LVB-Straßenbahnen gehen erst am 2. Juni wieder auf 10-Minuten-Taktung

Für alle LeserSeit Montag, 18. Mai, sind die Straßenbahnen in Leipzig noch voller geworden. Schon nach Ostern haben sie sich wieder gefüllt, als die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft traten. Aber im ersten Schritt nahmen die Leipziger Verkehrsbetriebe ( LVB) am 20. April nur bei den Buslinien wieder den Normaltakt auf. In den Straßenbahnen wurde es also wieder voll und bis Montag war auch nicht wirklich klar, wann sich die Taktung wieder verbessert. An den fehlenden Fahrgästen lag es ja nicht mehr.

Im Gegenteil. In der Hauptverkehrszeit wird es wieder eng. Schüler fahren wieder zur Schule, immer mehr Beschäftigte müssen wieder zur Arbeit. Die geöffneten Geschäfte sorgen für weiteren Fahrgastzuwachs.

„Die erfolgreichen Maßnahmen zur Verlangsamung der Infektionsrate haben dazu geführt, dass aktuell schrittweise eine Rückkehr in den neuen Alltag möglich ist. Die weiteren Lockerungen bringen besondere Anforderungen mit sich, um die Gesundheit unserer Fahrgäste und unserer Mitarbeiter zu schützen und einen exponentiellen Wiederanstieg der Infektionsrate zu vermeiden“, versuchen die LVB nun ihren Spagat zu beschreiben. Denn wenn wieder mehr Menschen mit der Straßenbahn fahren, stehen die Schutzmaßnahmen für Personal und Fahrgäste im Vordergrund.

„Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und unserer Fahrgäste hat für uns höchste Priorität“, betont das Kommunalunternehmen. Der Druck auf die Fahrzeugkapazitäten ist durchaus gegeben. „Daher wird auch die Auslastung unserer Fahrzeuge sehr genau überwacht und täglich bewertet. Die Busse fahren bereits seit Mitte April wieder nach regulärem Fahrplan und auch unsere Flexa-Fahrzeuge sind seit 13. Mai wieder vollständig im Norden von Leipzig im Einsatz. Die Straßenbahnen verkehren weiterhin im Sonderfahrplan, welcher durch zusätzliche Fahrten, auf besonders frequentierten Linien, zu Stoßzeiten erweitert wird.“

Aber eben nicht gleich. Denn abhängig machen es die LVB von der Großbaustelle am Goerdelerring. „Mit Beginn der zweiten Bauphase am 2. Juni werden die Linien 7, 11 und 15 wieder im 10 Minuten-Takt eingesetzt.“

Der 10-Minuten-Takt war also schon vorher geplant und hat weniger mit den Corona-Maßnahmen zu tun.

Dass man das Infektionsrisiko in den Fahrzeugen möglichst senken muss, ist den LVB durchaus ein Thema: „Gleichzeitig führen wir die intensive Reinigung und Desinfektion unserer Fahrzeuge fort. Sämtliche Haltestangen und Griffe an den Fahrgastsitzen sowie die Fahrerarbeitsplätze der Busse und Bahnen werden von den Beschäftigten der Fahrzeugreinigung jede Nacht intensiv gereinigt und desinfiziert. Die besonderen Hygiene-Regeln sowie die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gelten weiterhin.“

Und das soll jetzt noch offenkundiger werden: „Um den Herausforderungen des neuen Alltags bestmöglich gerecht zu werden und unseren Mitarbeitern und Fahrgästen dabei die nötige Sicherheit und trotzdem möglichst viel Normalität zu bieten, werden alle Busse der Leipziger Verkehrsbetriebe sukzessive in den nächsten Wochen mit einer Schutzfolie zur Abtrennung der Fahrerkabine vom Fahrgastraum ausgestattet.

Damit ist dann wieder ein Vordereinstieg und auch der Ticketkauf bei unserem Fahrpersonal möglich. Bereits ab sofort sind die Busse der Linie 131, die wir gemeinsam mit der Personennahverkehrsgesellschaft Merseburg-Querfurt (PNVG) betreiben, mit dieser Schutzabtrennung ausgestattet. Hier können Fahrgäste bereits jetzt wieder Tickets beim Fahrpersonal erwerben.“

Die Fahrer/-innen müssen besonders geschützt werden, weil sie sich deutlich länger in den Fahrzeugen aufhalten. Die Fahrgäste sind ja meist nur eine Viertelstunde oder auch halbe Stunden unterwegs.

Die Frage, ob der ÖPNV ein höheres Infektionsrisiko bietet, hat natürlich auch die Forscher interessiert. Dazu gibt es auch schon erste Ergebnisse aus Österreich, wo man recht genau analysiert hat, wo sich die Corona-Infizierten angesteckt haben. Öffentliche Verkehrsmittel gehörten nur zum kleinen Teil dazu. Die meisten Ansteckungen geschahen in geschlossenen Räumen, in denen sich die Betroffenen mit anderen Menschen oft über Stunden aufgehalten haben und vor allem Aerosole in der Luft dazu beigetragen haben könnten, das Virus zu übertragen.

Das Thema beleuchtete die „Zeit“ am 16. Mai in einem Interview mit der Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher und verwies dabei auch auf die Untersuchung in Österreich.

Und dabei tauchte auch die Frage auf, was Verkehrsbetriebe eigentlich tun können, um auch bei weiter anhaltender Corona-Gefahr die Menschen nicht vor dem Einsteigen in ihre Fahrzeuge abzuschrecken.

Das Vollstopfen der Bahnen mit mehr Sitzplätzen ist dabei nicht der Weg, sagt Elisabeth Oberzaucher: „Man sollte nicht versuchen, so viele Sitze wie möglich in ein Fahrzeug zu quetschen. Denn mehr Sitze bedeuten nicht unbedingt mehr Sitzende. Sitze, die frei bleiben, verschwenden nur Platz, auf dem Menschen in angemessenem Abstand stehen könnten. Besser wäre es, Stehplätze aufzuwerten, durch Möglichkeiten zum Anlehnen und Festhalten.“

Selbst wenn die Verkehrsbetriebe nicht das 100-prozentige Vollstopfen ihrer Fahrzeuge anstreben, heißt das nun einmal, wenn der ÖPNV attraktiv bleiben oder werden soll, dass mehr Fahrzeuge unterwegs sein müssen, um die Rushhour-Phänomene zu entzerren. Und es sollten unbedingt größere Fahrzeuge sein, in denen die Fahrgäste wirklich auf Abstand gehen können.

Straßenbahnen fahren große Umleitung über Nordplatz und zwei Baustellenlinien laden zum Ausprobieren neuer Möglichkeiten ein

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