Die Zahl der frei verfügbaren Wohnungen im preiswerten Segment ist in Leipzig schon seit geraumer Zeit im Promillebereich. Wer dann eine Wohnung in diesem preiswerten Segment sucht, ist dann oft genug auf Angebote der Wohnungsgenossenschaften und der LWB angewiesen. Wo aber die Warteschlangen entsprechend lang sind. Und infrage kommen bei der Zuteilung dieser Wohnungen natürlich zuallererst Haushalte mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS).

Die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat wollte nun im Zusammenhang auch mit ihren Nachfragen zur Wohnkostenlücke wissen, wie viele Wohnberechtigungsscheine eigentlich in Leipzig ausgereicht wurden.

Denn die sogenannte Wohnkostenlücke ist ja nur eine Seite des komplexen Problems. Sie beschreibt das Dilemma, das Bedarfsgemeinschaften haben, wenn ihre Miete deutlich über den von der Stadt berechneten Kosten der Unterkunft (KdU) liegt und das Jobcenter den Mehrbedarf ausgleichen muss.

Gleichzeitig warten tausende Haushalte darauf, in eine preiswertere Wohnung umziehen zu können. Und weil das Haushaltseinkommen so niedrig ist, beantragen sie eben einen Wohnberechtigungsschein.

Steigende Zahl von Anträgen

Und das sind nicht wenige. Im Gegenteil: Die Zahl steigt seit Jahren an, wie das Sozialamt in seiner Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion mitteilt. Seit 2023 stieg die Zahl der Haushalte, die einen WBS beantragt und erhalten haben, von 3.380 auf 3.719 im Jahr 2025. Die meisten davon – wie zu erwarten war – sind Bedarfsgemeinschaften im SGB II und im SGB XII, die im Wesentlichen für den Anstieg verantwortlich sind.

Von 2.390 im Jahr 2023 stieg hier die Zahl der Antragsteller auf 2.842. Ein Anstieg, der deutlich macht, welch ein Druck gerade dort entsteht, wo Haushalte zu Antragstellern im Jobcenter und beim Sozialamt werden. Sie würden wahrscheinlich gern in eine preiswertere Wohnung umziehen, finden aber keine.

Zahl der ausgestellten Wohnberechtigungsscheine in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig
Zahl der ausgestellten Wohnberechtigungsscheine in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig

Die Stadt müsste jedes Jahr 1.500 mietpreisgebundene Wohnungen bauen. Aber mit den verfügbaren Fördergeldern entstehen gerade einmal 500 im Jahr. Viel zu wenig, um den Bedarf an Sozialwohnungen in Leipzig abzudecken.

Und daraus ergeben sich dann auch die Zahlen von mietpreisgebundenen Wohnungen, die durch Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen tatsächlich bezogen werden konnten. 2023 waren es 696, in den Folgejahren dann 404 und 623. Und darunter immer auch Haushalte, die zwar ein eigenes Einkommen haben, aber so wenig verdienen, dass sie ebenfalls ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein haben.

Um die 900 dieser Geringverdiener-Haushalte sind es, die jährlich für einen Wohnberechtigungsschein registriert werden. Knapp ein Viertel von ihnen erhält dann auch statistisch die Chance, eine mietpreisgebundene Wohnung zu bekommen.

Mit WBS bezogene Sozialwohnungen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig
Mit WBS bezogene Sozialwohnungen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig

Und so ganz unbürokratisch läuft es eben nicht, da der Pool verfügbarer Sozialwohnungen schlicht nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Und so kommen die ganz Glücklichen zwar binnen 7 Tagen zu einer Wohnungszuweisung, aber viele Betroffene müssen über ein Jahr warten, bis der Umzug in eine bezahlbare Wohnung möglich wird. Die durchschnittliche Wartezeit liegt zwischen 3,5 und 5 Monaten.

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