Die Eigenwelt mitten im Raum der Anderen: Ein Interview mit Dr. Konstanze Caysa über Körperutopien

Mein Körper gehört mir, heißt es in einem Kinderlied. Er ist das was uns physisch ausmacht, das, was uns wortwörtlich greifbar macht. Und doch scheint dieses Eigentum noch gar nicht richtig begriffen und immer häufiger bedroht. Die Momente in denen die totale Machbarkeit von Körpern und deren Optimierung zum Zwecke wirtschaftlicher Verwertbarkeit als Freiheit verkauft werden, verkehren sich bei genauer Beobachtung in eine sehr spezialisierte Form der Unfreiheit, nämlich der Unterdrückung. Und erlangt damit erst Klarheit.

Sei so, wie wir dich wollen! Sei das Ideal, was dir durch die Medien aufgetragen wird! Sei Norm! All das sind Imperative repressiver Körperlichkeit.

Welche Auswege es aus dieser gar nicht so neuen Form der Unterdrückung geben kann, was Körper und Leib eigentlich sind und was Friedrich Nietzsche damit zu schaffen hatte – darüber haben wir mit Dr. Konstanze Caysa von der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig gesprochen.

Wie präsent ist der Körper in der Philosophiegeschichte, in einer Disziplin, die den Geist und das Denken sehr hoch veranschlagt?

Der existenzielle Gedanke, dass der Einzelne sein Leben zum Kunstwerk transformieren kann, indem er es selbstbestimmt führt, der Gedanke also der modernen Philosophie der Lebenskunst, in der der Körper stark thematisiert wird, hat seine Wurzeln in der antiken Philosophie. Gerade dort ist der Leib sehr präsent gewesen. Es gab bestimmte Askesepraktiken zur Einübung in bestimmte Haltungen, die immer auch Körper-Haltungen waren und sind. Das nennt man im Griechischen Ethos. Dabei handelt es sich nicht um das, was wir heute unter religiöser Ethik verstehen, sondern um die Erlangung einer bestimmten Haltung des Einzelnen gegenüber seinem Leben.

Philosophische Konzepte wie das „cogito ergo sum“ von René Descartes, versuchen das Dasein des Menschen auf die reine Rationalität zu reduzieren. Damit wird der Philosophie meinem Verständnis nach die Grundlage genommen. Denn „Am Leitfaden des Leibes“ sollen wir philosophieren, folgen wir geistig einem der größten deutschen Leibphilosophen der Philosophiegeschichte, nämlich Friedrich Nietzsche.

In der heutigen Philosophie kehrt der Körper in der Philosophie der Lebenskunst bei Wilhelm Schmid wieder. Schmid bezieht sich auf Foucault und Nietzsche und versucht leibbezogene Philosophie für den Einzelnen wieder fruchtbar zu machen.

Sie sprechen im Wechsel von Leib und Körper. Wie sind diese Begriffe zu unterscheiden?

Im Anschluss an Heideggers ontologische Differenz zwischen Sein und Seiendem hat Volker Caysa die sogenannte leibontologische Differenz innerhalb der aktuellen Diskussion einer philosophischen Theorie des Empraktischen eingeführt. Es geht dabei um den Unterschied der Begriffe „Leib“ und „Körper“.

Der Begriff des Leibes geht auf das mittelhochdeutsche Wort lîp zurück und kann übersetzt werden sowohl mit Leib als auch mit Leben. Der Leib ist das Lebendige, unsere Körpernatur. Er ist der uns im Ganzen Unverfügbare. Er enthält in sich das Unvorhergesehene, Schicksalhafte, Unbegreifbare. Der Leib ist die Natur des Körpers, die uns über Affekte und Gefühle beispielsweise angeht. Der Körper ist rationalisierbar und instrumentalisierbar. Der Körper ist machbar und planbar. Die große Vernunft des Leibes geht dem rationalen Denken voraus und kann nicht instrumentalisiert werden.

In Nietzsches Hauptwerk „Also, sprach Zarathustra“ ist die Rede von der großen Vernunft und von der kleinen Vernunft. Die große Vernunft ist die Vernunft des Leibes. Die kleine Vernunft ist die Rationalität, das Denken, der Verstand. Die große Vernunft wird demnach auf den Leib bezogen und der Verstand, der Körper, auf die kleine Vernunft. Hier sehen Sie auch, dass Vernunft und Verstand unterschieden werden, obwohl die beiden Begriffe gern – nicht nur im Alltag – synonym gebraucht werden.

Nietzsche fordert, dass beim Philosophieren „vom Leitfaden des Leibes“ ausgegangen werde, da der Leib Grundlage jeglicher Rationalität ist. Er ist vorkognitiv und vorsprachlich und so paradox es erscheinen mag – doch vernünftig, wenn auch nicht immer verständig.

In ihren Texten kommt sehr häufig der Begriff der Sehnsucht vor. Welche Rolle spielt die Sehnsucht in der Körper-Leib-Debatte? Wonach sehnen wir uns?

Zum Begriff der Sehnsucht ist zunächst zu sagen, dass man von einer sehnsuchtsontologischen Differenz zwischen der Großen Sehnsucht und der Kleinen Sehnsucht sprechen kann, die innerhalb der Entwicklung einer philosophischen Theorie des Empraktischen herausgearbeitet wurde. Vordenker dieser sehnsuchtsontologischen Differenz ist u.a. Georg Lukács, der seinerseits in seiner Schrift „Die Seele und die Formen“ die Sehnsucht differenziert in eine kleine, das heißt endliche, und in eine große, das heißt im klassisch-romantischen Sinn unendliche.

Die große Sehnsucht zielt auf das Ganze, ja sie geht auf’s Ganze, nämlich auf’s Leben. Sie ist eine innere Gerichtetheit, eine Haltung, ein Ethos, eine Getriebenheit, die das Leben des Einzelnen zu perspektivieren im Stande ist. Die Große Sehnsucht schafft Notwendigkeiten. Wenn man beispielsweise einen Künstler fragt: Warum schaffst Du? – dann gibt es darauf oftmals keine zweckrationale Antwort. Des Rätsels Lösung ist: Er muss schaffen. Er kann gar nicht anders, denn das Schaffen IST sein Leben. Das Bild will gemalt werden. Das Musikstück verlangt nach seiner eigenen Komposition. Das Gedicht drängt zu seinem Ausdruck – jede Macht, auch die der Kunst, hat das Vermögen sich auszudrücken, indem sie wirkt.

Echte Sehnsucht ist Sehnsucht nach vorn! Die große Sehnsucht folgt dem grundlegenden Trieb des Lebendigen: dem Willen zur Macht, dem Willen zur Selbstermächtigung und damit dem Willen zum Leben.

Die kleinen Sehnsüchte sind erfüllbare Sehnsüchte. In ihnen steckt aber die Gefahr, dass sie mit ihrem Befriedigungspotenzial neue kleine Sehnsüchte erzeugen. Einmal positiv Erlebtes will immer und immer wieder erlebt werden, was zu Gier führen kann.

Wenn man das Wort Sehnsucht genauer betrachtet, kommt man zu dem Gedanken, dass dort etwas verschwunden sein muss, nach dem man sehnsüchtig sucht. Ohne Verlust kein Suchen. Was fehlt uns?

„Gott ist tot“ – wie Nietzsche scharfsinnig bemerkte. Die Frage ist nun, was an die Stelle Gottes tritt, wer oder was kann diese Leerstelle ersetzen?

Durch Nietzsches Philosophie wird nun an eine Art Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen appelliert, die als Ersatz für den tradierten Werteverlust herhalten soll. Der Mensch, der sich selbst regieren kann und über sich selbst hinausschafft, ist bei Nietzsche bekanntermaßen der Übermensch. Dagegen steht der letzte Mensch, der geführt werden will. Diesem muss man heteronorme Regeln geben, weil er Regeln und Normen zum Leben braucht, weil er mit dem Postulat der Selbstbestimmung nichts anfangen kann. Er würde sich überfordert fühlen, wenn er sich selbst bestimmen sollte.

Der letzte Mensch braucht einen Religionsersatz, der außer ihm selbst liegt und größer ist als er. Religion (von lat. religio) ist erst mal einfach nur das, was uns verbindet, einbindet. Es geht dabei also nicht um Religion im christlich-traditionellen Sinne, sondern um etwas, das die Menschen zusammenhält.

In diesem Zusammenhang kann die Aufrüstung des Körpers, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, eine neue Form der Religion sein. Die Frage dabei ist, ob es den Moment der Zufriedenheit geben kann oder ob es eine Leerstelle bleibt. Der über sich selbst hinaus schaffende Mensch ist meiner Meinung nach durch die Selbstbestimmung dazu in der Lage, diese Leerstelle zu füllen. Ich nenne ihn den Metatropiker.[1] Das ist jemand, der sich mitten in der Welt der Anderen eine Eigenwelt zu schaffen im Stande ist, ein Künstlertypus, der durch sein Über-Leben sein Leben nicht nur irgendwie überlebt, sondern sein Leben selbst als Kunstwerk versteht.

Die überall sichtbare Feier des Körpers – alles ist machbar, jeder kann scheinbar tun und lassen, was er will – kommt im Gewand der Befreiung daher, ist aber im richtigen Licht betrachtet doch nur eine neue und sehr subtile Form der Unterdrückung. Der Imperativ „Du musst dich machen“ funktioniert innerhalb der Bedingungen der herrschenden Ordnung und will über diese gar nicht hinaus. Ist hier nicht eher ein normierter Körper zu beobachten, der glaubt, dass er frei wäre und es in Wirklichkeit gar nicht sein soll?

Im Prinzip befinden wir uns in einem Spannungsfeld von Heteronomie und Autonomie. Die Machbarkeit von allem könnte als Form der Autonomie angesehen werden. Alles ist möglich, aber auch immer nur mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche. Auch die finanziellen Bedingungen sind für die Erfüllung von Körpersehnsüchten nicht unwichtig.

Das hört sich im ersten Moment nach der Möglichkeit der freien Wahl an. Aber mehr als eine Bewegung innerhalb des Vorgegebenen ist dort auch nicht möglich. Fremdbestimmte Werte dominieren diesen Bereich. Es wird den Menschen suggeriert, was ein schöner Körper ist. Kann aber die „Schönheit“ eines Körpers überhaupt normativ bestimmt werden? Kann es feststehende Kriterien für den schönen Körper geben? Oder ist das nicht doch eine höchst individuelle Bestimmung?

Ideale Körperbilder, wie sie zum Beispiel von Schönheitschirurgen vermittelt werden, sind natürlich extrem fremdbestimmt. Für das Erreichen solcher Körperideale, die im Grunde Körperidole sind, verschwenden und verschulden sich Menschen – ohne je das ersehnte Ziel der Zufriedenheit oder des Glückes zu erreichen. Denn das würde die Vollkommenheit ihres Körpers bedeuten. Aus diesem Bestreben der Menschen können Formen des Schönheitswahns resultieren. Der schöne Körper wird zum Konsumprodukt und löst das Statussymbol Auto ab.

Ist es heute in Zeiten des permanenten Zugriffs auf die sedativen Errungenschaften der neoliberalen Welt überhaupt möglich, nicht fremdbestimmt zu sein?

Wie eben bereits erwähnt bewegen wir uns hier in einem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Die Tendenz zum Einen oder Anderen hin ist individuell unterschiedlich. Es gibt niemanden, der ganz und gar frei ist von Fremdbestimmung.

Der Metatropiker, der Über-sich-Selbst-hinaus-Schaffende, hat durch seine große Sehnsucht einen Trieb in sich, sich selbst als autonomes Wesen zu schaffen. Die fremden Mittel benutzt er als zur Selbstbestimmung dienende Werkzeuge. Das ist ein Hauptkritierium echten Künstlertums. Die selbsttechnologische Rationalität ist das Werkzeug der großen Vernunft des Leibes. Die biotechnologischen Fremdbestimmungen werden zu etwas Eigenem benutzt. Der Fremdbestimmte sieht die Mittel, die eigentlich zu Etwas nützlich sein sollten – zur Erschaffung von etwas Höherem als der Einzelne selbst je sein kann – als Selbstzweck. Es gibt allerdings kein Über-sich-hinaus-zu-sich-Selbst ohne Leid und Schmerz, ohne Abgründigkeit und existenzielle Gefahr. Sie sind wesentlich notwendig zur Erschaffung einer individuellen Eigenwelt – der Seyns-Welt des Metatropikers.

Gibt es einen Unterschied zwischen idealem und utopischem Körper?

Der ideale Körper ist der vollkommen planmäßige und inszenierte Körper. Wenn wir hier aber von Vollkommenheit sprechen, dann sind wir wieder bei der Frage nach einem zu erreichenden Endzustand. Das Ideal würde ich eher auf der Ebene der rational instrumentalisierten Machbarkeit ansiedeln, während die Utopie als Noch-Nicht-Ort auf einen anderen Ort in innerer Getriebenheit strebt. Der andere Ort ist der Ort, den man sich selbst schafft, außerhalb des Ortes, an dem man alltäglich lebt – ein anderer Ort mitten im Raum aller anderen.

Die selbsttechnologische Körperutopie ist für mich eine Übergangsstufe zu diesem anderen Ort. Ist dieser andere Ort geschaffen heißt das nicht, dass es einen Stillstand gäbe. An dem Ort passiert etwas. Es entstehen neue Utopien, die wiederum zu anderen Orten führen. Die Utopie hat im Unterschied zum Ideal keinen Endpunkt. Die Utopie ist etwas Prozesshaftes, das ihr Ende nur im Tod hat. Utopia wird als festgestellter Ort niemals sein.

Viele verewigen mit ihrer Selbstproduktion den Status Quo. Warum geht es immer so weiter? Hat die Aufklärung hier auch wieder versagt?

Ich würde hier nicht von Selbstproduktion, sondern von einem Ich-Reproduktionszwang sprechen, weil sich das rationalistische Ich immer nur im Ewig-Gleichen wiederholt. Allein über äußere Aufklärung wird man dem Problem nicht beikommen können. Der Einzelne müsste im Sinne des Prinzips Lebenskunst für sich selbst einen höheren Wert finden, als das ständige Weitermachen innerhalb der fremdbestimmten Strukturen des Körperkapitalisierens. Wenn es möglich ist, einer großen Perspektive zu folgen, die das gesamte eigene Leben durchzieht, dann gäbe es einen Ausweg aus der Fremdbestimmung. Denen, die der Fremdbestimmung nichts entgegenzusetzen haben, gibt sie als feste Form Halt. Insofern sind diese Halt-Bedürftigen, die einer eigenen Haltung entbehren, immer Gefangene fremdbestimmter Formen.

Wäre es da nicht geboten, vielen die Möglichkeit zu bieten, die Möglichkeiten der Autonomie erfahrbar zu machen? Wie wäre das zubewerkstelligen?

Das ist sehr schwierig und von Außen vollständig, denke ich, nicht machbar. Es gibt eine ganze Reihe von Ratgeber-Literatur, die allerdings nicht zielführend ist, weil dort vorgegeben ist, was zu tun sei. Ebendies will beispielsweise Wilhelm Schmid in seiner „Philosophie der Lebenskunst“ nicht. Es geht vielmehr um Hilfe zur Selbstführung und darum, Fragen zu stellen, nicht Antworten vorzugeben. Die Fragen allerdings muss der Einzelne für sich selbst beantworten durch Arbeit an sich selbst.

Letztlich kann man keinem beibringen, nicht mehr fremdbestimmten Imperativen zu folgen. Der Einzelne muss den Drang der Selbstbestimmung in sich tragen, den kann ihm keiner geben. Sich selbst führen zu lernen, Führer seiner Selbst zu sein, überfordert die Meisten. Die Sorge um sich, geht der Sorge um andere voraus, hat Foucault schon gelehrt. Wer sich selbst nicht führen kann, der kann auch andere nicht führen. Das sollten sich vor allem die Politiker mal überlegen.

Konstanze Caysa (geb. Schwarzwald), geboren 1977, studierte Philosophie und Germanistik in Leipzig. 2005 erhielt sie den Wissenschaftspreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. für ihre Magisterarbeit „Im Zauberberg. Philosophieren zwischen Auftrag und Kritik. Zur Situation der Philosophie in Leipzig in den Jahren 1985-1089“. 2009 promovierte sie zum Thema „Sehnsüchtige Körper – Eine Metatropie“. 2002-2010 arbeitete sie im Vorstand der Nietzsche-Gesellschaft e.V. Seit dem WS 2006/07 lehrt sie am Institut für Philosophie der Universität Leipzig.

[1] Zu dem Begriff der Metatropie siehe auch: www.empraxis.net

Sehnsüchtige Körper, Konstanze Schwarzwald, Lit Verlag 2014, 19,90 Euro


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