Nicht nur in Leipzig wohnen die Menschen mehrheitlich zur Miete. In Grünau ist der Anteil, zieht man die zugehörigen Siedlungen ab, wahrscheinlich am höchsten, ganz Deutschland ist ein Mieterland. In Deutschland wohnen 52,8 % der Menschen in Mietwohnungen, damit ist Deutschland „Mieterland Nummer 1“ in der EU, in Leipzig waren es 2024 sogar 87 %. Das Thema Mieten, ob nun die Höhe der Kaltmiete oder die Berechnung der Nebenkosten, hat für Leipzigerinnen und Leipziger große Bedeutung.

Leipzig ist Mieterstadt, aus Ergebnisbericht Kommunale Bürgerumfrage 2024. Screenshot: LZ

Die Quelle „Kommunale Bürgerumfrage 2024“ finden Sie hier, die Quelle für „Mieterland Nummer 1“ ist das Statistische Bundesamt.

Wem gehören die Wohnungen?

Genaue Zahlen zu finden ist schwierig, die Webseite „Wem gehört die Stadt“ bietet auf der Startseite einen guten Überblick. Wir haben die Prozentzahlen für Leipzig in der Abbildung zur Vereinfachung eingefügt.

Eigentümerstruktur Mietwohnungen, Quelle: Wem gehört die Stadt. Screenshot und Bearbeitung: LZ

Bei der Mietenkonferenz geht es um Vonovia

Bei der Mietenkonferenz der Linken ging es in erster Linie um einen Teil der 9 % Eigentum „Finanzmarkt und Börse“, die Vonovia SE. Entgegen der Eigendarstellung auf der Webseite gibt es immer wieder starke Kritik an Vonovia als Vermieter. Als Beispiel sei hier die Pressemitteilung des Mietervereins Leipzig e. V. von 2023 „Razzia bei Vonovia: Mieterbund fordert lückenlose Aufklärung und transparentes Handeln“ angeführt.

Man sollte ja annehmen, dass diese Forderungen von 2023 im Jahr 2026 schon zu Ergebnissen geführt hätten, die Gespräche mit Betroffenen am Rande der Mietenkonferenz zeigten ein anderes Bild.

Vorstellung der Ergebnisse der Gruppen. Foto: Thomas Köhler

Ob Petra, Alex oder Pierre, bei allen geht es nach wie vor um bewusst fehlerhafte Nebenkostenberechnungen und das intransparente Verhalten der Vonovia. Hier kann sich jede Leserin und jeder Leser selbst eine Meinung bilden.

Alex hat, als sie keinen anderen Vermieter als Vonovia fand, vorsichtshalber eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Vonovia meint sie müsse verstehen, dass zu viel abgerechnet würde – es wäre sonst ein Minusgeschäft.

Petra kämpft seit Jahren um die gesetzlich vorgeschriebenen Nachweise zur Nebenkostenabrechnung.

Pierre fragt sich wie korrekt abgerechnet wird, wenn im Haus kein Wärmemengenzähler verbaut ist.

Es geht nicht nur um Vonovia

Wir sprachen am Rande der Konferenz mit Sören Pellmann, der als Bundestagsabgeordneter und Leipziger Stadtrat hier selbstverständlich anwesend war. Schon im Vorfeld hatte er betont, dass hier um ein strukturelles Problem geht, welches nicht nur Vonovia betrifft. Sören Pellmann will, dass sich die betroffenen Mieterinnen und Mieter vernetzen und gemeinsam vorgehen.

Was passierte noch bei der Mietenkonferenz?

Wir haben keine genaue Teilnehmerzahl, die Veranstaltung war aber, über alle Altersklassen hinweg, gut besucht. Am Vormittag gab es Diskussionen in Gruppen über Probleme und Lösungsansätze. Die Ergebnisse wurden später vorgestellt. Nach dem Mittagessen wurde das fortgesetzt, später gab es Erfolgsgeschichten. Wir waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr da, es ist aber anzunehmen, dass die „Kampagne Heizkostencheck“ eine große Rolle spielte.

Vorstellung der Ergebnisse der Gruppen. Foto: Thomas Köhler

Auch die Oberbürgermeister-Kandidatin Skadi Jennicke war am Nachmittag anwesend und sprach über die Möglichkeiten der Umsetzung der Strategie der Linken.

Am Ende gab es einen „Plan für bezahlbares Wohnen“, dieser liegt uns als Foto vor. Dieser beinhaltet auf der einen Seite die Vernetzung von Mieterinnen und Mietern, die gemeinsame Erarbeitung von Bürgereinwänden, die schließlich in den Stellenplan zum nächsten Doppelhaushalt, in Form von „30 Stellen gegen illegale Mieten und für städtische Mietberatung“ eingehen sollen.

Chart Ergebnis der Mietenkonferenz. Foto: Franziska Riekewald

Auf der anderen Seite, wen verwundert es, ist die Wahl von Skadi Jennicke zur Leipziger Oberbürgermeisterin als Ziel ausgerufen.

Die Losung des Tages war: Die Stadt gehört uns allen!

Fazit: Die Mietenkonferenz sprach wichtige Probleme in unserer Stadt an. Die Erfolge für die Mieter durch den Heizkostencheck sind unbestritten, ob aber die Schaffung von neuen Stellen in der Stadtverwaltung wirklich der große Wurf ist kann bezweifelt werden.

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