Wahrscheinlich lernen es Sachsens Kultusminister nicht mehr: Obwohl im ganzen Land die Lehrer fehlen, schaffen sie es dennoch Jahr für Jahr, Hunderte junge Referendare zu vergrämen. Man behandelt die Bewerber wie Schachfiguren und macht damit auch deutlich, wie wenig man in Dresdner Amtsstuben von Bildung hält. Die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen kritisiert nun scharf den Umgang des Kultusministeriums mit angehenden Lehrkräften im neuen Schulhalbjahr.

Anlass für die Kritik war unter anderem ein Beitrag des MDR, der sichtbar machte, wie die neue Verteilungspraxis des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB) dazu führt, dass viele Absolvent/-innen des Referendariats nicht in den sächsischen Schuldienst eintreten. In einem Offenen Brief machten die angehenden Lehrkräfte ihrem Frust gegenüber Kultusminister Conrad Clemens und LaSuB-Präsident Patrick Schreiber Luft.

Am Montag, dem 23. Februar, sollten sie eigentlich ihr Referendariat beginnen. Nur halt oft an völlig anderen Schulen als denen, für die sie sich beworben hatten. Und das auch noch ohne Nachteilsausgleich.

Offener Brief an den Kultusminister und Präsidenten des LASUB.

„Es ist fatal, dass angehende Lehrkräfte, die wir so dringend benötigen, im Stich gelassen werden“, kommentiert Burkhard Naumann, Landesvorsitzender der GEW Sachsen, diesen Vorgang. „Während mit aller Kraft versucht wird, Lehramtsabsolventen von ihrer Ausbildungsschule zu vertreiben, fühlt sich ein Teil der neuen Referendarinnen und Referendare zurecht betrogen. Dies betrifft ausgerechnet diejenigen, die sich gezielt für den ländlichen Raum entschieden haben.“

Rotstift bei der Landprämie

Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst erhalten in Sachsen einen Anwärtergrundbetrag von 1.795,10 Euro monatlich (brutto). Um junge Lehrkräfte dazu zu bewegen, ein Referendariat außerhalb der Städte Dresden und Leipzig aufzunehmen und anschließend dort zu verbleiben, zahlt der Freistaat Sachsen seit vielen Jahren einen Anwärtersonderzuschlag – auch Landprämie genannt – während des Referendariats in Höhe von 1.250 Euro brutto im Monat.

Während des laufenden Bewerbungsverfahrens wurde unerwartet bekannt gegeben, dass der Zuschlag für Grundschullehramt – mit der Ausnahme der Region Bautzen – ab sofort gestrichen wird. Im ihrem Offenen Brief kritisieren die Betroffenen diese Entscheidung deutlich.

„Neben der finanziellen wie persönlichen Belastung, welche durch den Wegfall entstanden ist, schaffen der Zeitpunkt sowie die Kommunikation Miss- statt Vertrauen“, heißt es im Brief.

Und: „Die Streichung wurde erst mit der Zuteilung an ländliche Grundschulen kommuniziert, also nachdem Bewerbungen und Schulwünsche bereits eingereicht waren und persönliche Fakten (z. B. Umzüge) geschaffen wurden. Dadurch fühlen wir uns in unserem Vertrauen in die Verlässlichkeit der staatlichen Rahmenbedingungen erschüttert. Wer sich auf Grundlage offizieller Informationen für eine Region und eine Schule entscheidet, muss sich darauf verlassen können, dass diese Bedingungen nicht unmittelbar im Anschluss und ohne Übergangsregelung zu seinem Nachteil verändert werden.“

Naumann findet die Kritik der angehenden Lehrerinnen und Lehrer nur zu berechtigt: „Die angehenden Grundschullehrkräfte erhalten 40 Prozent weniger Geld, als ihnen zum Zeitpunkt der Bewerbung versprochen wurde. Das grenzt an Betrug. Anstatt die dringend notwendigen Junglehrkräfte zu umwerben, stößt das Kultusministerium sie noch vor Berufsbeginn vor den Kopf. Dabei ist der Zuschlag dringend nötig, um weite Pendelwege oder einen Umzug zu finanzieren.

Die Annahme, die personelle Lage an den Schulen hätte sich entspannt, ist dabei vollkommen falsch. Auch an Grundschulen gibt es weiterhin planmäßigen Unterrichtsausfall und für kurzfristigen Ausfall fehlt Personal. Das Mindeste wäre gewesen, die Streichung langfristig für künftige Jahrgänge anzukündigen und nicht im laufenden Verfahren die Spielregeln zu ändern.

Dies zeigt erneut das Muster der aktuellen Kultusspitze, mit Schnellschüssen die Situation zu verschlechtern. Das Vertrauen wird hier weiter verspielt. Schulen und Lehrkräfte benötigen eine verlässliche Planung!“

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