Mit den neuen Bauplänen reagiert Konsum Leipzig auf den vom Stadtrat initiierten „Kaufhallengipfel“ von 2019

Für alle LeserDer Konsum Leipzig hat am Mittwoch, 17. Juni, vier große Bauvorhaben angekündigt, in Marienbrunn, Südvorstadt, Prager und Lützner Straße. Aus Sicht der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ist das Besondere daran, dass die geplanten Bauvorhaben jeweils eine Konsum-Filiale im Erdgeschoss und darüber Wohnungen enthalten. Die Zeit der flach gebauten Supermärkte ohne zusätzlich nutzbare Obergeschosse geht zu Ende.

Und damit kommt ein Thema in der Realität des Einzelhandels an, über das im Leipziger Stadtrat schon seit Jahren diskutiert wird. Denn seit die Wohnbevölkerung wächst und überall auch Schulen, Kitas und Sporthallen gebaut werden müssen, ist das verfügbare Bauland rar geworden, muss gerade in den inneren Stadtteilen stärker verdichtet werden, um alle notwendigen Nutzungen auch unterbringen zu können.

„Konsum Leipzig nimmt die Chancen vertikaler Nutzungsmischung in der wachsenden Stadt in vorbildhafter Weise wahr“, findet Tim Elschner, Stadtrat und stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. „Das Leipziger Unternehmen ist damit Vorreiter einer Entwicklung in Leipzig, die wir Grüne Anfang 2018 mit unserem Antrag ,Kaufhallengifel – Wohnungsbau über Lebensmittelmärkten‘ unbedingt forcieren wollten.“

Im Januar 2018 beantragte die Stadtratsfraktion, einen „Kaufhallengipfel“ in Form einer öffentlichen Expertenanhörung zum Thema „Wohnungsbau über Lebensmittelmärkten“ durchzuführen. Das Ziel des Antrages war, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie beim Neu- und Umbau von eingeschossigen Lebensmittelmärkten insbesondere innerstädtisches Flächenpotential auch für den dringend benötigten Wohnungsbau besser genutzt werden kann. Hemmnisse, gleich welcher Art, sollten identifiziert und Vorschläge zum Abbau dieser erörtert werden.

Die alte Konsum-Kaufhalle in der Zwickauer Straße soll durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: Tim Elschner

Die alte Konsum-Kaufhalle in der Zwickauer Straße soll durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: Tim Elschner

Aufgrund des Stadtratsbeschlusses, der die Initiative bestätigte, diskutierte unter dem Titel „Besser stapeln! Chancen vertikaler Nutzungsmischung in der wachsenden Stadt“ eine eingeladene Expertenrunde im Januar 2019 mit zirka 80 Vertreter/-innen aus Wohnungswirtschaft, Einzelhandel, Wirtschaft, Architektur, Verbänden und Vereinen, Ämtern sowie Politik über eine verbesserte vertikale Nutzungsmischung.

„Unsere Stadt wächst weiter, wenngleich nicht mehr so schnell. Flächen werden insgesamt knapper, Bodenpreise und Mieten steigen kontinuierlich und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele fordern auf, sparsam mit Grund und Boden umzugehen“, betont Stadtrat Tim Elschner. „Eine stärkere Mischung, eine Stadt der kurzen Wege, eine höhere maßvolle und vertretbare Dichte und das Stapeln von Nutzungen in verschiedenen Kombinationen sind Garanten einer nachhaltigen Stadtentwicklung.“

Und auch der am 17. Juni veröffentlichte Monitoringbericht Einzelhandel bescheinigt ein hohes Potential an Wohneinheiten über Märkten und Parkplätzen.

Unter dem Motto „Besser stapeln“ analysiert der von der Stadt Leipzig veröffentlichte Monitoringbericht Einzelhandel die vertikale Nutzungsmischung über Supermärkten.

„Ich freue mich, dass das Stadtplanungsamt weiter am Thema gearbeitet und die Entwicklungsmöglichkeiten über Lebensmittelmärkten in den Blick genommen hat. Die Modellanalyse zeigt, dass etwa 2.300 Wohneinheiten über Märkten und dazugehörigen Parkplätzen entstehen könnten. Wenn auch nur ein kleiner Teil davon kurzfristig verwirklicht werden kann, so bleiben Stadtverwaltung und Supermärkte aufgefordert, die in Leipzig eingeschlagene Entwicklung der vertikalen Nutzungsmischung und des Stapelns konsequent weiterzuverfolgen“, betont Elschner.

Auch der neue Drogeriemarkt an der Permoserstraße wird nur eingeschossig. Foto: Tim Elschner

Auch der neue Drogeriemarkt an der Permoserstraße wird nur eingeschossig. Foto: Tim Elschner

Der sich freilich auch darüber wundert, dass Handelsketten auch in der Gegenwart noch immer eingeschossige Supermärkte nach dem alten Baukastenprinzip bauen. Erst kürzlich eröffnete an der Ecke Adenauerallee / Volksgartenstraße / Permoserstraße ein eingeschossiger Lebensmittelmarkt (siehe oben), ein noch nicht fertiggestellter Drogeriemarkt wird folgen. Inmitten dieser Silhouette ragt ein mehrgeschossiges Wohnhaus hervor.

„Damit es diese Fehlentwicklung künftig nicht mehr gibt, muss der Stadtrat in einem ersten Schritt frühzeitig eingebunden und transparent informiert werden. In einem zweiten Schritt sind Weichen richtig zu stellen“, formuliert Elschner den Anspruch. Und betont damit auch gleichzeitig, dass auch diese Initiative zur Stadtpolitik aus dem Stadtrat kam, der sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum eigentlichen Initiator neuer Entwicklungen in Leipzig gemausert hat.

Die Dokumentation des „Kaufhallengipfels vom Mai 2019 ist unter dem Titel „Besser stapeln! Chancen vertikaler Nutzungsmischung in der wachsenden Stadt“ ist auf der Website der Stadt zu finden.

Der Stadtrat tagt: Öffentliche Veranstaltung zu Kaufhallen und Wohnungsbau beschlossen + Video

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Kaufhallengipfel
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