Bangkok, 32 Grad, der nächste goldene Tempel wartet, doch der Nachwuchs würde den Nachmittag lieber am Pool verbringen. Wer mit Teenagern reist, kennt solche Momente. Was Erwachsene als kulturellen Höhepunkt geplant haben, löst bei Jugendlichen nicht immer Begeisterung aus. Aber das muss es auch gar nicht.
Eine Familienreise durch Thailand kann schließlich weit mehr sein als eine Abfolge von Tempelbesichtigungen mit anschließendem Badeausflug. Denn gerade Jugendlichen hat Asien im Allgemeinen und Thailand ganz im Speziellen, einiges zu bieten. Mit dem Tuk-Tuk durch Bangkok zur Skybar fahren und dort das perfekte Selfie vor der Skyline machen. Auf einem Nachtmarkt shoppen und zusehen, wie Streetfood im Wok über hohen Flammen zubereitet wird, oder am Abend einen Muay-Thai-Kampf erleben.
Abseits der Großstadt wird es sogar noch abenteuerlicher, beispielsweise bei einer Wanderung zu einem Bergdorf mit Übernachtung oder beim Schnuppertauchen im tropischen Meer. Oft sind es genau diese Erlebnisse, die später stärker in Erinnerung bleiben als die nächste Sehenswürdigkeit. So kann aus einer Familienreise eine Mischung aus Großstadt, fremder Kultur, echten Begegnungen, Abenteuer und Strand werden. Und aus einem vermeintlich klassischen Thailandurlaub somit eine Reise, bei der auch Teenager hinterher einiges zu erzählen haben.
Tuk-Tuk, Skorpione und Muay Thai: Bangkok kann auch Teenager
Bangkok ist ein guter Ort, um gar nicht erst in den klassischen Besichtigungsmodus zu geraten. Natürlich gehören der Große Palast und einige der berühmten Tempel zu einer ersten Thailandreise. Doch dazwischen darf die Stadt zeigen, warum sie auch Jugendliche faszinieren kann. Das beginnt schon mit der Fortbewegung. Statt immer nur im klimatisierten Auto zu sitzen, geht es mit dem Tuk-Tuk durch den Verkehr oder mit einem Boot über den Chao Phraya und durch die Wasserstraßen der Stadt.
Am Abend wartet Bangkok dann noch einmal in einer völlig anderen Perspektive: von weit oben. Der Blick von einer Skybar über das Lichtermeer der Metropole dürfte auch Teenager zum Smartphone greifen lassen, natürlich für ein möglichst cooles Selfie für Instagram. Danach geht’s vielleicht weiter nach Chinatown, wo rund um die Yaowarat Road chinesische Schriftzeichen über der Straße leuchten.

Menschen drängen sich dort zwischen den Garküchen und unter den Woks schlagen die Flammen hoch. Wer mutig ist, probiert Dinge, die zu Hause vermutlich nicht auf dem Speiseplan stehen würden. So ein Skorpion am Spieß kann schon einen kleinen Kulturschock auslösen und im Gedächtnis bleiben. Bangkok kann sogar noch ungewöhnlicher. In der Snake Farm des Queen Saovabha Memorial Institute dreht sich alles um Schlangen und die Erforschung von Schlangengiften.
Die Einrichtung gehört zum Thailändischen Roten Kreuz und beschäftigt sich unter anderem mit Giftschlangen, Gegengiften und der Aufklärung über Schlangenbisse. Außerdem bietet Bangkok allerlei ausgefallene Cafés, moderne Einkaufszentren und am Abend ein Muay-Thai-Kampf im traditionsreichen Rajadamnern Stadium. Plötzlich ist die thailändische Hauptstadt nicht mehr nur die Stadt der Tempel, sondern ein ziemlich aufregender Auftakt der Reise.
Wenn im Dschungel plötzlich alle nach oben schauen
Ein paar Stunden außerhalb der Millionenmetropole verändert sich die Szenerie komplett. Im Khao-Yai-Nationalpark bestimmen nicht Hochhäuser und Straßenverkehr den Tag, sondern dichter Wald und die Frage: Was bewegt sich da gerade zwischen den Bäumen? Mit einem erfahrenen Wildlife-Guide wird daraus eine Spurensuche nach exotischen Tieren. Ausgestattet mit Ferngläsern geht es zu Fuß durch den Dschungel und mit einem Safari-Pick-up durch den Nationalpark.
Der Guide erkennt Geräusche, Bewegungen und Spuren, die ungeübte Besucher vermutlich übersehen würden. Nicht selten hallen die Rufe von Gibbons durch den Wald und manchmal fliegt ein mächtiger Nashornvogel über die Baumwipfel. Und mit viel Glück zeigt sich sogar ein wilder Elefant.
Vor allem auf Jugendliche kann diese Art von Naturerlebnis mit Überraschungsmomenten nachhaltig Eindruck machen. Wenn der Guide plötzlich stehen bleibt, das Fernglas hebt und alle versuchen herauszufinden, was er entdeckt hat, sind Smartphone und Instagram für einen Moment schnell vergessen.
All diese Abenteuer müssen dabei nicht bedeuten, auf Komfort zu verzichten. Eine Übernachtung in einem modernen Glamping-Camp mit komfortablen Zelten und Infinity-Pool zeigt, dass sich Dschungelerlebnis und ein besonderer Rückzugsort durchaus miteinander verbinden lassen.
Wer Großstadt, Naturerlebnisse, Begegnungen und einige Tage am Meer miteinander verbinden möchte, muss daraus außerdem keine hektische Rundreise machen. Individuell geplante Thailand-Rundreisen für Familien lassen sich an das Alter der Jugendlichen, ihre Interessen und die verfügbare Ferienzeit anpassen.
Der Thailand-Spezialist Siamways stellt beispielsweise private Familienreisen zusammen, bei denen Route, Reisetempo und Erlebnisse individuell auf die Familie abgestimmt werden.

Ein paar Worte Thai und plötzlich wird aus dem Zuschauen eine Begegnung
Im Norden Thailands lässt sich die Reise noch einmal anders gestalten. Rund um Chiang Rai führen Wanderungen in die Bergregionen, wo Übernachtungen in oder bei Dörfern einen Einblick in das Leben abseits der touristischen Zentren ermöglichen können. Interessant wird es vor allem dann, wenn die Jugendlichen nicht nur zuschauen, sondern in der Gruppe aktiv werden können.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein paar Wörter Thai zu lernen, gemeinsam Essen vorzubereiten, beim Kochen zu helfen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Natürlich dürfte die Verständigung am Anfang vor allem mit Händen und Füßen funktionieren.
Eine Fernreise wird interessanter, wenn man nicht nur vor Sehenswürdigkeiten steht, sondern selbst etwas macht. Dafür bieten Chiang Rai und Chiang Mai wirklich gute Ausgangspunkte. Statt jeden Morgen den Koffer zu packen und zum nächsten Hotel weiterzufahren, kann eine Familie mehrere Nächte an einem Ort bleiben. Von dort lassen sich ganz unterschiedliche Unternehmungen starten.
Rund um Chiang Mai reicht die Auswahl beispielsweise von Kochkursen und Fahrradtouren bis zu Wildwasser-Rafting. Dazwischen bleibt Zeit für die Kultur Nordthailands und ihre Tempel. Die gehören schließlich weiterhin dazu, wenngleich nicht zwingend drei am selben Tag. Auch bei der Unterkunft muss eine Familienreise mit Teenagern nicht nach klassischem Familienhotel aussehen. Kleine Boutiquehotels mit Pool können gerade mit älteren Kindern eine interessante Alternative sein.
Tempel ja aber Tempelmarathon nein
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis einer gelungenen Thailandreise mit Jugendlichen. Kultur muss nicht aus dem Programm gestrichen werden, sondern einfach anders dosiert werden. Ein kunstvoller Tempel in Chiang Mai kann durchaus auch Teenager faszinieren. Fünf Tempel hintereinander allerdings vermutlich weniger. Stattdessen lässt sich Kultur mit Erlebnissen verbinden. Morgens ein Tempel, danach Fahrradtour.
Ein anderes Mal Marktbesuch und Kochkurs. Oder ein Ausflug ins Umland, bei dem Landschaft und Begegnungen wichtiger sind als die Anzahl der besichtigten Sehenswürdigkeiten. So lernen Jugendliche trotzdem etwas über Buddhismus, Lanna-Kultur und thailändischen Alltag, ohne das Gefühl haben zu müssen, auf einer Studienreise zu sein.
Endlich Meer aber wer sagt eigentlich, dass man dort nur herumliegen muss?
Nach Bangkok, Dschungel und Nordthailand darf irgendwann der Moment kommen, auf den sich vermutlich alle freuen: Schuhe aus und ab an den Strand. Für eine Reise mit Teenagern muss ein Badeurlaub nicht unbedingt bedeuten, zehn Tage zwischen Liegestuhl, Frühstücksbuffet und Pool zu verbringen. Welche Küste sich anbietet, hängt auch von der Reisezeit ab. Für Familien, die während der deutschen Winterferien reisen, ist die Andamanenküste besonders interessant.
Vor der Küste von Trang liegen beispielsweise Koh Ngai, Koh Kradan und Koh Mook. Die Region eignet sich zum Inselhopping, und Koh Kradan ist für Korallenriffe und Schnorchelmöglichkeiten entlang seiner Küste bekannt. Mit einem privaten Longtailboot geht es von Insel zu Insel, zwischendurch wird geschnorchelt und an kleinen Stränden angelegt.
Auf Koh Ngai und Koh Kradan kann die Unterwasserwelt an geeigneten Stellen sogar direkt vom Strand aus entdeckt werden. Wer dagegen während der Sommerferien nach Thailand reist, kann die Reiseplanung stärker auf den Golf von Thailand ausrichten. Koh Tao ist besonders für Tauchen und Schnorcheln bekannt. Für Jugendliche kann ein Schnuppertauchgang eines jener Urlaubserlebnisse werden, über das zu Hause tatsächlich noch lange gesprochen wird.

Kajak statt Liegestuhl – Krabi für aktive Familien interessant ist
Eine Alternative ist die Provinz Krabi. Die Region funktioniert gut für Familien, die einige Tage Strand möchten, aber nicht jeden Tag am selben Platz verbringen wollen. Die spektakulären Kalksteinformationen sind dabei weit mehr als eine schöne Fotokulisse.
Je nach Programm lässt sich die Landschaft mit dem Kajak, Fahrrad oder zu Fuß entdecken. In Mangrovengebieten können mit etwas Glück Warane, Makaken und Eisvögel beobachtet werden. Und dann ist da noch die Halbinsel Railay. Zwischen den steil aufragenden Kalksteinwänden hat sich einer der bekannten Kletterspots Südthailands entwickelt.
Wer mit sportlichen Jugendlichen unterwegs ist, kann einen Strandtag so mit einer völlig anderen Erfahrung verbinden. Auch Ausflüge auf die vorgelagerten Inseln lassen sich von Krabi aus gut einbauen. Der Strand wird damit nicht zum obligatorischen Schlusspunkt der Rundreise, sondern zu einem weiteren Teil des Abenteuers.
Wie viel Programm verträgt eine Reise mit Teenagern?
Bei all den Möglichkeiten lauert allerdings eine neue Gefahr: Aus Sorge um Langeweile wird jeder Tag von morgens bis abends verplant. Auch das dürfte bei Teenagern wenig Begeisterung auslösen. Eine gute Familienreise braucht deshalb vor allem auch etwas Luft. Auf einen aufregenden Tag im Dschungel darf ruhig ein ausgiebiger Nachmittag am Pool folgen. Nach einer anstrengenden Wanderung können zwei ruhigere Tage kommen.
Und wer gleich drei oder vier Nächte am Stück in derselben Unterkunft in Chiang Mai, Bangkok oder am Meer verbringt, vermeidet auch etwas Reisestress. Dabei kann es sinnvoll sein, Jugendliche schon bei der Planung mitentscheiden zu lassen. Vielleicht sucht jedes Familienmitglied ein Erlebnis aus.
Muay Thai für den einen, Kochkurs für die andere, Schnuppertauchen für die Jugendlichen und ein besonderer Tempel für die Eltern. Auch das Alter spielt eine Rolle. Was einen 13-Jährigen begeistert, muss für einen 17-Jährigen noch lange nicht das Richtige sein. Entscheidend ist deshalb weniger, möglichst viel in eine Reise zu packen, sondern genügend Abwechslung und gleichzeitig Freiraum einzuplanen.
Am Ende geht es ohnehin nicht darum, Thailand möglichst vollständig gesehen zu haben. Vielleicht ist eine gelungene Reise mit Teenagern vielmehr diejenige, bei der am Abend jeder eine andere Antwort auf die Frage hat: „Was war heute eigentlich am besten?“ Und vielleicht bleibt Thailand bei den Kids so sehr in positiver Erinnerung, dass sie später mit ihren eigenen Kindern erneut dorthin reisen möchten.

Keine Kommentare bisher