Zahlen bitte. So konnte man die Einwohneranfrage von Steffen Voigt verstehen, der nur zu gern gewusst hätte, ob sich die Zahl der Radfahrer konkret auf dem umgestalteten Dittrichring verändert hat. „Seit Einrichtung der beiden Fahrradspuren auf dem Dittrichring und Martin-Luther-Ring sind die Fahrspuren für den Kraftverkehr auf jeweils ein Stück je Fahrtrichtung Süden und Norden reduziert worden“, schrieb er.

Und fragte: „Werden die Nutzerzahlen für Kraftverkehr und Radwegnutzer regelmäßig durch die Stadt Leipzig erfasst?“ Das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) hat ihm auch geantwortet.

„In dem angefragten Bereich stehen keine Dauerzählstellen zur Verfügung, sodass auf Daten aus Einzelzählungen zurückgegriffen wird. Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Fahrradspuren auf dem Dittrichring wurden u.a. in 2022 zwei Zählungen in diesem Bereich durchgeführt, um die unmittelbaren Veränderungen durch die neuen Radverkehrsanlagen zu beobachten“, teilte ihm das MTA mit.

Die Zählungen des MTA zu Radfahrern und Kfz-Verkehr auf dem Dittrichring. Grafik: Stadt Leipzig / MTA
Die Zählungen des MTA zu Radfahrern und Kfz-Verkehr auf dem Dittrichring. Grafik: Stadt Leipzig/MTA

So richtig glücklich dürfte nicht nur Steffen Voigt mit den Zahlen nicht sein, denn von regelmäßigen Zählungen kann hiert eindeutig keine Rede sein. Zahlen für 2023 und 2025 fehlen völlig, obwohl auch die mitgelieferten Zahlen zumindest vermuten lassen, dass sich die Zahl der Radfahrer, die die grünen Radwege nutzen, über die Zeit kontinuierlich erhöht hat. Denn an neue Routen muss man sich erst einmal gewöhnen. Das Wetter spielt auch eine Rolle.

Kfz-Mengen sinken leicht

Und so hat auch das MTA seine Bauchschmerzen mit den eigenen Zahlen: „Die Einrichtung der neuen Radverkehrsanlagen auf dem Dittrichring fiel in den Zeitraum der Corona-Pandemie, die grundsätzlich starken Einfluss auf das Verkehrsgeschehen hatte. Daher ist die Beurteilung der Verkehrsmengenentwicklung in diesem Zeitraum mit viel Vorsicht vorzunehmen.

Der Vergleich der Kfz-Verkehrsmengen von 2016 mit den Werten aus 2024 lässt den Schluss zu, dass diese um ca. 15–20 % zurückgegangen sind. Der Trend gesunkenen Kfz-Verkehrs in diesem Zeitraum lässt sich im gesamten Stadtgebiet beobachten, sodass auch in vielen anderen Straßenräumen Rückgänge zwischen 5% und 25 % zu verzeichnen sind.

Für den Radverkehr kann hingegen eine Steigerung der Nutzung auf dem Dittrichring festgestellt werden. Um dies noch genauer zu beobachten, soll hier in 2026 eine Dauerzählstelle für den Radverkehr installiert werden.“

Wobei die Zahlen allein nicht bestimmen, ob am Ditrichring Radverkehr einen eigenen Bereich bekommt. Denn die Stadt muss hier auch ein Urteil des OVG Bautzen beachten und umsetzen, wie das MTA erklärt: „Im Bereich des Dittrichrings und im Zusammenhang mit der Einrichtung der Fahrradspuren im Jahr 2022 ist zu beachten, dass das Urteil des OVG Bautzen 2018 mit Blick auf den Promenadenring bekräftigt hat, dass das Verbot des Radverkehrs auf größeren Teilen des Leipziger Innenstadtrings durch die Stadt unzulässig ist. Um den Radverkehr auf der Fahrbahn des Rings zuzulassen, hat die Stadt als Straßenverkehrsbehörde die Pflicht, hierfür eine sichere Abwicklung zu gestalten.

Dies wird bei den gegebenen Verkehrsbedingungen mit der Markierung von Radfahrstreifen umgesetzt. Es gibt daher bereits aus der Perspektive des zwingend umzusetzenden Gerichtsurteils keine Wahlmöglichkeit und der Radverkehr muss auf bestimmten Teilen des Innenstadtrings verkehrssicher gestaltet werden. Die Radverkehrsanlage auf dem Dittrichring ist daher aus rechtlicher Sicht an dieser Stelle nötig.“

Es geht also auch um Sicherheit für die Radfahrenden. Und damit letztlich auch ihr Gefühl, hier auf der Fahrbahn sicher fahren zu können. Wirklich belastbare Zahlen zur Entwicklung des Radverkehrs auf dem Dittrichring wird man tatsächlich erst bekommen, wenn hier eine Dauerzählstelle installiert wurde.

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