Leipzig sieht dem großen UEFA-Conference-League-Finale entgegen. Heute entscheidet sich, welche Mannschaften am 27. Mai in Leipzig spielen werden. Wird die Katastrophe vom Montag Einfluss auf das geplante Fanfest haben? Aus Gründen der Pietät hat „ver.di“ eine geplante Kundgebung vom Naschmarkt vor das Neue Rathaus verlegt. Und auf der Alten Messe endet heute die viel besuchte Ausstellungen zu kürzlich entdeckten Zeugnissen der Bach-Zeit.
Nach Amokfahrt verlegt „ver.di“ Kita-Kundgebung
Trotz sinkender Kinderzahlen verschärft sich die Lage in Sachsens Kindertagesstätten weiter. Pädagogische Fachkräfte sorgen sich um ihre berufliche Zukunft, während gleichzeitig die Qualität der frühkindlichen Bildung nach Einschätzung von Gewerkschaftern weiter unter Druck gerät. Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung reichen aus ihrer Sicht nicht aus, um die Probleme nachhaltig zu lösen.
Statt die rückläufigen Kinderzahlen für eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation zu nutzen, werde mit Hinweis auf fehlende Haushaltsmittel lediglich der bestehende Mangel verwaltet. „Wir sagen: So geht es nicht weiter!“, heißt es in einem Aufruf von „ver.di“. Trotz erfüllter Personalschlüssel fehle es vielerorts an Mitarbeitenden mangels Finanzierung durch das Land. Dadurch seien zunehmend nicht nur deren Gesundheit gefährdet, sondern auch die Qualität der frühkindlichen Bildung.
Aufgrund der schockierenden Amokfahrt am Montag in der Leipziger Innenstadt, hat „ver.di“ eine für heute um 17:15 Uhr geplante Kundgebung vom Naschmarkt vor das Neue Rathaus verlegt. In einer entsprechenden Ankündigung teilt die Gewerkschaft mit: „Wir können und wollen keine Versammlung am aktuellen Tatort abhalten. Angehörige und Anteilnehmende sollen nicht durch die Geräuschkulisse einer Kundgebung in ihrer Trauer gestört werden.“
In dem Statement heißt es weiter: „Wir sind in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen. Wir wünschen den Verletzten schnelle Genesung und viel Kraft.“ Vor dem Hintergrund der anstehenden Verhandlungen zum sächsischen Doppelhaushalt brauche es laut „ver.di“ trotz der furchtbaren Umstände dringend ein Signal an die Landespolitik.

Letzter Blick auf Bach-Zeugnisse
Wegen des großen Besucherinteresses hatte das Stadtarchiv Leipzig seine Sonderausstellung „Mehr als Musik – Neue Bach-Quellen im Stadtarchiv Leipzig“ verlängert. Heute besteht während der regulären Öffnungszeiten die letzte Chance, die bislang unbekannten Handschriften aus dem Umfeld von Johann Sebastian Bach zu besichtigen, die neue Einblicke in das Leipziger Musikleben des 18. Jahrhunderts ermöglichen.
Zu den bedeutendsten Exponaten zählen ein originales Schreiben Bachs selbst, ein bislang unbekanntes Zeugnis des Komponisten aus dem Jahr 1740 für seinen bevorzugten Bassisten Gottlob Friedrich Türsch sowie das älteste erhaltene Bewerbungsschreiben Georg Philipp Telemanns. Ebenfalls ausgestellt ist ein Zeugnis Johann Christoph Gottscheds für Johann Friedrich Doles.
Die Dokumente wurden im Rahmen des Forschungsprojekts „Forschungsportal BACH“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig mit Sitz am Bach-Archiv Leipzig entdeckt. Projektmitarbeiter Dr. Bernd Koska gelang dabei ein Fund, der vor allem neue Erkenntnisse zur Organisation von Bachs Kantatenaufführungen liefert.
„Die Leipziger Kirchenmusik beruhte nicht allein auf künstlerischer Exzellenz, sondern auf einer funktionierenden kommunalen Förderstruktur“, erklärte Musikwissenschaftler Dr. Bernd Koska anlässlich der Ausstellungseröffnung. Ein vorerst letzter Blick auf die historischen Schriften ist heute von 9 bis 18 Uhr möglich. Stadtarchiv Leipzig, im einstigen „Sowjetischen Pavillon“ auf der Alten Messe.
Entscheidung über UEFA-Conference-League-Finale
Für Leipzigs Fußball-Freaks wird es ein spannender Abend. Und das, obwohl in der Stadt gar kein Spiel stattfindet. Doch heute entscheidet sich, welche Mannschaften am 27. Mai in der Red Bull Arena das Finale der UEFA Conference League bestreiten. So stehen die Halbfinal-Rückspiele zwischen Crystal Palace und Shakhtar Donetsk sowie RC Strasbourg und Rayo Vallecano auf dem Programm.
Aus diesen beiden Begegnungen ergeben sich vier mögliche Finalkonstellationen in Leipzig: Crystal Palace gegen RC Strasbourg, Crystal Palace gegen Rayo Vallecano, Shakhtar Donetsk gegen RC Strasbourg oder Shakhtar Donetsk gegen Rayo Vallecano. Favorisiert wird derzeit ein Endspiel zwischen Crystal Palace und Strasbourg, da sich beide Teams in den Hinspielen bereits eine gute Ausgangslage verschafft haben. Für die Messestadt bedeutet das Finale ein sportliches Großereignis mit internationaler Aufmerksamkeit.
Lang geplant ist in diesem Zusammenhang ein Fanfest vom 25. bis zum 27. Mai auf dem Markt. Mit Bühnenprogramm und Konzerten, vielen Aktionen und Mitmachangeboten. Bisher war kein Einlass-Prozedere für die Veranstaltung geplant. Inwieweit die vorgesehenen Sicherheitsvorkehrungen nach der Amok-Katastrophe in der Grimmaischen Straße überarbeitet und erweitert werden müssen, entscheiden und planen im Laufe der nächsten Tage die dafür zuständigen Behörden und Gremien.
Für die Stadt selbst mögen das dreitägige Event und das Spiel selbst ein wirtschaftlicher Impuls sein. Durch das jüngste Ereignis vom Montag werden die Tage vor allem zu einer sicherheitspolitischen Belastungsprobe – folgt doch das UEFA-Conference-League-Finale samt seiner Begleitveranstaltungen nahtlos auf das 33. Wave-Gotik-Treffen an eben jenem Pfingstwochenende.
Lizenzhinweis: Das Foto des Austragungsortes des UEFA-Conference-League-Finale wurde von „Falk2“ geschaffen und wird von Wikimedia Commons zur freien Nutzung bereitgestellt. Die Aufnahme wurde zur Verwendung auf unserer Seite geringfügig beschnitten, jedoch in keiner sonstigen Weise bearbeitet.
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