LZ hat sich vor Ort selbst überzeugt: Arbeiter und Anlieger der Brücken-Baustellen Pittler- und Linkelstraße sind echte Helden. Die Maßnahmen sind nötig, aber nur schwer zu ertragen. Weniger heldenhaft steht es um unsere kleineren Begleiter. Das Budde-Haus widmet sich heute dem Sterben der Insekten – und dessen Folgen. Und auf dem Südfriedhof gibts heute eine ganz besondere Führung im Rahmen des CSD.

Wenn Fluglärm zur Nebensache wird

Diesen Tag haben die Anlieger der Eisenbahnbrücke an der Pittlerstraße unter Schmerzen herbeigesehnt. Denn bei den dortigen Arbeiten, direkt vor ihren Fenstern, soll es endlich wieder ruhiger zugehen. Die Bahn will die zumindest extrem lärmbelastenden Arbeiten dort heute beenden. Derweil verlagert sich beim Ersatzneubau der beiden mehr als 100 Jahre alten Eisenbahnüberführungen in Leipzig-Wahren die besonders lärmintensive Bauphase an die Eisenbahnüberführung Linkelstraße.

Nach Angaben der Deutschen Bahn dauert der dortige Abbruch bis Anfang August 2026 an. Anschließend soll auch hier die Lärmbelastung deutlich zurückgehen, da dann überwiegend weniger intensive Bauarbeiten ausgeführt werden. Die bestehenden Brücken hatten nach Angaben der Bahn das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht und werden vollständig ersetzt.

Beide Bauvorhaben werden während einer mehrmonatigen Sperrpause der Bahnstrecke gebündelt umgesetzt, um die Gesamtbauzeit zu verkürzen. Während der aktuellen Bauphase kommen unter anderem Bagger, Radlader, Lkw und hydraulische Abbruchwerkzeuge zum Einsatz.

Für besonders stark betroffene Anwohnerinnen und Anwohner bietet die Deutsche Bahn Unterstützungsmaßnahmen bis hin zu Ersatzunterkünften an. Betroffene Haushalte werden laut Bahn direkt informiert. Gleichzeitig bittet das Unternehmen um Verständnis dafür, dass sich Beeinträchtigungen trotz aller Bemühungen nicht vollständig vermeiden lassen.

Anwohner, die nur wenige Meter von dem ohrenbetäubenden Krach der Abbrucharbeiten entfernt leben, bestätigten gegenüber LZ vor Ort das Bemühen der Bahn um Linderung, berichten aber auch von der Härte der Umstände. „Gestern“, so eine Hausbewohnerin, „haben wir wirklich Angst gehabt, das Gebäude stürzt ein. Die Wände haben so gewackelt, als würde unser Haus selbst abgerissen.“

Parallel bleibt die S-Bahn-Strecke zwischen Leipzig-Slevogtstraße und Schkeuditz bis 10. Oktober 2026 vollständig gesperrt. Fahrgäste können Ersatzbusse sowie die eigens eingerichtete S-Bahn-Linie S35 nutzen. Zudem haben die Leipziger Verkehrsbetriebe ihr Angebot entlang der Straßenbahnlinie 11 angepasst. Auch im Straßenverkehr sind weiterhin Einschränkungen zu erwarten.

In drei Wochen soll auch die baufällige Brücke Linkelstraße demontiert sein. Foto: Benjamin Weinkauf

Was summt denn da (nicht mehr)

Sie fliegt zielsicher an dein Ohr, wer nicht aufpasst, hat sie wenig später unterm Hemd. Wenn sie in der Fassbrause landet, wird sie zwar gerettet, auch wenn sie vorher nervte. Doch freilich nur, um sie nicht mitzutrinken: die Wespe. Abgesehen davon, dass auch sie ihren berechtigten Platz im „Circle of Life“ hat, ist die Welt der Insekten deutlich facettenreicher, als es diese schwarz-gelbe Nervensäge vermuten lässt. Und die Bedrohung des Lebens der Insekten ist dabei größer, als es ein Limonadenglas für eine Wespe darstellt.

Heute lädt das Heinrich-Budde-Haus in Leipzig-Gohlis zu einer außergewöhnlichen Auseinandersetzung mit dem weltweiten Insektensterben ein. Unter dem Titel „Sei bereit für Dein Insekt!“ gestalten Kurt Mondaugen und Dorit Löffler von 19 bis 21 Uhr im Kunstgarten des Budde-Hauses an der Lützowstraße 19 eine Open-Air-Performance, die Literatur, Klang, theatrale Elemente und die Mitwirkung des Publikums verbindet. Beide Künstler sind Initiatoren der interdisziplinären Forschungsstation „Vom Verschwinden – Zur Poesie und Philosophie der Insekten“, die sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, den Verlust biologischer Vielfalt aus künstlerischer und philosophischer Perspektive zu reflektieren.

Die Aufführung findet bewusst zwischen Pflanzen und Insekten im Kunstgarten statt und ist Teil des hauseigenen Umweltjahres „Mach was draus!“ sowie des Begleitprogramms zur Ausstellung „Winzig. Wild. Wichtig.“ Anstelle einer klassischen Lesung erwartet die Besucher eine inszenierte Performance mit Texten und künstlerischen Figuren rund um Libellen, Bienen, Hummeln, Ameisen und weitere Insekten. Der Eintritt ist frei, eine Ticketreservierung ist nicht erforderlich. Der Veranstalter bittet lediglich um freiwillige Spenden.

Das Budde-Haus empfiehlt die Anreise mit der Tram 12 oder den S-Bahn-Linien S1 und S3 bis zum S-Bahnhof Gohlis, von dort sind es rund 50 Meter Fußweg. Anreisende aus Schkeuditz müssen baubedingt jedoch auf den Schienenersatzverkehr ausweichen. Fahrradstellplätze stehen auf dem Gelände zur Verfügung, Pkw-Parkplätze sind im Wohngebiet so gut wie keine vorhanden.

Die „Borstige Dolchwespe“ (Scolia hirta) ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Foto: Michael Schöne

Kreuz und queer – eine CSD-Führung über den Südfriedhof

Queeres Leben bis in den Tod – Akzeptanzkämpfe, aber auch romantische Erfüllung. Eine ungewöhnliche Führung lädt heute im Rahmen der Christopher-Street-Day-Woche auf den Leipziger Südfriedhof ein. Unter dem Titel „Full of Life“ beginnt um 14 Uhr ein einstündiger „Audiowalk“.  Im Mittelpunkt stehen queere Trauer, Erinnerungskultur und die Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit.

Anders als bei einer klassischen Führung hören die Teilnehmenden während des gemeinsamen Rundgangs über ihre eigenen Kopfhörer eine eigens produzierte Tonspur mit Erzählungen und besonderen Klängen, die auf den Ort abgestimmt ist. Dafür genügt ein geladenes Smartphone: Am Treffpunkt führt ein QR-Code direkt zum Audiobeitrag, eine zusätzliche App oder Anmeldung sind nicht erforderlich. Nach dem Hörteil besteht Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch mit der Autorin Marie-Luise Engelmann.

Die Veranstaltung richtet sich an Queers, Trauernde und Neugierige ab 16 Jahren. Der Audiowalk verbindet persönliche Erfahrungen mit der besonderen Atmosphäre eines der größten Friedhöfe Deutschlands und lädt dazu ein, sich mit Erinnerung und queeren Lebensrealitäten auseinanderzusetzen. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Startpunkt befindet sich in der Nähe der Verwaltung des Südfriedhofs am Tor unmittelbar neben Blumen-Kaiser und wird mit einer Fahne gekennzeichnet. Ein weiterer Termin wird am Freitag, 17. Juli, ebenfalls von 14 bis 15 Uhr angeboten.

Eine Audioführung lädt heute und am Freitag im Rahmen des CSD auf den Südfriedhof ein. Foto: Benjamin Weinkauf

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