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ADFC-Studie zeigt auch, wie Leipzig das Thema sichere Radabstellanlagen vertrödelt hat

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    In der vergangenen Woche veröffentlichte der ADFC Sachsen seine Studie zu Radabstellanlagen an sächsischen Bahnhöfen. Die meisten kommen über die Noten 4 und 5 nicht hinaus, weil entweder zu wenige Abstellmöglichkeiten da sind oder auch gar keine. Und auch die große Stadt Leipzig kommt nur auf die Note 4,6. Woran das im Detail liegt, hat der ADFC noch einmal extra herausgearbeitet.

    21 der 38 Bahnhöfe und Haltepunkte in Leipzig verfügen über keine oder nur über sehr mangelhafte Fahrradabstellanlagen. Dies zeigt eine Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, die am Donnerstag, 18. Juni, in Dresden veröffentlicht wurde. Diese Haltepunkte erhielten damit in der Studie die Schulnote 5 oder 6, der sächsische Durchschnitt liegt bei Note 4,5.

    Und dann das Prachtstück, der Hauptbahnhof, bei dem seit 2014 über den Bau einer großen Fahrradstation diskutiert wird.

    Doch die hat er bis heute nicht und möglicherweise auch bis 2023 nicht. Der Leipziger Hauptbahnhof erlangte folglich nur die Schulnote 5, da er mit 230 Fahrradständern über deutlich zu wenig Abstellmöglichkeiten verfügt, wie der ADFC Sachsen betont. Mit über 45.000 Fahrgästen pro Tag hätte der Leipziger Hauptbahnhof das Potential für eine große Radstation.

    Lichtblicke gibt es in der Messestadt dagegen kaum: Lediglich an den Haltepunkten Sellerhausen und Mölkau stehen genügend hochwertige Fahrradparker. Witterungsfeste Abstellanlagen, die auch vor Vandalismus und Diebstahl schützen, sind viel gefragt und werden von Pendlern gern genutzt, betont der ADFC. Sie verhindern auch, dass Fahrräder wild an Geländern, Laternen oder Bäumen angeschlossen werden.

    Janek Mücksch, Mitglied im Vorstand des ADFC Sachsen, sieht viel Verbesserungspotential in Leipzig: „Fahrradabstellanlagen kosten wenig Geld, sind sehr platzsparend und erhöhen den Einzugsradius von Bahnhöfen enorm. Es besorgt mich sehr, dass beispielsweise die wichtigen Bahnhöfe Stötteritz, Wahren und Olbrichtstraße über gar keine Abstellmöglichkeiten verfügen.“

    Rund 50.000 Menschen steigen täglich in Leipzig in den Zug. Vier der zehn größten Bahnhöfe Sachsens liegen im Leipziger Stadtzentrum. Etwa 94.000 Personen kommen täglich zu Arbeit oder Ausbildung in die Stadt und fast 56.000 Leipziger verlassen ihren Wohnort, um zur Arbeit zu gelangen. Für sie stehen insgesamt lediglich weniger als 1.500 fahrradfreundliche Abstellanlagen an Leipzigs Bahnhöfen zur Verfügung.

    Viele Pendler wollen das Rad mit der Bahn kombinieren, weiß ADFC-Vorstandsmitglied Mücksch. Eine Kombination ist aber nur dann sinnvoll möglich, wenn man das Fahrrad angstfrei am Bahnhof stehen lassen kann. Denn: Leipzig ist seit Jahren eine Hochburg des Fahrraddiebstahls. Allein im letzten Jahr wurden hier knapp 10.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Das schreckt Menschen ab, Alltagswege mit dem Rad zurückzulegen. Besonders die Bahnhöfe und Haltepunkte gelten als Hot Spots des Fahrraddiebstahls.

    „Die Stadtverwaltung und der Mitteldeutsche Verkehrsverbund müssen jetzt schnell handeln und die Leipziger Bahnhöfe mit hochwertigen Fahrradabstellanlagen ausstatten. Denn gegen Raddiebstahl an Bahnhöfen helfen nur diebstahlsichere Abstellanlagen. Vor allem am Hauptbahnhof gibt es Aufholbedarf. Erfahrungsgemäß werden neue Angebote gut angenommen. Das Fahrgastaufkommen der Bahn steigt, wenn es gute Fahrradständer gibt“, sagt Mücksch.

    An Fördermöglichkeiten für Kommunen mangele es indes nicht, wie der ADFC feststellt: Bis 2022 will das Bundesumweltministerium gemeinsam mit Kommunen und Bahn mit einer „Bike+Ride-Offensive“ deutschlandweit 100.000 zusätzliche Bike+Ride-Plätze errichten. Während andere deutsche Städte das Förderprogramm bereits rege nutzen, beteiligt sich in Sachsen bisher keine einzige Stadt daran.

    In vielen anderen sächsischen Städten ist die Situation ähnlich problematisch wie in Leipzig. Rund 40 % der 521 Bahnhöfe im Freistaat verfügen über keine Abstellanlagen und bei weiteren 20 % sind sie äußerst mangelhaft.

    Aber es seien durchaus auch Lichtblicke vorhanden, so der ADFC: Etwa 20 % der sächsischen Bahnhöfe erreichten die Schulnote 1 oder 2. Hier kommt auf mindestens jeden zehnten Fahrgast eine überdachte und diebstahlsichere Anlage. Erhebliche Unterschiede gibt es zwischen den Landkreisen. Während in Dresden die Durchschnittsnote bei 4,8 liegt, wurden die Abstellanlagen in Leipzig im Mittel mit Note 4,6 bewertet. Der Landkreis Bautzen erhielt sogar durchschnittlich die Note 3,6. Hier verfügen 42 % der Bahnhöfe über gute Fahrradständer.

    Keine Fahrradstation: Auch Leipzig kommt im ADFC-Test nur auf die Note 4,6

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