Nicht nur dem Cospudener See droht mit der Erklärung der Schiffbarkeit, dass er zum Tummelplatz der Motorbootbesitzer wird. Dasselbe Schicksal droht auch den anderen Tagebauseen im Leipziger Süden. Die Sächsische Landesdirektion plant, nachdem sie das Verfahren für den Cospudener See schon in Gang gesetzt hat, auch den Markkleeberger und den Störmthaler See für Motorboote freizugeben.
Wieder ein Packen Arbeit für den Leipziger Ökolöwe e.V., der im laufenden Anhörungsverfahren ebenfalls ablehnende Stellungnahmen für die beiden Seen einreichte und vor den Folgen für Natur und Erholung warnt.
„Erst der Cossi, nun Markkleeberger und Störmthaler See – es reicht!“, kritisiert Božena Nawka, Umweltpolitische Sprecherin des Ökolöwe e.V. „Es kann nicht sein, dass der Freistaat einen See nach dem anderen für Motorboote öffnet. Die Menschen suchen an den Seen Ruhe und naturnahe Erholung – keine Belastung durch Motorbootlärm. Und auch die Natur braucht ihren Raum.“
Die von der Landesdirektion herangezogenen naturschutzfachlichen Gutachten zeigen: Negative Auswirkungen des unregulierten Motorbootverkehrs auf geschützte Arten und die Gewässerqualität können nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Gutachten formulieren so etwas immer sehr zurückhaltend, denn natürlich weiß man noch nicht genau, wie sich die steigende Motorbootnutzung dann auf die Naturgüter genau auswirkt.
Ein Gesetz für die Motorboot-Lobby
Das Problem ist eine gedankenlos vor sich hin arbeitende Verwaltungsmaschine, die mit fachlichen Gutachten oft genug überfordert ist, dafür aber rigoros Gesetze umsetzt, die einmal im Interesse einer bestimmten Lobby beschlossen wurden. So wie 2013 das Sächsische Wassergesetz, in dem – als Anhang – einfach mitbeschlossen wurde, dass auf sämtlichen sächsischen Tagebauseen bei Fertigstellung die Schiffbarkeit erklärt werden soll.
Damals dem Wahlvolk auch als Schritt zuir Entbürokratisierung verkauft. Doch tatsächlich hebelt es die Kompetenzen der Kommunen aus, die an diesen Seen liegen und Motorbootzulassungen regeln. Und Naturschutzverbände werden zu aufwendigen Widersprüchen gezwungen, um bedrohte Naturgüter zu schützen. Die Bürokratie wird wahrlich erst erzeugt.
Und die Betroffenen – wie im Leipziger Südraum, stehen vor dem Problem, die Folgen eines 2013 für die Motorboot-Lobby beschlossenen Gesetzes irgendwie zu verhindern, wenn die Seen ihre Naherholungsqualitäten behalten sollen.
Dazu kommt: Beide Seen sind ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Vögel. 15 der erfassten Brutvogelarten sind streng geschützt und reagieren empfindlich auf Lärm und Bewegung, merkt der Ökolöwe an. Der Störmthaler See ist ein junges Bergbaufolgegewässer mit instabilem chemischen Gleichgewicht. Schadstoffeinträge aus Motorbootverkehr bedrohen dieses Gleichgewicht mit unvorhersehbaren Folgen.
Der Nutzungsdruck auf die Gewässer im Leipziger Neuseenland ist bereits erheblich. An nahezu allen Seen wurden touristische Großprojekte umgesetzt oder werden geplant.
„Motorboote gefährden die ökologische Entwicklung der Seen und verschärfen die Konflikte mit naturverträglicher Naherholung“, warnt Nawka. „Solange Risiken für geschützte Arten und die Gewässerökologie nicht ausgeschlossen werden können, darf es keine Freigabe geben.“
Der Ökolöwe e.V. fordert deshalb die Sächsische Landesdirektion auf, beide Seen nicht dauerhaft und unbeschränkt für motorisierten Schiffsverkehr freizugeben – zum Schutz der Vogelarten, der Gewässerqualität und der naturverträglichen Erholung für alle.
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