Artikel aus der Rubrik Bücher

Die Weisheit und Gelassenheit der Khmer

Der Bambusspross wird zum Bambusstamm: Erstaunlich lebendige Spruchweisheiten aus Kambodscha

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserManchmal ist es wirklich nur die Sprache, die uns daran hindert, in den Kulturen fremder Völker uns selbst wiederzufinden, das Vertraute, das allen Völkern gemeinsam ist. Denn alle Menschen müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten, mussten Land urbar machen und miteinander klarzukommen lernen. Wären da nicht ein paar Tiere, die es nur in Südostasien gibt, die Sprichwörter, die Gabriele und Ngen Yos jetzt veröffentlicht haben, könnten manchmal auch aus deutschen Sammlungen stammen. Weiterlesen

Kann der Herr Autor vielleicht jetzt mal eingreifen?

In diesem Buch stirbt jeder: Die lustvolle Demontage des Romaneschreibens in einem Roman von Beka Adamaschwili

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVor ein paar Jahren hat der georgische Autor Beka Adamaschwili seinen Helden Piere Sonnage in die Literatenhölle geschickt. Das Buch gefiel nicht nur den Georgiern. Vielleicht auch, weil Adamaschwili sie nicht mit den Malaisen der gegenwärtigen georgischen Politik oder der jüngeren Geschichte konfrontierte. Im Gegenteil: Augenzwinkernd nahm er sie mit in die großen Bücher der Weltliteratur. Denn nichts öffnet Horizonte so sehr wie große Literatur. Auch wenn der Autor darin seltsame Dinge anstellt. Weiterlesen

Europa ist eine Königstochter aus Afrika

House of Europe: Die europäische Idee in den Beständen der Deutschen Nationalbibliothek

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 1. Juli begann die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, eine Ratspräsidentschaft, auf die auch viele Europäer sehr viel Hoffnung setzen. Denn sie bietet die seltene Chance, endlich wichtige Weichenstellungen vorzunehmen, um die EU wieder zukunftsfähig zu machen. Und damit auch die europäische Idee vom gemeinsamen Haus. Die Deutsche Nationalbibliothek hat dem Anliegen extra ein dickes Buch gewidmet mit hunderten Europa-Motiven aus den eigenen Buchbeständen. Weiterlesen

Der Band zu einer Tagung, die die alte Burgenverklärung gründlich infrage gestellt hat

Burgen und Sagen im Harz: Höchste Zeit, die alten Gemäuer zu entmystifizieren

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist diesmal kein Sagenband, auch keine Einladung zu Wanderungen an mystische Orte. 2018 luden der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. und die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ins Kloster Ilsenburg zu einer Jubiläumstagung ein. Denn 1868 wurde der Harzverein für Geschichte und Altertumskunde gegründet, dessen Initiator Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode war. Der hatte sich das Kloster in Ilsenburg zu seinem Refugium ausgebaut und interessierte sich intensiv für Burgen und Sagen. Weiterlesen

Machtgerangel, alte Seilschaften und V-Männer außer Kontrolle

Modellversuch Chemnitz: Der tragische Tod des Journalisten Arne Heller

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist ein vertrackter Roman, freilich nicht unbedingt, weil der Held stirbt darin wie der Held in William Goldings „Pincher Martin“ von 1956. Das ist lediglich erschütternd, vertrackt ist er, weil er ein Stück weit die Wehrlosigkeit von Journalisten zeigt, die wirklich herausfinden wollen, wer im deutschen Rechtsextremismus tatsächlich die Fäden zieht und welche Rolle dabei die seltsamen Ämter für Verfassungsschutz spielen, die so erwartbar immer wieder versagen, wenn es um rechtsextreme Umtriebe geht. Weiterlesen

Wenn Vorurteile Polizisten blind machen und Geister alte Mordfälle klären

Die Blutnacht von Manor Place: Der zweite Band mit True-Crime-Geschichten aus der Feder von Arthur Conan Doyle

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWer den 2007 auch auf deutsch erschienenen Roman „Arthur & George“ von Julian Barnes gelesen hat, wusste schon, dass dieser Arthur Conan Doyle zwei Seelen in seiner Brust hatte. Einerseits war er der analytische Denker, der auch echte Kriminalfälle wie den um den zu Unrecht verurteilten George Edalji löste, andererseits war er am Ende seines Lebens überzeugter Spiritist und glaubte, Spiritismus könnte eine völlig neue Wissenschaft werden. Weiterlesen

Abschied von einer einzigartigen Geschichte

Siebenbürgen süße Heimat: Thomas Heller porträtiert einige der letzten Siebenbürger Sachsen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas der Dresdner Fotograf Thomas Heller in diesem Buch versammelt hat, ist so eine Art Abschiedslied – nicht gerade an Siebenbürgen, das wird es als faszinierende Landschaft in Rumänien auch künftig noch geben. Aber an die Siebenbürger Sachsen, die eigentlich gar keine Sachsen waren. Und die immer weniger werden, weil die Jugend weggezogen ist Richtung Norden. Weiterlesen

Aussterben wie die Dodos oder dem Wachstumswahn ein Ende setzen

Das Anthroponomikum: Ein Zeitalter, in dem der Mensch lernen muss, die Grenzen seiner Möglichkeiten zu akzeptieren

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir leben an einer Zeitenwende. Alles ist ausgetummelt. Wir wissen alles Wichtige über unsere Welt. Und wir können uns nicht mehr doof stellen. Können wir machen. Stimmt. Aber das wäre dann der endgültige Beweis, dass die Entstehung des Homo sapiens ein evolutionärer Irrweg war. Denn überleben werden nur Spezies, die sich anpassen können. Die, die sich doof stellen, werden einfach aussterben wie der Dodo. Und ein Anthroponomikum wird es nicht geben. Weiterlesen

Sechs Skizzen von Reisen nach Indochina, Westafrika und Bulgarien

Weltwärts, um die Enge der Heimat zu begreifen: Die Menschen kennenlernen, die hinterm Bretterzaun des weißen Hotelstrandes leben

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie meisten Reisenden der Vor-Corona-Zeit haben eigentlich nichts von der Welt gesehen. Sie waren mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs, in betreuten Pauschalpaketen und in Urlaubsressorts. Aber mit der realen Welt der Menschen in den bereisten Ländern kamen sie kaum in Berührung. Auch das ist der Baustoff für Vorurteile. Deswegen sind die sechs Berichte von Kevin Riemer-Schadendorf auch eher keine Reiseerzählungen. Weiterlesen

Wer kann beweisen, dass Petrus tatsächlich in Rom war?

Die Petrusakten: Andreas Englisch hat seinen Thrilller von 1998 noch einmal überarbeitet

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAlte Schriften, geheimnisvolle Akten, die diversen Apokryphen aus dem Umfeld der Bibel – das alles reizt Autoren immer wieder, drumherum spannende Krimis, Thriller und Legenden zu stricken. Denn all das regt dazu an, über alternative Geschichtsverläufe nachzudenken. Denn warum wurden bestimmte Schriften nicht mit in den Kanon der Bibel aufgenommen? 1998 veröffentlichte Andreas Englisch erstmals seinen Thriller „Die Petrusakte“. Weiterlesen

Ein Junge aus Olbernhau rebelliert gegen die Einheitswahl von 1950

Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben: Die Biografie des fast vergessenen Hermann Flade

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserGanz am Ende ihrer Nachbemerkungen schreibt Karin König einen wichtigen Satz: „Die Geschichte der DDR ist letztlich auch eine Geschichte der Bundesrepublik, nicht erst seit der deutschen Einigung.“ Womit sie wohl das größte Problem der heutigen (west-)deutschen Sicht auf Geschichte benennt. Da werden dann nicht nur die Schicksale der einst in der DDR-Justiz zerstörten Menschen marginalisiert. Auch die eines Mannes wie Hermann Flade. Weiterlesen

Randale, Mord und Intrige – und das auch noch im friedlichen Leipziger Rathaus

Leipziger Maskerade: Joachim Anlaufs Fortsetzung des turbulenten OBM-Wahlkampf-Krimis von 2013

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist, als hätte der Leipziger Oberbürgermeisterwahlkampf 2020 Joachim Anlauf dazu angestachelt, seinen Leipzig-Krimi von 2012 „Völkers Schlacht“ endlich fortzusetzen. Denn da war ja noch etwas offen und ungeklärt. Sein Clemens Völker hatte nur mit Ach und Krach die OBM-Wahl wieder gewonnen. Nicht weil ihm die Wähler seine Rolle als „Genosse der Bosse“ übel genommen hätten, sondern weil eine skrupellose Kampagnenagentur mit übelsten Tricks versuchte, den Kandidaten in der öffentlichen Wahrnehmung zu demontieren. Weiterlesen

Wieder Respekt lernen vor den Tieren in dieser Welt

Der Raufbold: Georg Krapinskis Gnadenhof und der stolze Hahn Frederick

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserFrüher standen Gedichte sogar im Wirtschaftsteil der Zeitung. Ach nein, das ist ja Unfug. Das hat ja gar nicht Rainer Nahrendorf geschrieben sondern Gabriel Garcia Marquez. Aber auch bei Rainer Nahrendorf bekommt man so ein Gefühl, dass im Wirtschaftsteil der Zeitung auch mal ein Gedicht stehen sollte. Denn Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland leidet oft unter Blutleere. Nahrendorf war immerhin 34 Jahre lang bei einem der wichtigsten Wirtschaftsmagazine des Landes, beim „Handelsblatt“. Und nun? Nun schreibt er Tiergeschichten. Weiterlesen

Wie Sachsen noch in der Napoleonzeit begann zum Industrieland zu werden

Siebenhöfen: Bernd Sikora schreibt einen Jugendroman zur ganz frühen Industriegeschichte im Erzgebirge

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWie verarbeitet man eigentlich seinen Kummer als Architekt und Kenner historischer Baukunst, wenn gerade in dem Moment, in dem Sachsen sich als Land der Industriekultur feiert, reihenweise die Zeugen der frühesten Industriearchitektur abgerissen werden? Für Bernd Sikora war es doppelt schmerzhaft, weil es 2016 auch ein Bauwerk in seiner erzgebirgischen Kindheitslandschaft betraf: die Meinertsche Spinnmühle in Oelsnitz. Weiterlesen

Jungssein in einer Zeit der Sprach- und Ratlosigkeit

Scherbenhelden: Johannes Herwigs Punk-Roman aus den 1990er Jahren in Leipzig

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWahrscheinlich muss man wirklich jung gewesen sein in dieser Zeit. Wer sonst sollte so über die 1990er Jahre in Leipzig berichten? Über diese Jahre, die die Erwachsenen als Zusammenbruch aller Konstanten in ihrem bisherigen Leben erlebten. Nicht ahnend, wie diese Jahre nachwirken werden. Später. Also heute. „Und doch hatte ich das Gefühl, etwas wäre verloren gegangen. Etwas Wichtiges“, lässt Johannes Herwig seinen Helden Nino denken. Kurz vor Schluss, bevor er mit einem kleinen Funken Hoffnung endet. Weiterlesen

Sturmgepeitsche Wellen, spektakuläre Sonnenuntergänge und die unendliche Stille des Morgens am Meer

Hiddensee – Insel im Licht: Uta-Katharina Gaus Fotografien einer faszinierenden Ostsee-Insel

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht allen, die in diesem Sommer so gern auf die Ostsee-Insel Hiddensee gefahren wären, ist das auch vergönnt. Es ist der Sommer, in dem viele wieder die Schönheiten dieses Landstrichs zwischen Thüringer Wald und Erzgebirge entdecken, die hiesigen Sonnenauf- und -untergänge. Und über das Licht staunen, das zuweilen die Landschaft wieder so eindrucksvoll macht, wie sie Caspar David Friedrich einst entdeckte. Zeit, wieder Sehen zu lernen. Weiterlesen

Anselm Grüns ermutigender Ratgeber mitten aus der Corona-Klausur

Was gutes Leben ist: Warum die Verwandlung der Welt mit Dankbarkeit, Gelassenheit und dem Gefühl für das richtige Maß beginnt

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEr ist wohl der bekannteste Mönch und spirituelle Ratgeber derzeit in Deutschland: der Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach Anselm Grün. Und er war auch der Mann, der vielen Redaktionen als erstes einfiel, als sie ab März jemanden suchten, der erklären kann, wie man mit erzwungener Einsamkeit im Corona-Shutdown zurechtkommen kann. Mönche müssen so etwas doch wissen. Weiterlesen

Eine Zivilisation an den Grenzen ihres Überlebens

Zivilisationskollaps: Woher das gnadenlose Wachstumsdenken mit all seinen panischen Ängsten in unseren Köpfen kommt

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOb die Menschheit überlebt, das entscheidet sich jetzt. Nicht auf irgendeiner Konferenz mit mutlosen Staatsoberhäuptern, nicht in irgendeiner Konzernzentrale, nicht in einem Forschungslabor. Sondern in Ihrem Kopf. Nirgendwo sonst. Sie entscheiden, ob die Menschheit in einer Heißzeit verglüht, ob die Ökosysteme zusammenbrechen oder unsere Wirtschaftsgrundlagen. Ganz am Ende des Buches lässt Thomas Liebsch einen kleinen Hoffnungsschimmer zu. Einen ganz kleinen. Weiterlesen

Ein Klimaforscher appelliert an Politik und verunsicherte Bürger

Heißzeit: Mojib Latifs vehementes Plädoyer, jetzt die rasende Fahrt in die Klimakatastrophe zu stoppen

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEinen flammenden Appell nennt Mojib Latif sein Buch, in dem er nicht nur davor warnt, dass wir mit Vollgas in die Klimakatastrophe rasen. Immer noch. Trotz all der Klimakonferenzen, auf denen Staatsoberhäupter regelmäßig Schritte zur CO2-Reduzierung vereinbaren, schöne Reden halten, nach Hause fahren – und dann wird weitergefeuert wie bisher, werden immer neue Treibhausgas-Rekorde vermeldet. Mojib Latif ist nicht irgendwer. Weiterlesen

Die Scheffel-Katastrophe am Neckar

Heidelberg in one Day: Wie man die romantische Brille beim Blick auf old Heidelberg loswird

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSprache verändert unsere Sicht auf die Dinge, auch auf „romantische“ Städte und „romantische“ Burgen. Wer nach Videoclips über Heidelberg und sein Schloss sucht, wird von lauter „Romantik“ geradezu erschlagen. Daran ist nicht nur der „extremly popular writer of song lyrics“ Joseph Victor von Scheffel schuld mit seinem Lied „Alt-Heidelberg du feine, Du Stadt an Ehren reich ...“. Mit Romantik hat das übrigens nichts zu tun, nicht mal mit der deutschen. Weiterlesen