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Bücher kaufen im Webshop der Lieblingsbuchhandlung oder Gutscheine für die Zeit nach Corona

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    Jetzt haben auf einmal (fast) alle so viel Zeit. Rausgehen soll man ja nicht, um der Verbreitung des Coronavirus keinen Vorschub zu leisten. Die Zeit könnte man also herrlich nutzen, um endlich einmal alle Bücher zu lesen, die man sonst nie schafft. Gäbe es da nicht ein Problem: Man kann nicht einfach in die nächste Buchhandlung gehen. Was auch für Buchhandlungen ein Problem ist, denn sie geraten jetzt genauso in Existenznot, wenn wieder der eine Online-Riese das ganze Geschäft macht. Einige Ideen von Bücherfreunden.

    Die kleine Buchhandlung Seitenblick am Lindenauer Markt hat schon am 19. März komplett umgestellt.

    Die beiden Inhaber der Buchhandlung, Jacqueline Simon und Ansgar Weber, erklärten es ihren Kund/-innen so: „Von diesem Donnerstag an wird das Ladengeschäft des SeitenBlicks entsprechend jüngster Verordnungen geschlossen bleiben, sodass wir uns auf eine mindestens 4-wöchige Zwangspause einstellen müssen. Das ist auch für das stabile SeitenBlick-Schiffchen ein Zeitraum, in dem es in ungewisse Gewässer geraten kann. Deshalb möchten wir alles versuchen, um nicht ganz vom Kurs abzukommen.

    Wir werden, solange das möglich ist, die Bestellung, Zustellung und Übergabe von Büchern ermöglichen. Unser Webshop (Buchhandlung SeitenBlick) bleibt ,an‘, wir bleiben telefonisch und per Mail erreichbar, bearbeiten Bestellungen, besorgen Bücher und würden sie, je nach Wunsch und Wohnortnähe, selbst zustellen oder zuschicken. Außerdem werden wir an unserer Ladentür eine ,Apotheker-Klingel‘ anbringen, die eine freiluftige Abholung eines bestellten oder konkret benannten Buches anbahnen hilft.

    Bemüht bleiben wir auch, noch für etwas Abwechslung in diesen recht abwechslungsarmen Zeiten zu sorgen. Sowohl im Ladenschaufenster als auch auf der Homepage werden wir jede Woche neue Bücher und andere schöne Dinge präsentieren. Seltsame Umstände wie diese sind vielleicht nicht die schlechtesten, um zu einem intelligenten, charmanten oder witzigen Buch zu greifen. Diesen Griff möchten wir gerne weiterhin ermöglichen.

    Wir wünschen Ihnen und Euch erträgliche Zeiten, von Lichtblicken erhellt.“

    Bücherabholen an der Ladentür

    Eine ähnliche Lösung hat auch die Connewitzer Buchhandlung für sich gefunden.

    Ihre Niederlassung in „Speck’s Hof“ hat sie zwar ab dem 19. März geschlossen. Aber es gibt ja noch die Buchhandlung Wörtersee im Peterssteinweg.

    Und dort gilt – wie bei SeitenBlick – seit Donnerstag ein Abholregime: „Jetzt Bücher hamstern! Bitte bestellen Sie Ihre gewünschten Bücher bei uns! Eine Abholung ist möglich. Das Bestellsystem der Connewitzer Verlagsbuchhandlung: Kurz und knapp: Bestellen Sie per Mail: woertersee@hotmail.de (wir schreiben schnell zurück) oder bestellen Sie per Telefon: 0341 2248783 (manchmal ist der Anschluss besetzt, hier bitten wir um Geduld), Bücher abholen kann man von 10 bis 18 Uhr im Wörtersee im Peterssteinweg 7 in 04107 Leipzig. Wir freuen uns!“

    www.cvb-leipzig.de

    Aber nicht nur die kleinen Buchhandlungen leiden, wenn kein Kunde mehr in den Laden kommen darf. Die ersten Folgen spüren jetzt auch schon die Verlage

    Wie Verlage die Corona-Schließzeit erleben: der Leipziger Universitätsverlag

    „Die derzeitige Situation birgt so viele Unwägbarkeiten in sich, dass sämtliche Prognosen zur zukünftigen Gesamtentwicklung stets doch nur spekulativer Natur sind. Und selbstverständlich können auch wir nicht absehen, wann die Corona-Krise überwunden werden wird, eine Normalisierung der Lage eintritt und wann wir zur gewohnten Geschäftstätigkeit zurückkehren können“, schildert der Leipziger Universitätsverlag die aktuellen Erlebnisse. Denn die Verlage haben sofort zu spüren bekommen, dass die Buchhandlungen in der vergangenen Woche dicht gemacht haben.

    „Die derzeitig pausierenden Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie die auf nicht absehbare Dauer verfügte Schließung von Buchhandlungen hinterlassen nun auch Spuren bei uns, das Volumen der Buchbestellungen ist drastisch rückläufig. Andererseits beginnen sich auch bei den Dienstleistern, die für die technische Seite der Buchproduktion unverzichtbar sind, Komplikationen und Störungen einzustellen. Immer spürbarer sind Lücken in der personellen Decke, sowohl bedingt durch Betreuung von Kindern, die zu Hause versorgt werden müssen, als auch durch krankheits- bzw. quarantänebedingte Maßnahmen. Konsequenzen sind unter anderem Terminverschiebungen oder das gänzliche Aussetzen von Leistungen.

    Unser Verlag ist dennoch entschlossen, am gewohnten Arbeitsalltag festzuhalten und die für das Herbstprogramm 2020 vorgesehenen Titel – seien sie schon vertraglich fest vereinbart oder bislang noch als kommende Projekte verabredet – auch pünktlich aufzulegen. Um dabei auch über die notwendige Liquidität zu verfügen, müssen wir vor allem das ins Stocken gekommene Verkaufsgeschehen so weit als möglich aufrechterhalten.“

    Denn die Verlage wurden ja auch von der Absage der Leipziger Buchmesse kalt erwischt. Dort hätten sie ihre neuesten Titel und die frischgedruckten Frühjahrskataloge vorgestellt.

    Deshalb bittet auch der Universitätsverlag, jetzt einfach den online gestellten Katalog zur Information zu nutzen.

    Denn wie praktisch alle Verlage, versendet auch der Universitätsverlag die gewünschten Bücher dann selbst.

    „Zu unserem Arbeitsalltag zählt auch ein täglicher Buchversand, sodass Sie keinen Verzug auf diesem Weg befürchten müssen. Wir sind für jede uns erreichende Bestellung dankbar“, so der Universitätsverlag. „Wir wünschen allen Partnern und Freunden ein gutes Überstehen unserer derzeitigen Krise, dabei ausnahmslos nur lösbare Probleme und wünschen vor allem: Bleiben Sie alle gesund und uns wie gewohnt gewogen.“

    Pro Leipzig: Buchverkauf ohne Publikumsverkehr

    Dasselbe Problem meldet auch Pro Leipzig, das zwar ein eingetragener Verein ist, seine Einnahmen aber vor allem mit regionalen Buchtiteln generiert.

    Auch er wirbt auf seiner Website für Bücherkaufen „auch ohne Publikumsverkehr“.

    „Ab Donnerstag, 19. März 2020, werden auf behördliche Anweisung für unabsehbare Zeit alle nicht-systemrelevanten Verkaufsgeschäfte geschlossen. Dazu zählen auch die Buchläden dieser Stadt. Auch wenn diese drastische Maßnahme gesundheitspolitisch indiziert sein mag: Für unseren Verein ist dies – nach Absage der Buchmesse – finanziell ein weiterer schwerer Schlag.

    Da Pro Leipzig jenseits der kleinen Steuerermäßigungen, die jeder gemeinnützige Verein erhält, keine öffentliche Förderung erhält und seine Vereinstätigkeit über den Verkauf von Eigenpublikationen finanzieren muss, fallen die fehlenden Buchverkäufe schwer ins Kontor. Trotz der wegbrechenden Einnahmen müssen wir ja weiterhin die laufenden Fixkosten bezahlen (Büromiete, Kommunikationsmittel etc.). Wir hoffen deshalb, dass uns die Freunde und Kunden weiterhin unterstützen, indem sie unsere Publikationen telefonisch oder online direkt beim Verein käuflich erwerben.

    Pro Leipzig wird das Büro in der Bernhard-Göring-Straße 152 trotz ausbleibenden Publikumsverkehrs weiterhin zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag besetzt halten. So stehen wir als Ansprechpartner telefonisch zu Vereinsfragen bereit, aber auch zur Aufnahme von mündlichen Bestellungen. Sie können unsere Publikationen natürlich auch weiterhin per E-Mail oder über unseren Webshop ordern. Wir senden sie Ihnen dann mit der Post zu. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin und helfen Sie, das Überleben des Bürgervereins über die Krisenzeit hinweg abzusichern – damit der Stadt eine wichtige Stimme bürgerschaftlichen Engagements erhalten bleibt. Und vor allem: Bleiben Sie gesund!“

    Es gibt auch zwei deutschlandweite Aktionen, die die Rettung der Buchläden in der Corona-Krise zu ihrem Thema gemacht haben.

    Aus dem Jahr 2015: Torsten Sträter – Lest Bücher-geht in die Buchhandlung

    Gutscheine kaufen bei der Lieblingsbuchhandlung

    „Freundschaft fürs Lesen“ heißt eine solche Aktion.

    Worum geht es? Leser/-innen schenken ihrer Buchhandlung das Vertrauen und kaufen jetzt Gutscheine: für sich selbst, für Freund/-innen oder die Familie, für Geschäftspartner/-innen … Das ist die Idee hinter der Kampagne „Freundschaft fürs Lesen“, die am Dienstag, 24. März, bundesweit startete.

    Es geht um Gutscheine, die die Kund/-innen oder Beschenkten in den Onlineshops ihrer Buchhandlungen einlösen können; Gutscheine, die Kund/-innen einsetzen, wenn die Buchhändler/-innen ihres Vertrauens wieder das Geschäft öffnen – kurzum: um Gutscheine, die den Buchhandlungen JETZT helfen, auch in der Zukunft ihre Funktion als vitale Orte des Lesens erfüllen zu können.

    Buchhändler/-innen können Material zur Aktion kostenlos unter www.freundschaftfuerslesen.org herunterladen und ihre Kund/-innen per Newsletter, in ihren Onlineshops oder im Schaufenster auf die Aktion aufmerksam machen. Auf der Kampagnenseite wird laufend aktualisiert, welche Buchhandlung bei der Aktion mitmacht. Unter dem Hashtag #FreundschaftFuersLesen sammeln wir Geschichten rund um die Aktion.

    Gestartet wurde die „Freundschaft fürs Lesen“-Kampagne von Literaturtest,einer Agentur für Buch-PR und Buchmarketing und Veranstalter des Buchbranchenkongresses future!publish.

    Was können Leser/-innen tun? Die Botschaft verbreiten! Die Kampagne braucht die kommunikative Unterstützung aller. Und natürlich braucht die Kampagne: viele, viele Leser/-innen.

    Und auch Literaturtest betont den Ernst der Lage: „Weil es die Gesundheit aller erfordert, haben mittlerweile die Buchhändler/-innen ihre Ladentüren zugeschlossen. Und auch wenn sie weiterhin tapfer versuchen, auf sehr kreativen Wegen Bücher an ihre Kund/-innen auszuliefern, bleibt die Tatsache: Die Umsätze fallen extrem, Mitarbeiter/-innen gehen in die Kurzarbeit, das gesamte ,Ökosystem Buch‘ ist empfindlich gestört. Auch Autor/-innen, Verlage und Buchlieferanten geraten in die Bredouille (Ausfall von Lesungen, Stornierung vorgemerkter Titel aus der Frühjahrsproduktion, unterbrochene Lieferketten …).

    Also: Weitersagen

    Jetzt Bücher aus kleinen Verlagen kaufen

    Und natürlich brauchen auch und gerade die kleinen und unabhängigen Verklage Unterstützung.

    Für die ist eine Aktion zugeschnitten, die am Samstag, 21. März , startete, zum offiziellen Indiebookday.

    „Gerade in Zeiten, in denen die Buchhandlungen geschlossen bleiben und das natürlich auch die Verlage trifft, wollen wir zum Indiebookday zur Solidarität mit dem unabhängigen Buchhandel und den unabhängigen Verlagen aufrufen. Viele Buchhandlungen beliefern die Kundinnen und Kunden in ihrer Umgebung ja nun direkt nach Hause“, meldete sich Daniel Beskos vom mairisch Verlag dazu zu Wort.

    „Das passt gut zur Idee des Indiebookdays, einer Initiative des mairisch Verlags, die so simpel wie wirkungsvoll ist: Bücherfreundinnen und -freunde bestellen sich in den nächsten Tagen ein Buch aus einem unabhängigen / kleinen / Indie-Verlag, und zwar am besten telefonisch oder online über ihre örtliche Buchhandlung. Dieser liefert die Bücher direkt nach Hause, wo die Leserinnen und Leser dann ein Foto des Covers, des Buches oder von sich selbst mit dem Buch in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Instagram, Twitter) mit dem Hashtag „#indiebookday“ posten.“

    Der Indiebookday 2020 fand nun ausschließlich im Netz statt. Aber man kann ja jeden Tag zum Indiebookday machen und sich das Buch, das einen neugierig gemacht hat, bestellen. Denn bis die Ausgangsbeschränkungen rund um die Corona-Pandemie enden, das wird noch Wochen dauern. Da hat man viel Zeit zum Lesen – und hilft denen, die auf ihre Leser/-innen auch jetzt dringend angewiesen sind.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

    Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht 😉 Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

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