Als Leipzig vor 800 Jahren einmal kurz im Mittelpunkt der deutschen Reichsgeschichte stand

Ach, hätten sie doch nur alles aufgeschrieben, auf schönem haltbarem Pergament, in sauberer Kanzleischrift. Aber sie haben nicht. Deswegen geistern diese Jahre 1215 und 1216 seltsam diffus durch die Leipziger Geschichte. Auch als Jubiläum. 800 Jahre Errichtung der Pleißenburg könnte man doch in diesem Jahr feiern, schlägt die LTM vor. Denn 1217 ließ Markgraf Dietrich drei Burgen bauen. Mitten in der Stadt Leipzig.

Auch wenn der entsprechende Abschnitt in den Pegauer Annalen erst 20 Jahre später niedergeschrieben wurde. Trotzdem sind sie bis heute die einzige Quelle, die über diesen Moment in der Leipziger Geschichte berichten, als die Bürger dieser Stadt sich möglicherweise anschickten, die Stadt in die Hände von Kaiser Otto IV. zu bringen. Kurzzeitig schien Dietrich, Markgraf von Meißen, die Herrschaft über die Mark Meißen zu entgleiten, die er erst 1199 für die Wettiner zurückerworben hatte.

Aber er wurde später nicht ohne Grund der Bedrängte genannt. Nicht einmal so sehr, weil die Leipziger rebellierten und die Stadt für zwei Jahre seiner Gewalt entzogen. Ein Bürgeraufstand, der wahrscheinlich nicht das war, was die bisherige Leipziger Stadtgeschichte so erzählt. Auch 2012 wurde das Märchen wieder so hervorgeholt. Die Leipziger hätten sich dermaßen geärgert, dass Dietrich in der Stadt das Thomaskloster gestiftet hatte, dass sie das Baumaterial von der Baustelle stahlen und später auch noch gegen Dietrich rebellierten.

Eine Geschichte, die schon seit dem 15. Jahrhundert (erstmals in der „Meißner Chronik“) so erzählt wurde und die so nicht stimmen kann, wie Enno Bünz feststellt. Er hat die Geschichte trotzdem als Beitrag für den Band „Unruhiges Leipzig“ geschrieben und den Bürgeraufstand dort auseinanderklamüsert.

Aber die Sicht aus dem 21. Jahrhundert trügt. So rebellisch war das Leipziger Volk 1215 wohl nicht. Nur die Zeiten waren durchwachsen. Und über Deutschland tobte der Kampf zwischen zwei Kaisern – den Welfen und den Staufern. Wenn man diese Geschichte erzählt, ändert sich die Perspektive. Dann ist Leipzig für einen Moment mitten im Fokus der reichweiten Ereignisse und wird zum Zankapfel. Immerhin tobte der Streit, den die deutschen Kurfürsten selbst verursacht hatten, als sie sich nicht auf einen Kaiser einigen konnten, schon seit Jahren. Und völlig unklar war, wer am Ende die Oberhand behalten würde – Otto IV. aus dem Geschlecht der Welfen, zu dem sich Dietrich lange gehalten hatte, oder Friedrich II., der junge Staufer.

Im Nachhinein weiß man ja, wer der Sieger blieb. Aber 1215, da steckte die Markgrafschaft Meißen mittendrin in diesem Streit. Der Raum um Chemnitz und Altenburg war kaiserliches Hinterland. Der Kampf um den Einfluss der Kaiser aus dem Haus der Welfen war noch längst nicht entschieden. Wer wird künftig herrschen im Pleißenland?

Dietrich war zwar einer der mächtigsten Herrscher im Reich, aber der Streit schien auch seine Untertanen zu entzweien. Nicht nur Kaiser Otto versuchte, Dietrich zu schwächen und ihm Land abzugewinnen, auch Kardinal Albrecht aus Magdeburg versuchte in diesen streitbaren Zeiten, seinen Einfluss auszuweiten. Taucha gehörte ihm schon. Und er griff zum beliebtesten Mittel geistlicher Herrscher der Zeit, um den Gegner zu schwächen: Er exkommunizierte Dietrich. Möglicherweise unter falschem Vorwand.

Die Historiker haben nur den Zusatz in den Pegauer Annalen, der überhaupt einen Eindruck davon gibt, was damals in Leipzig passiert sein muss. Immerhin einer Städtegründung der Wettiner. Da war es schon ein Affront, dass sie es schafften, den eigenen Landesherrn zwei Jahre lang auszusperren.

Aber manche Formulierung in den Pegauer Annalen deutet darauf hin, dass die markgräflichen Dienstmannen, die Ministerialen, eine wesentliche Rolle in dieser Geschichte spielten und eine Art Leipziger Bruderschaft, die sich als frühe Leipziger Oberschicht begriff, vor allem getragen vom frühen Adel. Und der schien in diesem unsicheren Moment der Geschichte die große Chance zu wittern, Leipzig nicht nur einem anderen Herren anzudienen sondern vielleicht sogar mehr Rechte herauszuschlagen. Andere Städte hatten es längst zu Reichsstädten gebracht. War das das Ziel?

Das weiß niemand. Es gibt keine weiteren Akten für diesen Moment der Geschichte, der im Herbst 1216 damit endete, dass Dietrich mit einem Trick doch noch mit seinen Mannen in die Stadt kam. Er scheint die Alarmglocke der Stadt lahmgelegt zu haben und etliche seiner Leute scheinen schon in die Stadt gelangt zu sein, so dass die Gegenwehr der „Leipziger“ nicht mehr zustande kam.

Schon das ein Moment, der darauf hindeutet, dass es wohl nicht die Leipziger Bürger gewesen waren, die hier rebelliert hatten, sondern die Ministerialen und ihre Anhänger, die ihren Moment gekommen glaubten, als im Dezember 1215 ein Mordanschlag auf Dietrich verübt wurde. Es riecht geradezu nach dem Stoff einer missglückten Intrige, in der die städtischen Adligen versuchten, mit mehreren streitbaren Parteien ihren Deal zu machen.

Das hätte schiefgehen können. Und Leipzig wäre eine Stadt im Bistum Magdeburg geworden. Oder eine Reichsstadt, die immer auf das Wohlwollen der Kaiser angewiesen gewesen wäre.

Man darf ja nicht vergessen, dass es die Wettiner waren, die Leipzig erst zur prosperierenden Messestadt machten. Hätte Leipzig diese Rolle auch in anderen Abhängigkeiten bekommen?

Das ist eine völlig offene Frage. Denn auch das Stadtrecht hatten sie 50 Jahre zuvor von den Wettinern bekommen. Die hatten die – möglicherweise planmäßig angelegte – neue Stadt gegründet. Und als die Leipziger im Herbst 1216 kurzzeitig die Oberhand hatten, ließen sie sich auch alle schon von Markgraf Otto dem Reichen gewährten Rechte bestätigen. Davon erzählt ja der seltsame Stadtbrief, der irgendwie wie ein späteres, eiligst hingeschriebenes Duplikat wirkt.

Was auch noch etwas anderes erzählt, was bei der „Bürgeraufstand“-Geschichte nicht passt: Dass es nicht die einfachen Leipziger, die Bauern und Handwerker waren, die da rebellierten, sondern die Reichen und gut Bewaffneten der Stadt, die mit dem Landesherrn zumindest fast auf Augenhöhe verhandeln konnten. Er war noch auf die Unterstützung seines niederen Adels angewiesen. Der aber durchaus eigene Interessen verfolgte. Die Pegauer Annalen erzählen nicht wirklich von einem Aufstand, sondern von einer „mächtigen Verschwörung“, damit eigentlich von einer Verschwörung der Mächtigen. Denn die Frage, zu welcher Partei sich Dietrich hielt, der durchaus bereit war, seine Macht auch mit Truppen in die Waagschale zu werfen, konnte durchaus darüber entscheiden, welcher der beiden rivalisierenden Kaiser nun am Ende gewinnen würde. Die Leipziger Ministerialen jedenfalls schlossen sich der Verschwörung an, die Dietrich töten wollte und Leipzig in die Hände des welfischen Kaisers Otto gebracht hätte.

Der Mordanschlag ging schief. Der „Seitenwechsel“ Leipzigs ging auch schief. Am Ende erschien Dietrich zusammen mit dem jungen staufischen Kaiser Friedrich II. vor der Stadt. Und Enno Bünz hat Recht, wenn er die Erzählung in den Pegauer Annalen für etwas abenteuerlich hält.

Aber die Geschichte vom „Bürgeraufstand“, die später draus geworden ist, ist wohl noch abenteuerlicher.

Wahr ist, dass mit Dietrich auch Friedrich II. in die Stadt einzog. Dietrich ließ augenscheinlich die damaligen Stadtmauern niederreißen. Was eh eine Geschichte ist, die Rätsel aufgibt. Denn: Standen die schon da, wo sie später wieder aufgebaut werden sollten? Oder war es eine viel kleinere Stadt, die Dietrich sich zurückgeholt hat?

Auf keinen Fall scheint das Thomaskloster der Grund für die Rebellion gewesen zu sein, gerade weil es nicht gleich 1212 – mit Stiftung durch Dietrich – gebaut wurde, sondern frühestens ab 1215/1216, denn dass es erst 1217 bezogen wurde, belegt zumindest andeutungsweise auch die Geschichte des berühmten Minnesängers Heinrich von Morungen, selbst einst Ministerialbeamter Dietrichs von Meißen und ab 1213 in Leipzig wohnhaft. Aber ins Thomaskloster trat er wohl erst 1217 ein, als Laienbruder. Eine Tafel auf der Westseite der Thomaskirche erzählt davon noch. Bis 1221 ist seine Anwesenheit in Leipzig belegt, nach 1222 muss er hier gestorben sein.

Auch im ersten Band der großen, vierbändigen „Geschichte der Stadt Leipzig“ geht Enno Bünz auf dieses Kapitel ein, das Leipzig mitten hineinrückt in den heftigen Streit zwischen Welfen und Staufern und danach wie einen kostbaren Augapfel erscheinen lässt. Denn waren die drei Burgen, die Dietrich in der Stadt errichten ließ, nun eigentlich gegen die Bürger gerichtet, wie immer erzählt wird? Oder sicherte hier der Landesherr seine Macht über die wichtigste Stadtgründung in seinem Reich?

Und zwar gegen Otto IV. – zum Beispiel.

Von den drei Burgen, die er – wahrscheinlich ziemlich eilig und provisorisch – bauen ließ, verfestigte sich später nur eine Burg dauerhaft: die am Südwestende der Stadt, die später aus Stein gebaut wurde, zuletzt noch zum Renaissanceschloss umgebaut wurde, bevor sie dem Bau der Festung Pleißenburg weichen musste.

An den anderen beiden Burgstandorten siedelte der Landesherr schon 20 Jahre später Mönche an – Franziskaner und Dominikaner. Sozusagen friedliche Burgen des Glaubens in einer Stadt, die sich in den nächsten Jahrhunderten zum großen Handelsplatz mauserte. Die Spuren der Burg, die Dietrich 1217 bauen ließ, sind heute genauso verschwunden wie die der späteren Pleißenburg. Heute steht das Neue Rathaus dort.

Und dass man es nicht mit einem Bürgeraufstand im heutigen Sinn zu tun hatte, wird dadurch deutlich, dass Dietrich seine Macht über Leipzig erst dadurch wieder festigen konnte, dass er den Aufständischen ihre alten Privilegien zusicherte – wozu nicht nur die alten Stadtrechte gehörten, sondern auch die Sonderrechte der Grundherrschaft. Er brauchte seine Ministerialen. Sie waren die Basis seiner Herrschaft. Und Bünz stellt die nur zu berechtigte Frage: „Betrieben die Leipziger damals womöglich eine Schaukelpolitik?“

Am Ende sahen wohl auch die Leipziger Verschwörer ein, dass sie mit Otto auf das falsche Pferd gesetzt hatten. Dessen Stern war seit 1214 im Sinken, schreibt Bünz. Um Friedrich II. scharten sich immer mehr Mächtige. Bis auf wenige Steinmauern ist diese Epoche fast völlig aus dem Leipziger Stadtbild getilgt. Selbst das Grab Heinrichs von Morungen ist verschwunden. 35 seiner Lieder haben überdauert. Aber sie wirken, wenn man Leipzig heute so betrachtet, recht fremd. Auch weil das Leipzig, in dem der Minnesänger seine letzten Lebensjahre verbrachte, heute so gründlich verschwunden ist.

In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

StadtgeschichteHeinrich von Morungen
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

17. Mitteldeutsches Kurzfilmfestival KURZSUECHTIG wird vom 19. – 23. August nachgeholt
Kurzsuechtig Festival: Insgesamt 31 Filme laufen von Mittwoch bis Samstag jeweils ab 19.30 Uhr im Wettbewerb des KURZSUECHTIG Kurzfilmfestivals im Leipziger Felsenkeller. Quelle: „Kurzsuechtig“

Quelle: „Kurzsuechtig“

Film ab für das Mitteldeutsche Kurzfilmfestival KURZSUECHTIG: Vom 19. – 23. August zeigt das Festival im Leipziger Felsenkeller und im Luru-Sommerkino die besten Kurzfilme aus Mitteldeutschland in den Kategorien Animation, Dokumentation, Fiktion, Experimental sowie Filmmusik & Sounddesign.
Grüne und Linke vermissen in den Plänen zum Bahnbogen Leutzsch fast alles, was eine Stadt zum Leben braucht
Blick von der Georg-Schwarz-Brücke über den Nordteil des Plangebietes. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBisher machte dieses Eckchen Land zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg nur Schlagzeilen mit den heiß umstrittenen Plänen für die Georg-Schwarz-Brücken, die die Stadt in den nächsten Jahren komplett erneuern muss. Da ging glattweg unter, dass links und rechts dieser Brücken ein ganzes Stadtgebiet all die Jahre wild vor sich hingewuchert ist. Jetzt hat das Dezernat Stadtentwicklung und Bau einen Bebauungsplan „Bahnbogen Leutzsch“ vorgelegt, der bei zwei Ratsfraktionen auf allerhöchstes Interesse stößt.
Autobesitz in Leipzig nimmt nicht ab und Radfahrer haben ihre eigene Meinung über die Radverkehrspolitik
Die Verkehrsmittelwahl der Leipziger/-innen zu unterschiedlichen Wegen. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserBeim Verband der Automobilindustrie (VDA) hofft man noch. Nach dem Einbruch wegen des Corona-Shutdowns würden die deutschen Autoverkäufe zwar gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgehen. Aber vielleicht werden zum Jahresende ja doch noch 2,8 Millionen neue Autos verkauft, seufzt der Verband in einem „Zeit“-Beitrag. Aber auch der VDIK meldet: „Der deutsche Pkw-Markt hat im ersten Halbjahr 2020 infolge der Coronakrise ein Minus von 35 Prozent verzeichnet.“ Auch der Juni brachte keine Entspannung.
Staatsregierung gibt alle Nase lang andere Zahlen zum Bedarf an Sozialwohnungen in Leipzig heraus
Ein Baukran in Leipzig - aber noch nicht für sozialen Wohnungsbau. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Zahlen können nicht stimmen. Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag fragt zwar regelmäßig die Bedarfe der sächsischen Kommunen an Sozialwohnungen bei der Staatsregierung ab, aber die gibt jedes Mal völlig andere Auskünfte. Mal sind es 4.437 Sozialwohnungen, die in Leipzig fehlen, mal 10.353, nun wieder 7.758 in der Antwort auf eine Grünen-Anfrage. Kein Wunder, dass die Linke mit ihren Anträgen bisher gegen Mauern rennt.
Nadine Stitterich und Peter Bär fordern Amtsinhaber Jens Spiske heraus
Nadine Stitterich. Foto: Alexander Sens

Foto: Alexander Sens

Für alle LeserEs war auf jeden Fall ein mutiger Schritt, als Nadine Stitterich im Mai als unabhängige und parteilose Bürgermeisterkandidatin ihren Hut in den Ring warf und am 20. September versuchen will, Amtsinhaber Jens Spiske zu besiegen. Oder doch Peter Bär von der CDU? Fällt Markranstädt doch wieder zurück an die CDU, die Jens Spiske 2012 mit breiter Unterstützung aus dem Feld geschlagen hat?
Sind Fleischesser extrovertiert, weil das in ihrer Natur liegt? Oder brauchen sie mehr Beifall für ihr Essverhalten?
Es ist nicht alles Wurst ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMitte Juni gab das Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften die Ergebnisse einer Studie bekannt, die zumindest nachdenklich macht: „Vegetarier sind schlanker und weniger extrovertiert als Fleischesser“ war sie betitelt. Je weniger tierische Produkte man zu sich nimmt, desto geringer der Body-Mass-Index und desto weniger neigt man zu Extrovertiertheit, meinten die Studienautoren. Aber vielleicht ist es ja andersherum?
Gastkommentar von Christian Wolff: „Die Basis bröckelt leise“ – Anmerkungen zu den Kirchenaustritten
Die Säule der mitteleuropäischen Kultur – das Christentum. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEigentlich hätte eine Schockwelle zumindest durch die Kirchen gehen müssen, als vor wenigen Tagen die neuesten Zahlen zur Mitgliedschaft in der evangelischen und katholischen Kirche veröffentlicht wurden: 2019 haben 273.000 Menschen die katholische und 270.000 Menschen die evangelische Kirche verlassen, zusammen über eine halbe Millionen Menschen. Damit gehören nur noch knapp über 50 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an.
„Planmäßiger“ Kohleausstieg bis 2038 oder doch ein völlig anderes Szenario?
Landschaftsidylle Braunkohletagebau mit Kraftwerk Lippendorf. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserWährend die Politiker sich selbst auf die Schultern klopften, demonstrierte draußen „Fridays for Future“. Nur wenige Stunden nach dem Deutschen Bundestag stimmte am Freitag, 3. Juli, der Bundesrat dem Kohleausstiegsgesetz und dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen zu. Somit sind die Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus der Kohleverstromung geschaffen worden, freute sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Und liegt wohl ziemlich daneben.
Alle Sting-Konzerte in Deutschland und der Schweiz auf 2021 verschoben
Sting © Martin Kierszenbaum

© Martin Kierszenbaum

Nach den bereits zuvor angekündigten Terminverschiebungen der „My-Songs“-Tour von Sting sind jetzt auch die für Oktober 2020 vorgesehenen Konzerte in Deutschland und der Schweiz in den Herbst 2021 verlegt worden. Dies ist auf die Fortdauer der Verbote von Großveranstaltungen zurückzuführen. Die Auftritte in Leipzig, Oberhausen, Hamburg und Zürich finden jetzt zwischen dem 6. und dem 15. Oktober 2021 statt.
Kino der Jugend: Konzeptverfahren für künftiges Kulturzentrum startet endlich
Die IG Fortuna demonstrierte 2016 vor der Ratsversammlung für ihr Anliegen. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserVielleicht bekommen die Leipziger/-innen ja alle irgendwann die Medaille in Gold für geduldiges Abwarten. Es gibt kaum einen wichtigen Beschluss im Stadtrat, der wirklich schnell umgesetzt wurde. Jede Umsetzung dauert Jahre. Meist weil es an Planungspersonal fehlt oder an Geld. Auch beim „Kino der Jugend“ in Volkmarsdorf dauerte es vier Jahre bis zum nächsten Schritt, den am Freitag, 3. Juli, das Liegenschaftsamt bekannt gab.
In der Leipziger Stadtgeschichte fehlt nach wie vor das Kapitel Kolonialismus
Bilderschmuck an der Stadtbibliothek: Exotischer Blick auf "primitive" Völker. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit der Diskussion um den Leipziger Zoogründer Ernst Pinkert hat die Debatte um die koloniale Vergangenheit Leipzigs endlich eine Stufe der Aufmerksamkeit erreicht, auf der sich auch Stadt und Stadtrat nicht mehr wegducken können. Nicht weil nun ausgerechnet Pinkert einer der herausragenden Vertreter des Kolonialismus war. Aber dass ausgerechnet er nun im Mittelpunkt der Debatte steht, zeigt ja nur zu deutlich, dass die eigentliche koloniale Vergangenheit Leipzigs nach wie vor im Dunkeln liegt.
Stadtbezirksbeitrat beantragt die Änderung der Verkehrsorganisation trotzdem noch 2020
Plandarstellung des umgestalteten Lindenauer Marktes. Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserIm Schatten des für September geplanten EU-China-Gipfels in Leipzig hatte die Stadt einige Pläne storniert, die eigentlich zwingend umgesetzt werden sollten. Dazu gehört auch die schon 2017 vom Stadtrat beauftragte Umgestaltung des Lindenauer Marktes. Die Geschichte kocht seit 2015 und im Stadtbezirksbeirat Alt-West fragt man sich jetzt zu Recht, warum die Stadt nach Absage des Gipfels am Lindenauer Markt vor 2021 trotzdem nichts tut.
Auch hinter dem neuen Verfassungsschutz-Skandal steckt augenscheinlich organisierte Schlamperei
Welche Politiker beobachtet der Verfassungsschutz in Sachsen? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Zweifel bleibt, auch nachdem Sachsens Innenminister Dr. Roland Wöller (CDU) am Donnerstag, 2. Juli, im Innenausschuss des Sächsischen Landtages den neuen Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz vorgestellt hat und auch Stellung nahm zu den Vorwürfen, dieser habe von seinem Vorgänger zu Unrecht die Löschung der Daten von AfD-Abgeordneten verlangt. Nach der Sitzung freilich stand nicht mehr das Ob im Fokus, sondern die alte Frage nach dem schlampigen Wie.
Turnfest-Geschäftsführerin Kati Brenner: „Wir sind gerade dabei, etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen.“
Die Stadiongala, wie hier in Berlin, wird auch 2021 in Leipzig ein absolutes Highlight des Turnfestes sein. Foto: DTB, Volker Minkus

Foto: DTB, Volker Minkus

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 80, seit 26. Juni im HandelDas Turnen hat Kati Brenner bereits von klein auf begleitet. Lange Zeit war die gebürtige Rostockerin dabei selbst leistungssportlich aktiv – zunächst im Gerätturnen, später dann in der Sportakrobatik. Als Schülerin machte sie 1983 in Leipzig erstmals selbst bei einem Turnfest mit. „Wer einmal an einem Turnfest teilgenommen hat, will meist auch wieder dabei sein“, versichert sie im Interview mit der LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) und sollte einige Jahre später enger mit dem alle vier Jahre stattfindenden Spektakel verbunden sein als je zuvor.
It is like it is: Corona-Mahnmal auf dem Augustusplatz
Ein Mahnmal zur Coronakrise vor dem Leipziger Gewandhaus. Foto: Pia Benthin

Foto: Pia Benthin

Für alle LeserAus der Ferne wirkt es ein wenig als sei der Augustusplatz an diesem Freitag einfach nur voller Menschen. Es könnte eine Demo sein, vielleicht Fridays for Future? Aber dafür ist die Masse sehr rot-weiß angezogen. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass es sich hierbei auch nicht um Menschen handelt, sondern um Schaufensterpuppen. Genauer gesagt 111 Stück umwickelt mit rot-weißem Absperrband.