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Infrastruktur muss jetzt wachsen: Studie geht von 12.500 E-Fahrzeugen in Leipzig in fünf Jahren aus

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    Wenn es künftig noch Autoverkehr in der Stadt Leipzig gibt, dann kann das zwangsläufig nur ein Verkehr mit umweltfreundlichen Antrieben sein. Und zwar nicht irgendwann in ferner Zukunft. Auch Leipzig hat sich seit 2014 emsig in die Tasche geschwindelt, was die Erreichbarkeit der eigenen Klimaziele betrifft und was man dafür tun müsste. Und noch immer wird selbst das Thema E-Mobilität so zaghaft angepackt, als hätte man noch drei Generationen Zeit, es wirklich umzusetzen. Aber damit ist man gar nicht allein.

    Im Auftrag der kommunalen Wirtschaftsförderung hat das Leipziger Institut für Energie jetzt ein Ladeinfrastrukturkonzept für E-Fahrzeuge in der Messestadt erarbeitet. Es stellt keinen verbindlichen Ausbauplan der Stadtverwaltung dar, sondern soll Investoren als Leitfaden dienen, in welchen Bereichen des Stadtgebietes Ladeinfrastruktur wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann. In der Dienstberatung des Oberbürgermeisters wurde das Konzept auf Vorschlag von Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht bestätigt, der Stadtrat erhält es nach der Sommerpause als Informationsvorlage.

    Die Studie gibt trotzdem auch darüber Auskunft, mit welcher Anzahl zugelassener E-Fahrzeuge in Leipzig bis zum Jahr 2025 zu rechnen ist. Sie leitet daraus die benötigte Anzahl und Verteilung von Ladepunkten im öffentlichen Raum ab. Betrachtet wurden drei Szenarien für E-Mobilität bis zum Jahr 2025: Minimal-, Trend- und Maximalszenario.

    Ausgegangen wird von folgendem Stand zum 1. Januar 2020: Zu diesem Zeitpunkt waren 743 rein elektrisch betriebene PKW sowie 78 elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge gemeldet. Dem stand eine Ladeinfrastruktur aus 111 öffentlichen, 106 halböffentlichen sowie mindestens 152 privaten Ladepunkten gegenüber. Diese waren auf 110 Standorte im Stadtgebiet verteilt.

    Für das Jahr 2025 errechnet das aktuell wahrscheinlichste Trend-Szenario 12.450 überwiegend privat zugelassene E-Fahrzeuge in Leipzig. Demnach wäre ein Bestand von 1.388 Ladepunkten verteilt über das Stadtgebiet sinnvoll. Standort-Schwerpunkte bilden dabei Stadtteile mit vielen Mehrfamilienhäusern (Mitte, Ost).

    Nur zur Erinnerung: In Leipzig sind derzeit allein über 230.000 Personenkraftwagen registriert. Sie verursachen allein 500.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Der Wert ist in den letzten Jahren sogar angestiegen – ganz einfach, weil auch der Pkw-Bestand in der Stadt wuchs. Aber schon der Blick auf die letztlich mageren 12.450 E-Fahrzeuge zeigt, dass der Pkw-Verkehr auf diese Weise bis 2026, wenn Leipzig sein CO2-Budget praktisch verfeuert hat, so gut wie keinen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen leisten würde.

    Leipzigs Verwaltung kann sich natürlich – wie im Umsetzungsbericht 2018 zur Europäischen Energie- und Klimaschutzkommune – am Kopf kratzen und fragen, wie man hier endlich eine Trendwende schafft. Aber eins ist sicher: Auf diese Weise mit völlig ungenügenden Schritten wird es nicht gehen.

    Und natürlich fällt der Stadt jetzt auf die Füße, dass sie auch bei den Themen ÖPNV-Ausbau und Radverkehr getrödelt hat.

    „Das Konzept ist eine wichtige Investitions-Voraussetzung für nationale oder internationale Betreiberunternehmen. Es soll helfen, neue Partner für den bislang ausschließlich von der Leipziger Gruppe vorangetriebenen Ausbau der Ladeinfrastruktur zu finden“, betont Clemens Schülke, Amtsleiter der städtischen Wirtschaftsförderung.

    Schnelllade-Stationen sind in der letzten Zeit vor allem im Leipziger Umland – so etwa auf dem Porsche-Gelände im Leipziger Norden – entstanden. Aber das alles reicht nicht wirklich, um das Nutzen und Betanken von E-Autos in Leipzig selbstverständlich zu machen. Wenn aber die Ladeinfrastruktur zu langsam wächst, steigen auch zu wenige Autofahrer auf E-Autos um. Denn noch ist Sprit – gemessen an seiner Umweltbelastung – spottbillig.

    Aber das Umdenken hat längst begonnen, wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am 9. Juli meldete: „In Deutschland wurden im Juni 18.896 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, dazu zählen rein batteriebetriebene Elektroautos, Plug-In-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge. Der Zuwachs beträgt 118 Prozent. Die Neuzulassungen von reinen Elektroautos (BEV) stiegen im Juni um 41 Prozent auf 8.119 Einheiten. Außerdem wurden fast vier Mal so viele Plug-In-Hybride (PHEV) wie im Vorjahresmonat neu zugelassen. Das Kraftfahrtbundesamt registrierte 10.749 neue PHEV (plus 274 Prozent). Seit Jahresbeginn wurden 93.980 Elektrofahrzeuge neu zugelassen (plus 97 Prozent). Sie erreichten im ersten Halbjahr einen Anteil am Gesamtmarkt von 7,8 Prozent, nach rund 3 Prozent im Jahr 2019.“

    Sollten 2025 allein diese 7,8 Prozent an elektrischen Pkw in Leipzig fahren (ein Wert, der wahrscheinlich sogar zu niedrig angesetzt wäre), würden rund 18.000 E-Autos in Leipzig unterwegs sein. Im Maximalszenario geht die Studie übrigens von 26.000 E-Autos in Leipzig aus. Jeder zehnte Pkw in Leipzig wäre dann ein Elektromobil.

    Aber die VDIK-Zahlen erzählen ja von einem zunehmenden Kaufinteresse an E-Autos, das sich mit der Fertigstellung des Tesla-Werks in Brandenburg noch deutlich erhöhen wird.

    Reinhard Zirpel, Präsident des VDIK: „Der Juni 2020 war nach dem Rekord im März der bisher zweitstärkste Zulassungsmonat für E-Fahrzeuge in Deutschland. Ursächlich dafür war sicherlich die Ankündigung, dass die erhöhte Kaufprämie rückwirkend für alle nach dem 3. Juni neu zugelassenen Fahrzeuge gilt. Die neue Innovationsprämie wird nach unserer Erwartung im zweiten Halbjahr einen deutlichen Schub für die Nachfrage nach Elektroautos bringen.“

    Interessierte Anbieter können sich an das Amt für Wirtschaftsförderung wenden (wirtschaft@leipzig.de, Tel. 0341 123-5885). Hier erhalten sie Informationen und Unterstützung bei der Fördermittelbeschaffung. Das Verkehrs- und Tiefbauamt genehmigt konkrete Standorte. Die Leipziger Gruppe sorgt für den Netzanschluss.

    Finanziert wurde die Untersuchung als Teil des Green City Plans. Die Leipziger Gruppe unterstützte die Erstellung des Konzeptes. Der Ausbau bedarfsgerechter, diskriminierungsfreier Ladeinfrastruktur gehört zu den Maßnahmen der Stadtverwaltung, die Stadt Leipzig zur Stadt für intelligente Mobilität zu entwickeln.

    Porsche eröffnet am Standort Leipzig einen Schnellladepark, der auch anderen E-Autos offensteht

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