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Wildkatzen droht besonders im Herbst der Tod an der Straße

Junge europäische Wildkatzen verlassen in diesen Wochen den Ort ihrer Geburt, um sich eigene Streifgebiete zu suchen.

Dabei begeben sich die Katzen im Alter von circa einem halben Jahr oftmals auf eine gefährliche Wanderschaft, denn vielerorts wird ihr Lebensraum von vielbefahrenen Verkehrswegen durchschnitten. Vielen jungen Wildkatzen droht so der Tod an der Straße.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Sachsen bittet Autofahrer*innen gegenwärtig um besondere Achtsamkeit im Straßenverkehr, insbesondere in waldreichen Gegenden. Die Wildkatzenexpertin des BUND Sachsen, Theresa Warnk rät Autofahrer*innen deshalb, besonders in waldreichen Gegenden und in der Dämmerungszeit auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen und allgemeine Wildwechsel-Verkehrsschilder zu achten.

„Behalten Sie den Straßenrand rechts und links im Auge. Blenden Sie nicht das Fernlicht auf, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen Sie, damit das Tier flüchten kann.“

„Der Straßentod gilt als die häufigste, unnatürliche Todesursache bei ausgewachsenen Wildkatzen“, so Theresa Warnk. „Für den Erhalt der Bestände der Wildkatze in Deutschland stellen Verkehrsunfälle eine ernste, dauerhafte Bedrohung dar. Mit der Zeitumstellung verlagert sich zudem nun noch mehr Verkehr in die dunklen Tagesstunden, sodass sich das Risiko nochmals erhöht.“

Zahlen zu Wildunfällen mit diesen dämmerungs- und nachtaktiven Tieren gibt es in Deutschland nur punktuell, denn nicht alle Bundesländer erfassen die Fälle systematisch. In Sachsen gab es seit 2011 drei bestätigte Totfunde im Vogtland und der Dübener Heide. Eine Totfundmeldung von Anfang Oktober ist noch unbestätigt. Das sächsische Totfundmonitoring wurde vom Freistaat Sachsen festgelegt.

Der BUND Sachsen ist Projektpartner. In Hessen findet ein ähnliches Monitoring statt. Dort wurden von 2009 bis 2013 durchschnittlich 35 tote Wildkatzen jährlich an Straßen gefunden, mit steigender Tendenz. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer viel höher ist und viele überfahrene Wildkatzen unentdeckt bleiben.

Sofern eine tote Wildkatze gefunden wird, ist es wichtig, das Tier am Fundort zu belassen, da es sich um eine streng geschützte Art handelt. Das Mitnehmen des Kadavers ist verboten. Die Finder*in sollte aussagekräftige Fotos der Wildkatze und des Fundorts machen und den Fund unter der Rufnummer 0157-5795 3882 oder www.bund-sachsen.de/wildkatzenmeldung beim BUND Sachsen melden. Die Verantwortlichen dort übernehmen alle weiteren Schritte. Wichtig dabei: Immer die eigene Sicherheit beachten.

Die Wildkatze hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter ausgebreitet, etwa 7000 bis 10 000 Tiere durchstreifen unsere Wälder. In Sachsen gibt es vereinzelte Nachweise im Vogtland und der Dübener Heide, die erste kleine Wildkatzenpopulation ist im Leipziger Auwald zu finden. Daher stellt jede verunglückte Wildkatze einen herben Verlust für die geschützte Art dar.

Aus Sicht des BUND müssen Politik und Behörden viel stärker als bisher handeln: „Wir brauchen viel mehr Grünbrücken und andere Querungsmöglichkeiten über Straßen. Die letzten unzerschnittenen Lebensräume müssen bewahrt werden und dürfen nicht dem Straßenbau geopfert werden“, sagt Wildkatzenexpertin Theresa Warnk.

Audio: O-Ton mit der BUND-Wildkatzenexpertin Friederike Scholz: www.bund.net/wildkatzen-interview

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.bund-sachsen.de/wildkatze

www.bund-sachsen.de/wildkatzenmeldung

Leipziger Zeitung Nr. 60: Wer etwas erreichen will, braucht Geduld und den Atem eines Marathonläufers

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