Eine wirkliche Überraschung ist es nicht. Die Union will mit Stadtrat Michael Weickert in den Wahlkampf um den Posten des Oberbürgermeisters antreten, erhofft sich mit dem 36-Jährigen einen Politikwechsel im Rathaus. In der Baumwollspinnerei grübeln und reden motivierte Kreative über die Zukunft, empfangen u.a. Robert Habeck – und eine Bank, die etwas seltsam aussieht, aber immer wieder gebraucht wird, feiert Geburtstag.

CDU-Vorstand will Weickert als Stadtoberhaupt

Die CDU Leipzig hat den Vorsitzenden ihrer Stadtratsfraktion, Michael Weickert, als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2027 vorgeschlagen. Nach einem parteiinternen Auswahlprozess mit Gesprächen und Beratungen sprach sich der Kreisvorstand mehrheitlich für den 36-Jährigen aus. CDU-Kreisvorsitzender Andreas Nowak bezeichnet Weickert in einem Statement als erfahrenen Kommunalpolitiker, der Stadt und Rathausarbeit seit Jahren genau kenne. Als Fraktionsvorsitzender genieße er zudem großen Rückhalt innerhalb der CDU-Stadtratsfraktion.

„Michael Weickert steht für einen modernen, dynamischen und klaren Politikstil. Er spricht Klartext, nimmt kein Blatt vor den Mund und scheut sich nicht, auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen“, erklärte Nowak am gestrigen Abend. Zugleich stehe er für einen Generationenwechsel und neue Impulse in der Leipziger Politik. Weickert selbst bedankte sich für das Vertrauen des Kreisvorstandes und verwies auf die großen Herausforderungen der Stadt, darunter die Haushaltslage, Infrastruktur, Wohnen, Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung. „Am Ende entscheiden die Mitglieder der CDU Leipzig. Diesen demokratischen Prozess respektiere ich ausdrücklich“, sagte er.

Der parteiinterne Entscheidungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Wochen muss sich der Führungs-Favorit den Ortsverbänden und Vereinigungen der CDU Leipzig vorstellen. Die endgültige Entscheidung über die Kandidatur treffen die Mitglieder auf einer Versammlung am 23. Juni 2026. Im Vorfeld dieses Vorschlages sind Vermutungen aufgekommen, die Union würde ihren bei der letzten Wahl nur hauchdünn gescheiterten Kandidaten Sebastian Gemkow erneut nominieren. Seit der Wende hat das Amt des Oberbürgermeisters immer die in Leipzig gegründete SPD für sich gewinnen können.

Soll die Tradition der SPD-Bürgermeister brechen. Die Leipziger CDU Spitze sieht Michael Weickert als aussichtsreichen Kandidaten für die OB-Wahl. Foto: Benjamin Weinkauf

Bankett zum Bankgeburtstag

Die Sächsische Aufbaubank (SAB) feiert heute ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Festakt für geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.  Zwar tritt die Förderbank selten öffentlich in Erscheinung, doch zahlreiche Projekte in Sachsen kommen ohne ihre Unterstützung kaum aus. Ob Schulsanierungen, Unternehmensgründungen, Wohnungsmodernisierung oder die Vergabe europäischer Fördermittel – die SAB ist an vielen Stellen beteiligt.

Ihre Wurzeln reichen in die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung zurück. Zunächst wurde das Fördergeschäft über die baden-württembergische L-Bank abgewickelt, ehe die SAB als eigenständige Förderbank aufgebaut wurde. Im Juni 1996 nahm sie ihren regulären Geschäftsbetrieb in Dresden auf. Ihren Sitz verlegte sie 2017 nach Leipzig. Die Aufgaben der SAB entsprechen dem klassischen Auftrag einer staatlichen Förderbank. Sie vergibt Zuschüsse, Kredite und Bürgschaften im Auftrag von Land, Bund und Europäischer Union. Zu den Förderfeldern zählen Wirtschaft, Infrastruktur, Wohnungsbau, Bildung, Soziales sowie Umwelt- und Landwirtschaftsprojekte. Im Jahr 2025 bewilligte die Bank Förderungen in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro.

Größere Finanzskandale blieben der SAB bislang erspart. Kritische Aufmerksamkeit erregte jedoch der Neubau ihrer Leipziger Zentrale an der Gerberstraße. Der Sächsische Rechnungshof beanstandete eine Kostensteigerung des Projekts und kritisierte dessen Dimensionierung sowie Wirtschaftlichkeit. Der Neubau wurde damit auch zum Symbol für die Frage, wie sparsam eine öffentliche Förderbank mit eigenen Investitionen umgeht. Wiederholt beschäftigte sich der Rechnungshof zudem mit der Fördermittelverwaltung. Drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung weist die SAB mehr als eintausend Beschäftigte aus.

Die Sächsische Aufbaubank (SAB) in Leipzig. Foto: Jan Kaefer

Spinnerei wird Zukunftswerkstatt

Wenn man zum ersten Mal „MACHN“ liest, erwartet man fast, dass dahinter irgendeine clevere Abkürzung steckt – etwa für „Mitteldeutsches Accelerator- und Changemaker-Netzwerk“ oder irgendeinen halbwegs originellen Kunstbegriff.  Was wie eine rätselhafte Abkürzung klingt, entpuppt sich aber als orthografisch abgespecktes „machen“. Das ist weder besonders raffiniert noch originell, trifft aber ziemlich genau den Zeitgeist vieler Startup- und Innovationsveranstaltungen: irgendwas mit Tatkraft. Und wirkt ein bisschen wie die gescheiterte FDP-Kampagne „Einfach machen!“ vor sieben Jahren.

Aber nein, es ist einfacher. Auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei (Spinnereistraße 7) startet heute das „MACHN26 Festival“. Die zweitägige Veranstaltung versteht sich als Treffpunkt für Wirtschaft, Technologie, Kunst und Kultur und will Unternehmerinnen und Unternehmer, Gründer, Kreative, Wissenschaftler sowie Vertreter der Digitalwirtschaft zusammenbringen. Geplant sind unter anderem „Keynotes, Panels, Workshops, Startup-Pitches, eine Ausstellung, ein Barcamp sowie Live-Musik“. Die Worte stammen aus dem Programm. Erwartet werden mehr als 70 „Speakerinnen und Speaker“. Zu den prominentesten Gästen zählen Robert Habeck, Antje von Dewitz, Sebastian Klein, Erika Wykes-Sneyd, Stina Ehrensvärd und Jakob Springfeld.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit, Kreativität und wirtschaftlicher Transformation. Die Akkreditierung beginnt an beiden Veranstaltungstagen jeweils um 9 Uhr. Und wie schon bei der Data Week heißt es: Zukunft hat ihren Preis. Für die Teilnahme werden reguläre Zwei-Tages-Tickets für 199 Euro angeboten, während das Business-Ticket 499 Euro kostet. Da sind die Häppchen eingepreist. Wer ausschließlich das Abendprogramm besuchen möchte, kann ein „Networking-Ticket“ erwerben, das ab 17 Uhr gültig ist und für 25 Euro Zugang zu „Keynotes, DSLAM, Entertainment, Aftershow und Networking“ bietet.

Ermäßigte Eintrittskarten stehen Studierenden, Auszubildenden und Arbeitssuchenden gegen Nachweis zur Verfügung. Der Festivalpass gilt während der Veranstaltung zugleich als Tageskarte im Leipziger Nahverkehr. Programm, Erklärungen und Tickets gibt es HIER.

Neue Ideen in alten Mauern. Die Baumwollspinnerei öffnet sich Zukunfts-Seminaren. Foto: Anne Schwerin / machn.de

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