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Wovon Leipziger träumen: Ein altes Raunen unter Marias Herzen

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    Ich sitze an meinem Küchentisch. Auf dem Herd das Essen für den heutigen Festtag. Draußen detonieren die Feuerwerkskörper - die Artillerie für den kleinen Mann und die kleine Frau. Auf MDR Figaro überträgt man Beethovens Neunte. Immer wieder rühre ich den Inhalt des Kessels um. Immer wieder stehe ich auf und setzte mich hin. Und immer wieder finde ich mich im Grübeln wieder.

    Es ist ein Grübeln über einen Traum, den ich noch nicht geträumt habe. Vielmehr ist es ein Träumen über noch nicht klar Geschautes, Vages, von alledem, was schattenhaft an mir vorbei sich wagt, ich es aber nur schwer halten kann. All die Assoziationen, die wilden Bilder, deren Stöße andrängen, wollen traumgedeutet und verstanden werden, um aus dem Konvolut des noch nicht Festgestellten ein scharfes Bild zu komponieren.

    Da ist zum einen die Frage, die mich die gesamte Adventszeit bedrückend nicht zur Ruhe kommen ließ: Was trug Maria wirklich unter ihrem Herzen, als sie durch den Dornenwald ging? Das besungene Kindlein ohne Schmerzen wird es kaum gewesen sein können. Denn schmerzvoll ist das Lied und viel schmerzvoller Leben und Sterben dieses geheiligten Kindes, das immer wieder aufs Neue geopfert wird.

    Aber dennoch ist da ein Vermuten, ein altes Raunen, das uns allen etwas zuflüstern will – jenseits von Gut und Böse. Vielleicht ist es die eine große Botschaft der letzten Versöhnung, die alle schlimmen Botschaften beendet. Vielleicht zeigt sich in dieser Frage nach dem Verdeckten und noch nicht Gelichteten, dass unter Marias Herz immer noch schlummert, das, was uns alle verbindet, das was uns zu Beziehung und Wärme treibt – das, was uns nicht trennt, aber auch nicht gleich macht, das, was uns ohne Angst verschieden sein lässt. Das ist mein Traum, mein Wunsch von größter Dringlichkeit.

    Die Soße im Kessel ist fast fertig, das Thema des Schlusschores wird immer deutlicher, schraubt sich zum Licht der Verständlichkeit, sackt immer auch wieder ab ins Dunkel der Vermutung und fährt wieder auf. Der Gesang beginnt. Hören Sie selbst. Ich schweige.

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