Gegenüber Investoren haben Initiativen und kleine Baugemeinschaften meist keine Chance: Ihnen fehlen die dicken Finanzpolster und meist auch die juristische Erfahrung. Eigentlich sollte es ihnen leichter gemacht werden, wenn sie in Leipzig Grundstücke und Häuser von der Stadt erwerben und nutzen möchten. Doch die Schwellen waren für viele Interessenten bislang dennoch zu hoch, stellt das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung fest. Die Stadt will deshalb ihre Konzeptverfahren für Wohnungsneubau auf städtischen Grundstücken jetzt vereinfachen und flexibler gestalten.

So sollen die Kriterien, anhand derer die eingereichten Konzepte bewertet werden, an die Grundstücksgröße angepasst werden: Bei kleineren Grundstücken unter 1.000 Quadratmetern könnte dann auf zusätzliche Pflichtkriterien verzichtet werden und es auch möglich sein, diese Flächen zu kaufen anstatt zu pachten. Bisher war hier nur eine Vergabe im Erbbaurecht vorgesehen.

Die entsprechende Neuausrichtung der Konzeptverfahren nach einem Vorschlag von Baubürgermeister Thomas Dienberg hat die Stadtspitze jetzt beschlossen. Der Stadtrat muss noch abschließend über diese Vorlage entscheiden.

Das Instrument Konzeptverfahren

Konzeptverfahren sind ein Instrument der Stadt Leipzig, um Wohnen vielfältig, bezahlbar und zukunftssicher weiterzuentwickeln, erklärt das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung. Kommunale Grundstücke werden dabei nicht aufgrund eines Höchstpreises, sondern anhand verschiedener wohnungspolitischer Ziele und Kriterien an Bauwillige vergeben – etwa nach Sozial- oder Nachhaltigkeitsaspekten, aber auch zur innerstädtischen Eigentumsbildung.

So können innovative Wohn- und Nutzungsmodelle entstehen, etwa für Menschen mit Behinderung, Mehrgenerationenprojekte oder als sogenannte Clusterwohnungen, bei denen Privat- und Gemeinschaftsräume miteinander kombiniert werden.

Baubürgermeister Thomas Dienberg sagt dazu: „An den erfolgreich umgesetzten Beispielen – wie in der Breitschuhstraße oder der Cichoriusstraße – sieht man, welchen Mehrwert diese Konzeptverfahren auch für die Stadtgesellschaft haben: Sie bringen mehr Stabilität und Gemeinschaft in die Nachbarschaften und übernehmen eine Vorreiterrolle beim experimentellen und nachhaltigen Bauen.“

Die Konzeptverfahren sind Teil der Leipziger Strategie, die Wohnraumversorgung der Stadt bedarfsgerechter zu gestalten. Sie werden seit 2018 in Leipzig angewandt und wurden umfangreich evaluiert. Zuletzt war demnach die Bewerberzahl in den Verfahren zurückgegangen, etwa weil die Baufinanzierung schwieriger ist und weniger gefördert wird, aber auch weil zu hohe Anforderungen an die Konzepte gestellt wurden.

Die Neukonzeption soll nun dabei helfen, städtische Grundstücke für den mehrgeschossigen Wohnungsbau in Zukunft wieder erfolgreich veräußern zu können. Weitere Informationen gibt es online unter www.leipzig.de/konzeptverfahren.

Beispiele von Häusern, die über ein Konzeptverfahren entstanden sind, werden am 24. Februar bei der Reihe „Architektur im Film“ vorgestellt. Auch zu den diesjährigen Tagen der Architektur, am 27. und 28. Juni, öffnen mehrere Häuser ihre Türen für die Öffentlichkeit.

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