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Neue Studie bestätigt: Wälder mit hoher Baumvielfalt sind produktiver und widerstandsfähiger

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    Wälder in den Tropen funktionieren nicht anders als deutsche Wälder. Aber eine Meldung der Universität Freiburg macht jetzt deutlich, wie seltsam deutsche Forscher ticken, denn sie fahren zur Erforschung der Artenvielfalt von Wäldern lieber in den Regenwald, als sich in deutschen Wäldern mit grimmigen Forstverwaltungen anzulegen. Was nichts an der wieder einmal bestätigten Erkenntnis ändert: Wälder mit einer hohen Artenvielfalt sind produktiver und stabiler gegenüber Stress als solche, die gleichförmig zusammengesetzt sind.

    Diesen Befund haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Freiburg und des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) anhand von Daten aus dem weltweit ältesten Freilandexperiment zur Diversität tropischer Baumarten bestätigt. Das Team um den Doktoranden Florian Schnabel hat seine Ergebnisse im Fachjournal „Global Change Biology“ veröffentlicht.

    Wie die Forscherinnen und Forscher ausführen, gibt es für den von ihnen beschriebenen Zusammenhang mehr und mehr wissenschaftliche Belege. Jedoch nutzten die meisten der bisherigen Studien zum Zusammenhang von Baumartenvielfalt und Ökosystemfunktionen entweder Daten aus Wäldern, in denen der Einfluss des Artenreichtums nicht von anderen Faktoren getrennt werden kann, oder aus jungen, gepflanzten Experimenten, die keine Aussagen über längere Zeiträume zulassen.

    Ein ziemlich klares Eingeständnis, dass die Biodiversitätsforschung in deutschen Wäldern über Jahrzehnte praktisch nicht stattfand, obwohl es auch hier genug Wälder gibt, die solche langjährigen Forschungsreihen möglich gemacht hätten – ja, wären da nicht die Forstverwaltungen, die selbst in geschützten Wäldern meinen, unbedingt Forstwirtschaft betreiben zu müssen. Gern beklebt mit dem falschen Label „Wegen der Artenvielfalt“.

    Deshalb wertete das Forschungsteam Daten aus dem 2001 in Panama gestarteten Sardinilla-Experiment aus. Es umfasst 22 Felder, die mit einer, zwei, drei oder fünf einheimischen Baumarten bepflanzt sind. Da diese zudem unterschiedlich schnell wachsen, weisen die Felder mit einer höheren Artenvielfalt zugleich eine größere strukturelle Vielfalt hinsichtlich der Höhe und Dicke der Bäume auf. Die ausgewerteten Jahresdaten zu Umfang und Höhe der Bäume, die als Indikatoren für die Produktivität und Stabilität des Ökosystems gelten, stammen aus dem Zeitraum von 2006 bis 2016.

    Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Mischbestände mit zwei und drei Baumarten eine um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent, diejenigen mit fünf Arten sogar eine um durchschnittlich 50 Prozent höhere Produktivität aufweisen als Monokulturen.

    Besonders stark waren die Unterschiede während einer starken, von dem tropischen Klimaphänomen El Niño verursachten Trockenperiode. Dies deutet darauf hin, dass Wälder mit höherer Baumdiversität nicht nur produktiver, sondern auch stabiler und widerstandsfähiger gegenüber Trockenstress sind – was besonders vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels für die Forschenden eine wichtige Erkenntnis darstellt.

    Vor dem Hintergrund von Initiativen, die darauf abzielen, mit großflächigen Aufforstungen atmosphärisches CO2 zu reduzieren, zeigen diese Ergebnisse: Mit Mischbeständen würde für die gleiche Menge CO2-Speicherung in Biomasse deutlich weniger Fläche benötigt werden.

    Dem Team zufolge bieten die Ergebnisse neue Einblicke in die Dynamik tropischer Baumplantagen und unterstreichen die Bedeutung von Analysen, die einen längeren Entwicklungszeitraum betrachten, da sie zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Diversität, Produktivität und Stabilität von Ökosystemen beitragen.

    Die Studie basiert auf Florian Schnabels Masterarbeit, für die er bei der Eröffnung des Akademischen Jahres 2019/20 im Oktober den Hansjürg-Steinlin-Preis, einen Nachwuchsförderpreis der Universität Freiburg, erhalten wird. Florian Schnabel ist mittlerweile als Doktorand im Projekt TreeDì am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig tätig. Auf der iDiv Conference 2018 wurde er mit dem Preis für den besten wissenschaftlichen Vortrag ausgezeichnet.

    Originalpublikation: Schnabel, F., Schwarz, J., Dănescu, A., Fichtner, A., Nock, C., Bauhus, J., Potvin, C. (2019): Drivers of productivity and its temporal stability in a tropical tree diversity experiment. Global Change Biology. DOI: 10.1111/gcb.14792

    Wie eine Lobby aus Forstwirten und Waldbesitzern die Gesundung der deutschen Wälder verhindert

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