Bilderlexikon der christlichen Symbole: Die Kirche als ein aufgeschlagenes Buch voller Geschichten

Auch eifrigen Kirchengängern hat Eckhard Bieger mit seinem "Bilderlexikon der christlichen Symbole" eine Freude gemacht. Vor einem Jahr erschien es im Hardcover. Jetzt hat es der Benno-Verlag im Flexcover nachgelegt. Der Leser braucht auf das Gefühl, ein werthaltiges Buch in der Hand zu haben, nicht zu verzichten.
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Wer den 2010 erschienenen kleinen Taschenführer zu den christlichen Symbolen des Kommunikationswissenschaftlers und Theologen schon durchblättert hat, wird sich auf vertrautem Terrain wiederfinden. Denn die Bilder- und Symbolwelt des Christentums ist natürlich in den Kirchen wiederzufinden. Und was Bieger hier vorgelegt hat, ist eigentlich ein Entschlüsselungsbuch für Kirchen. Für Laien, zufällige Besucher, Kulturbeflissene und selbst Gemeindemitglieder. Denn auch Gläubigen ist meist gar nicht bewusst, wie vollgepackt Kirchenbauten in Europa mit verschlüsselten Informationen sind.

Das hat weniger mit all den Verschwörungstheorien um den „Da Vinci Code“ und ähnliche Thriller aus der Spannungswerkstatt zu tun, mehr mit der Tatsache, dass Europas Kirchenbauer schon früh ein doppeltes Anliegen hatten – sie wollten einen Raum schaffen, in dem sich die Gemeinde nicht nur trifft, sondern auch in Beziehung zu ihrem Gott gelangt; und gleichzeitig sollte der Raum selbst die Botschaft in sich tragen. Sichtbar in Säulen, Schlusssteinen, Schiffen, Altären und Himmeln, Portalen, Proportionen und Bildern, die immer wieder Bezug nahmen auf das Buch der Bücher.Doch diese Formensprache war nicht von Anfang an da. Sie entwickelte sich über die Jahrtausende. Deswegen enthält das Bilderlexikon nicht nur auf 210 Seiten die wichtigsten Stichworte zu den Symbolen, Bauteilen, Gewändern und Ausstattungsstücken, die heute zum kirchlichen Erscheinungsbild gehören. Bieger hat dem noch einen 70seitigen Teil „Die Idee des christlichen Kirchenbaus“ angehängt, in dem er schildert, wie der Raum, den sich die Gemeinde schuf, sich zur „Kirche“ entwickelte, die selbst ein doppelsinniges Wort ist und den Bau genauso meint wie die gesamte Gemeinde der Gläubigen. Der Leser wird den prägenden Baustilen der letzten 2.000 Jahre begegnen und dem frühen Beginn der sichtbaren christlichen Kirchgenbauten in Rom, der durchaus ein profaner war, denn die Basilika war ein öffentlicher Versammlungsraum – dominiert durch den Sitz des Kaisers oder seines Amtswalters unter der gewölbten Apsis.

Aus der Apsis wurde der Altarraum, an die Stelle des Sitzes des Amtswalters trat der Altar. Diese Grunddominante wird man in vielen europäischen Kirchen bis heute finden. Sie ist aber auch der Nukleus, aus dem alle kirchlichen Baustile ab der Romanik entstanden. Und für manchen Liebhaber von Architekturgeschichte wird es keine Überraschung sein: All die Details, an denen man die Bauepochen des Mittelalters definiert, stammen sämtlich aus dem Kirchenbau und haben in der Regel eine symbolische Bedeutung. Die Säule, die es ermöglichte, das Kirchenschiff tatsächlich wie ein (umgekehrtes) Schiff zu gestalten genauso wie die Spitzbogenfenster der Gotik. Der Leser erfährt, warum der Chor sich dem Licht im Osten zuwendet (und warum wir noch heute das Wort Orientierung benutzen), warum die trutzigen Türme im Westen der Kirche stehen und warum viele Kirchen äußerlich gespickt sind mit Dämonen und Ungeheuern.

Warum anderseits im Inneren oft zwölf Säulen den Raum dominieren und warum die Schlusssteine in den Gewölben oft besonders hervorgehoben sind. Wer darauf achtet, findet auch die harmonischen Zahlenverhältnisse der alten Griechen wieder und richtet in barocken Kirchen auf jeden Fall den Blick nach oben.

Bieger erläutert die vielen Bezüge, die die mittelalterlichen Baumeister direkt zur Bibel hergestellt haben. Er erläutert aber auch jene Bauteile in der Kirche, die sich nicht gleich erkennbar als Symbol zu erkennen geben – den Baldachin etwa über Marienstatuen, die Farben in ihrer christlichen Deutung, die Bedeutung der Pflanzenmotive (die eben nicht nur wegen ihrer Schönheit auftauchen) oder die von Rundleuchtern oder Kuppeln.

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Das Bilderlexikon
der christlichen Symbole

Eckhard Bieger, St. Benno Verlag 2011, 9,95 Euro

Das Buch ist zwar noch immer genauso opulent bebildert wie der Hardcover-Band, aber ein wenig transportabler, wenn man es denn wirklich mitnehmen will auf Erkundungstour. Und brauchen wird man es hin und wieder. Die Kirchgemeinden veröffentlichen zwar gern hin und wieder informationsreiche Broschüren über ihr Gotteshaus – aber sie erwähnen all die Dinge, die sie für selbstverständlich halten, fast nie. Wenn der zufällige oder gar von der Bibel nie berührte Gast dann in so ein Haus kommt, staunt er zwar, versteht aber wenig. Da braucht es entweder einen klugen Führer vor Ort – oder so ein Buch. Und wenn er mit dem Buch erst einmal angefangen hat, sich die ganze Bilderwelt zu erschließen, dann geht der Staunende klüger raus und neugieriger auf seine Reisen.


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