Das Leipziger Wappentier gibt es jetzt sogar als Zwillings-Doppel. Wer es erleben will, muss jedoch einen kleinen Ausflug machen. Zudem: An der Hochschule für Musik und Theater gibt Puccini Tips zur Testamentsverbesserung nach dem Ableben des Erblassers. Doch zunächst hebst sich der Vorhang für das 33. düster-Festival „Wave-Gotik-Treffen“ in Leipzig.
Schöner Erben mit Gesang
Schrille Kleidung und reichlich Musik gibts nicht nur beim Wave-Gotik-Treffen! Die Fachrichtung Klassischer Gesang/Musiktheater der Hochschule für Musik und Theater präsentiert ab heute ihr erlerntes Können mit einem großen Opernprojekt. Studierende führen gemeinsam mit dem Hochschulsinfonieorchester, dem Chor sowie Solistinnen und Solisten der Fachrichtung zwei Opernwerke des frühen 20. Jahrhunderts auf.
Auf dem Programm stehen Giacomo Puccinis „Gianni Schicchi“ in reduzierter Orchesterfassung von Ettore Panizza sowie Ferruccio Busonis „Arlecchino op. 50“. Inszeniert von Prof. Karoline Gruber, musikalische Leitung: Prof. Matthias Foremny. Beide Werke verbindet nicht nur ihre Entstehungszeit, sondern auch der Bezug zu Dantes „Göttlicher Komödie“.
Puccinis komödiantische Kurzoper „Gianni Schicchi“, 1918 in New York uraufgeführt, erzählt von den Angehörigen des verstorbenen Buoso Donati, die nach der Testamentseröffnung feststellen müssen, dass dessen Vermögen vollständig einem Kloster vermacht wurde. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an den gewitzten Gianni Schicchi, der sich als der Verstorbene ausgibt, um das Testament zu ändern. Bekannt wurde das Werk unter anderem durch die Arie „O mio babbino caro“, in der Lauretta ihren Vater unter Druck setzt, damit ihre Hochzeit mit Rinuccio nicht scheitert. Puccinis Oper gilt zudem als Paradebeispiel für turbulente Ensembleszenen.
Auch Busonis Einakter „Arlecchino“ greift Motive aus Dantes Werk auf. Im Mittelpunkt steht der Schneidermeister Matteo, der so vertieft in seine Lektüre der „Göttlichen Komödie“ ist, dass er die Affäre seiner Frau Annunziata mit Arlecchino nicht bemerkt. Dieser schickt Matteo unter einem Vorwand in einen nicht existierenden Krieg, während sich zugleich weitere Verwicklungen und Eifersüchteleien entwickeln. Busonis Oper versteht sich als scharfe Satire auf Egoismus, Krieg und das Theaterleben jener Zeit, die stark vom Ersten Weltkrieg geprägt war. Premiere ist heute um 19 Uhr.
Weitere Vorstellungen folgen am Samstag, 23. Mai, Dienstag, 26. Mai, Mittwoch, 27. Mai, Samstag, 30. Mai, und Sonntag, 31. Mai 2026, jeweils um 19 Uhr im Großen Saal der Hochschule für Musik und Theater (Grassistraße 8). Karten gibt’s für 15 Euro, ermäßigt 11 Euro, für HMT-Studierende 3 Euro. Reservierungen sind telefonisch unter 0341/2144-615 montags bis freitags von 13 bis 15 Uhr sowie online über www.reservix.de möglich. Für die Premiere gibt es nur noch wenige Restkarten.
Leipzig wird in freundliches Schwarz getaucht
Zwar ist es nicht die offizielle Auftaktveranstaltung des Wave-Gotik-Treffens, aber auf jeden Fall der erste große Hingucker! Mit dem Viktorianischen Picknick beginnt sozusagen Leipzigs „schwarzes“ Pfingstwochenende. Los geht’s um 14 Uhr im Clara-Zetkin-Park rund um die Anton-Bruckner-Allee. Ein vorgegebenes Ende gibt’s nicht – darüber entscheiden Stimmung und Wetter. Der Eintritt zum Picknick ist kostenfrei, auch ohne WGT-Bändchen können Interessierte teilnehmen.
Nach Angaben der Veranstalter gibt es vor Ort keine klassische Bewirtung. Teilnehmende sollten daher eigene Speisen und Getränke, Picknickdecken sowie Geschirr und Besteck mitbringen. Gewünscht ist historische oder historisierende Kleidung, darunter viktorianische Mode, neoromantische Gewandungen, Steampunk, Barock, Rokoko, Biedermeier oder Kleidung im Stil des 18. Jahrhunderts. Zudem bittet der Veranstalter darum, Abfälle nach dem Aufenthalt in den bereitgestellten Behältern zu entsorgen.
Das Wave-Gotik-Treffen findet seit 1992 in Leipzig statt und gilt als eines der größten Treffen der schwarzen Szene weltweit. Das Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park hat sich dabei über die Jahre als öffentliches Schaulaufen und beliebtes Fotomotiv etabliert. Aufwendig kostümierte Gäste begegnen dort Spaziergängern, Fotografen und Schaulustigen. Damit gehört der Park zu den Orten des Festivals, an denen WGT und Stadtöffentlichkeit unmittelbar aufeinandertreffen.
Das gesamte Programm gibt es Online. Dort finden sich auch Hinweise darauf, in welchen Einrichtungen es freien Eintritt für Besitzer des Festival-Tickets gibt. Das kostet für vier Tage 190 Euro (exklusive Gebühren fürs Camping). Mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler haben ihre Auftritte angemeldet. Mit Spannung werden Bands wie „DAS ICH“(heute) oder „LACRIMOSA“ (Sonntag) erwartet, die als Pioniere zur Gründergeneration des WGT vor über 30 Jahren gehören.
Der Berg ruft mit Gebrüll
Ebenfalls struppig geht es auch in regionaler Nähe zu. Leipzigs Wappentier gibt’s nämlich jetzt im Doppelpack. Und das im benachbarten Halle und mit französischem Akzent. Aber der Reihe nach…. Seit Mittwoch leben die Berberlöwen-Zwillinge Tio und Kowa im Zoo der Saalestadt. Die 2022 geborenen Brüder kamen aus dem französischen Zoo de La Boissière-du-Doré nach Sachsen-Anhalt. Nach Angaben des Zoos verlief der Transport ohne Probleme, bereits jetzt sind die Tiere für Besucher zu sehen.
In Halle übernehmen Tio und Kowa die Rolle des bisherigen Löwenmännchens Akinda, das Anfang Mai nach Rostock abgegeben wurde, wo es ein neues Rudel aufbauen soll. Die Aufnahme der beiden Junglöwen erfolgt auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Der Bergzoo verfolgt mit dem Neuzugang langfristige Pläne und möchte rund um die beiden Kater eine neue Zuchtgruppe etablieren. Vorgesehen ist, die Brüder künftig mit zwei bis drei Löwinnen zu vergesellschaften. Aus Sicht des Artenschutzes gilt die Ankunft der Tiere als bedeutender Schritt.
Berberlöwen, einst im nordafrikanischen Atlasgebirge heimisch und bekannt für ihre besonders ausgeprägten Mähnen, gelten in freier Wildbahn seit Mitte des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. Verantwortlich dafür waren vor allem intensive Jagd und die Zerstörung ihres Lebensraums. Heute existiert die Unterart nur noch durch koordinierte Zuchtprogramme zoologischer Einrichtungen.
Besucher, die die beiden Brüder bereits jetzt beobachten möchten, wundern sich möglicherweise über die derzeit grün eingefärbten Panorama-Sichtscheiben. Wie Zoo-Sprecher Tom Bernheim telefonisch erklärte, handelt es sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Da die Löwen aus ihrer bisherigen Haltung keine Glasscheiben kannten, soll die ungiftige Farbe verhindern, dass die Tiere während der Eingewöhnung gegen die für sie kaum sichtbaren Scheiben laufen. Nach der Eingewöhnungsphase werde die Farbe wieder entfernt. Kleine Sichtfenster ermöglichen den Besuchern dennoch einen Blick auf die neuen Bewohner. Der Bergzoo in Halle hat täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der letzte Einlaß findet um 17 Uhr statt.

Lizenzhinweis: Titelbild und Beitragsfoto WGT stammen von ERAKU und sind auf Wikimedia Commons zur freien Nutzung lizensiert. Die Aufnahme wurden zur Verwendung auf dieser Seite geringfügig beschnitten, ansonsten jedoch in keiner Weise verändert.
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