Auch die Beschäftigten des Leipziger Jobcenters arbeiten am Limit: Das zeigt eine aktuelle bundesweite ver.di-Befragung unter Beschäftigten in Jobcentern. Die Ergebnisse aus Leipzig zeichnen dabei nahezu dasselbe Bild wie die bundesweite ver.di-Befragung unter rund 6.800 Jobcenter-Beschäftigten: hohe Arbeitsbelastung, Personalmangel, Überstunden und gesundheitliche Folgen. Und sie fangen den ganzen Frust für eine verpeilte Bundespolitik ab, berichten über zunehmende Gewalterfahrungen im Alltag.

In Leipzig bewerten über 80 Prozent der Befragten ihre Arbeitsbelastung als hoch oder sehr hoch, zwei Drittel leisten regelmäßig Überstunden. Fast die Hälfte berichtet von häufigen Erschöpfungs- und Stresssymptomen. Damit liegen die Ergebnisse nahezu auf dem Niveau der bundesweiten Befragung, stellt ver.di fest.

Auch Gewalt gehört für viele Beschäftigte zum Berufsalltag: 55 Prozent der Befragten haben bereits Übergriffe erlebt. Genannt werden Beleidigungen, Morddrohungen, Stalking, sexuelle Belästigungen und körperliche Angriffe.

Ein überlastetes System

Die Gründe für diese Zustände sind hausgemacht, Folge einer Politik, die den Deutschen immer wieder Faulheit und fehlende Leistungsbereitschaft attestiert und immer wieder dieselben prekär Beschäftigten glaubt mit Sanktionen überziehen zu müssen, die nach jeder Kündigung sofort im Jobcenter landen, weil sie einfach nie genug verdient haben. Das Ergebnis. Die Jobcenter sind mehr mit „Erziehungsmaßnahmen“ beschäftigt als mit der tatsächlichen Hilfe bei der Vermittlung in neue Jobs. Und dass dann selbst die Tätigkeit der Jobcenter-Beschäftigten nicht wertgeschätzt wird, bringt das Fass letztlich zum Überlaufen.

Und so schätzt es auch ver.di ein: Als größte Probleme benennen die Beschäftigten zu hohe Fallzahlen, fehlendes Personal, ständige Umstrukturierungen, hohe Krankenstände sowie mangelnde Wertschätzung. Viele kritisieren zudem die unterschiedliche Bezahlung von kommunalen Beschäftigten und Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit bei vergleichbarer Tätigkeit.

Mit „Reformen“ überhäuft

„Unser Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden eine gute Beratung und möglichst die passende Unterstützung zu bieten. Stattdessen sind wir damit beschäftigt, die Gesetzesänderungen, immer neue Vorgaben und Umstrukturierungen umzusetzen. Dies alles muss gleichzeitig geschehen und das sorgt dafür, dass viele Kolleginnen und Kollegen überlastet sind und die freie Zeit zur Erholung nicht mehr ausreicht“, so Bastian Müller, Mitarbeiter im Jobcenter.

„Die Leipziger Ergebnisse bestätigen nahezu eins zu eins die bundesweiten Befunde des ver.di-Jobcenter-Reports. Die Probleme sind nicht individuell und auch kein lokales Phänomen, sondern strukturell. Die Beschäftigten stemmen immer mehr Aufgaben mit zu wenig Personal. Gleichzeitig erleben viele Gewalt, hohe psychische Belastungen und mangelnde Anerkennung für ihre Arbeit. Wer leistungsfähige Jobcenter will, muss endlich für ausreichend Personal, bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung sorgen. Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden“, kritisiert Katharina Raschdorf, Gewerkschaftssekretärin ver.di.

Als wichtigste Verbesserungen nennen die Beschäftigten mehr Personal, mehr unbefristete Stellen, geringere Fallzahlen, verlässliche Vertretungsregelungen und eine frühzeitige Nachbesetzung frei werdender Stellen. Überdies wünschen sie sich mehr Zeit für die eigentliche Beratungsarbeit, eine bessere technische und räumliche Ausstattung, realistische Betreuungsschlüssel, mehr Planungssicherheit sowie gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.

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