dabei sehr vorteilhaft: “Eine Verbesserung kann man an dieser Stelle vergleichsweise kostengünstig erreichen. Wagen, Lokführer, Zugbegleiter – alles ist bereits da. Derzeit warten sie laut Fahrplan 45 Minuten am Flughafen, um sich dann wieder zurück nach Leipzig aufzumachen. Es wäre nur vernünftig, wenn sie in dieser Zeit statt am Flughafen zu stehen, bis nach Halle fahren würden.”

Der Freistaat Sachsen und das Land Sachsen-Anhalt sollten jetzt die Mittel für Trassen- und Stationsgebühren bereitstellen, damit die Bahn dauerhaft bis nach Halle durchfahren kann, empfiehlt der Ökolöwe.

Das wäre auch für eine nachhaltige ÖPNV-Erschließung des Gewerbegebietes notwendig. Direkt an der S-Bahn-Strecke der S5 nach Halle richtet der Ökolöwe den Blick auf ein drängendes Infrastrukturprojekt. Die S5 und die S5x fahren durch eines der größten Gewerbegebiete der Region. Rings um das Güterverkehrszentrum in Radefeld arbeiten rund 10.000 Menschen in 40 Unternehmen, wie Porsche, DHL, DB Schenker, Thyssen Krupp oder der Deutschen Post.

“Zu den 10.000 Angestellten kommen noch rund 1.200 Anwohner. Es gibt aber bis heute noch keine Haltestelle in Radefeld. Die S-Bahn fährt hier einfach an dem riesigen Fahrgastpotential vorbei”, gibt Supplies zu bedenken. “Das ist ungefähr so, als hätte ein Einzelhändler ein tolles Angebot im Schaufenster, aber keine Tür für seinen Laden.”

Selbst die Einrichtung eines Haltepunktes wäre kein großer Aufwand. Supplies: “Das Gute ist, dass die Fußgängerbrücke über die Autobahn bereits steht. Ich hoffe, der sächsische Verkehrsminister stellt jetzt die notwendigen Mittel für den Bau der Haltestelle in Radefeld bereit. Das wäre auch ein wichtiger Beitrag des Freistaates, damit Leipzig die Feinstaubgrenzwerte einhalten kann.”

www.oekoloewe.de/mobil_aktuell.html

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar