Unter dem Motto „Wohnen mit Zukunft – bezahlbar, nachhaltig, sozial gerecht“ lädt die Partei Bündnis 90/Die Grünen für den 30. Mai zur Leipziger Wohnraumkonferenz ein. Die Liste der Referentinnen und Referenten mit Thomas Dienberg, Vicki Felthaus, Prof. Alexander Hagner von gaupenraub Wien, Tanja Korzer vom Netzwerk Leipziger Freiheit und anderen Expertinnen und Experten aus Politik, Architektur, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft klingt spannend.
Was kann man von so einer Konferenz eigentlich erwarten? Wir haben dazu Dr. Tobias Peter, den Vorsitzenden der Grünen Stadtratsfraktion Leipzig und wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion gefragt.
Herr Dr. Peter, das Motto der Konferenz ist „Wohnen mit Zukunft – bezahlbar, nachhaltig, sozial gerecht“, geht das in Zeiten steigender Bodenpreise, Bau- und Energiekosten und der zunehmenden Konzentration des Eigentums an Wohnraum überhaupt, oder ist das eine „grüne Utopie“?
Wohnen ist für die Menschen in Leipzig das Top-Thema, wie die letzte Bürgerumfrage wieder gezeigt hat. Und es ist vor allem eine Gerechtigkeitsfrage: Steigende Mieten, zu wenig Neubau und ein wachsender Bedarf an bezahlbaren Wohnungen treffen auf ökologische Krisen und soziale Spaltung. Wir wollen zeigen, dass eine andere Wohnungspolitik möglich ist – eine, die Klimaschutz, Bezahlbarkeit und soziale Sicherheit vereint. Das ist keine Utopie, sondern dafür gibt es bereits jetzt gute Konzepte, Strategien und Beispiele – die wollen wir zeigen und diskutieren. Die zweifellos schwierigen Rahmenbedingungen sehen wir vor allem als Herausforderung. Steigende Bodenpreise brauchen eine neue Bodenpolitik, beim Bund, aber auch auf kommunaler Ebene. Die Vergabe kommunaler Flächen über Erbbaupacht an Baugruppen ist ein Ansatz, den wir auch in Leipzig verfolgen. Kostengünstiges und zugleich energieeffizientes Bauen bringt nicht nur für Bauende, sondern auch für Mietende handfeste finanzielle Vorteile. Wir wollen Strategien und Konzepte diskutieren, wie das ganz konkret funktionieren kann.
Sie haben Expertinnen und Experten aus Politik, Architektur, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingeladen. In der Konferenz soll über „best practice“-Beispiele berichtet werden. Können Sie einige dieser Beispiele nennen?
Wir finden schon in Leipzig gute Beispiele wie das Hausprojekt Leika in Connewitz. Hier wird klimafreundlich mit Holz gebaut, sehr kostengünstig mit unter 3.000 EUR / qm mit flexiblen Grundrissen. Ein Projekt, welches sozial gebundenen Mietwohnraum bereitstellt, auf den Stadtraum reagiert und öffentliche Räume bereitstellt. Das ist eigentlich alles drin, was innovatives soziales und ökologisches Bauen ausmacht. Als Stadt haben wir das über Konzeptvergabe und Förderung unterstützt. Weitere Beispiele finden wir in der ganzen Republik. Einige davon werden auf der Konferenz unter anderem durch das Architekturbüro gaupenraub oder die Landmarken AG vorgestellt, die für soziale und ökologische Ansätze stehen.
Von außen betrachtet erscheint es fast unmöglich den Wohnraumbedarf abzudecken, gleichzeitig die Klimaziele zu erfüllen und bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Müssen wir uns von lieb gewordenen Besitzständen, wie der durchschnittlichen Wohnfläche pro Kopf von 49,2 Quadratmetern, verabschieden?
Tatsächlich ist die Wohnfläche pro Kopf in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Nicht unbedingt, weil die Wohnungen größer werden, sondern weil Bedarf und Angebot immer öfter nicht zueinander passen. Da sind die älteren Ehepaare, die im größeren Einfamilienhaus verbleiben, aber auch die jungen Familien, die eigentlich in einer viel zu kleinen Wohnung leben, weil sie sich keine größere leisten können. Wir wollen auf der Konferenz über Lösungsansätze diskutieren. Das können neben leichterem Wohnungstausch auch flexiblere und modulare Grundrisse sein, die besser auf unterschiedliche Lebensphasen reagieren. Auch gemeinschaftliches Wohnen, wo Infrastrukturen gemeinsam genutzt werden, können ein Beitrag sein, um nicht nur den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, sondern auch Einsamkeit zu vermeiden. Wir brauchen mehr Beispiele, die auf diese Weise unnötige Versiegelung vermeiden und Zusammenhalt stärken.
Sie werden in der Pressemitteilung zitiert mit: „Wir brauchen mehr gemeinwohlorientierten Wohnungsbau und klare politische Rahmenbedingungen, damit dauerhaft bezahlbare Wohnungen entstehen.“ In Leipzig sind die größten Bauprojekte, bspw. Freiladebahnhof und Bayerischer Bahnhof, in der Hand privater Investoren und Wohnungskonzerne, wie soll der gemeinwohlorientierte Wohnungsbau unter diesen Umständen funktionieren?
Gemeinwohlorientierter Wohnungsbau funktioniert am besten durch Wohnungsbauträger, die nicht vorrangig Gewinne maximieren wollen. Kommunale Unternehmen wie die LWB, die traditionellen Genossenschaften und neue Genossenschaftsmodelle wie die SoWo gehören ebenso dazu wie selbstorganisierte Hausprojekte. Weil bei diesen Trägern vorrangig auf bezahlbare Mieten achten, fördern wir diese als Stadt jetzt schon durch Konzeptvergabe kommunaler Flächen und vorrangige soziale Wohnraumförderung. Aber auch bei privaten Stadtentwicklern können wir durch Bebauungspläne und städtebauliche Verträge dafür sorgen, dass Gemeinwohlziele etwa bei der Grünraumversorgung und bezahlbarem Wohnraum erfüllt werden.
Was erwarten Sie persönlich von der Konferenz?
Ich freue mich auf neue inhaltliche Einblicke und einen spannenden Austausch mit vielen Akteuren und Fachleuten. Gemeinsam können wir eine andere Wohnungspolitik gestalten. Die Konferenz kann dafür einen wichtigen Beitrag leisten.
Vielen Dank Herr Dr. Peter, wir sehen uns dann am 30. Mai.
Da sich Dr. Peter zurzeit nicht in Leipzig aufhält, wurden die Fragen und Antworten per Mail übermittelt.
Wir werden am 30. Mai bei der Konferenz anwesend sein, mit einigen der Expertinnen und Experten sprechen und natürlich darüber berichten. Bei aller Skepsis ist ein Austausch über die Herausforderungen, Ziele und Lösungsmöglichkeiten für die Wohnungsmisere auf jeden Fall wichtig.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:













Keine Kommentare bisher