Die Kult-Kneipe “Hotel Seeblick” wird heute zum Hörsaal. In Connewitz kehrt auf zwei Straßen Ruhe ein… Sie suchen für sich oder andere einen eigenen Kindergarten? Dann sind Sie heute und hier richtig! Denn die Stadt hat da etwas ganz besonders im Angebot. Und die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft lädt heute zu einem ganz besonderen Archivtag
Connewitzer Lärmschleuder wird Ruhezone
Zur Verringerung der Lärmbelastung führt die Stadt Leipzig in Teilen von Connewitz künftig Tempo 30 ein. Beschenkt sind die Wolfgang-Heinze- sowie die Brandstraße, die ab heute entsprechend ausgeschildert werden. Für die Umsetzung der Maßnahme entstehen Kosten in Höhe von rund 14.500 Euro. Angaben der Verwaltung zählen beide Straßen zu den ausgewiesenen Lärmbrennpunkten Leipzigs. Die Belastung überschreitet dort die sogenannten „Auslösewerte“ von 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht.
Neben dem Verkehrsaufkommen trägt auch der marode Straßenbelag zur Geräuschentwicklung bei. Zudem sind die stillgelegten Straßenbahnschienen von Pflastersteinen eingefasst, wodurch der Lärm weiter verstärkt wird. Anwohnerinnen und Anwohner hatten sich wiederholt mit Anträgen und Bürgeranfragen an die Stadt gewandt. Zuletzt war das Thema beim Fußverkehrsrundgang des Oberbürgermeisters im Oktober 2025 angesprochen worden, verbunden mit der Bitte um kurzfristige Unterstützung.
Mit der Geschwindigkeitsbegrenzung verfolgt die Stadt nun das Ziel, den Umgebungslärm zu reduzieren. Der für Mobilität zuständige Bürgermeister Thomas Dienberg (Grüne) erklärte dazu: „Die Tempo-30-Strecken in der Wolfgang-Heinze- und der Brandstraße sind ein wichtiger Beitrag für das Erreichen städtischer Ziele: sie reduzieren Lärm und senken die Unfallrisiken. Gleichzeitig werden damit die Wünsche der Anwohnenden für mehr Lebensqualität erfüllt.“
Die Wolfgang-Heinze-Straße erinnert an den Politiker und Journalisten Wolfgang Heinze, der 1864 in Elsterberg im Vogtland geboren wurde. Heinze war zunächst als Buchdrucker tätig und engagierte sich früh in der Arbeiterbewegung. Bekanntheit erlangte er später als führender Funktionär der SPD in Sachsen sowie als Reichstagsabgeordneter im Kaiserreich. Nach der Novemberrevolution 1918 gehörte er zeitweise der sächsischen Regierung an, bevor er in den politischen Auseinandersetzungen der Weimarer Republik zunächst zur USPD und später zur KPD wechselte. Die Benennung der Straße in Leipzig-Connewitz verweist auf die enge historische Verbindung des Stadtteils zur Arbeiterbewegung.
Ein Kindergarten, ganz für Sie allein
Sie fühlen sich in Ihrem Haus mitunter „wie im Kindergarten“, denken aber, der Bau böte nicht das richtige Ensemble und wirke eher wie eine Amtsstube? Dann ist heute Ihr Glückstag. Wobei man für die Idee etwas übrig haben muss. Denn nur noch am 11. Mai bietet die Stadt den einstigen Kindergarten Poetenweg 22 (wenige Meter neben dem Gohliser Schlösschen) zum Tausch an.
Das Grundstück mit einer Größe von circa 569 Quadratmetern und einer Gesamtnutzfläche von etwa 1.040 Quadratmetern musste bereits 2019 wegen erheblicher Schäden an der Bausubstanz geschlossen werden. Ursache waren unter anderem massiver Schwammbefall sowie Wasserschäden.
In der Folge wurden verschiedene Sanierungsvarianten geprüft. Diese erwiesen sich jedoch sowohl aus denkmalpflegerischer als auch aus räumlicher Sicht als problematisch. Nach Einschätzung der Stadt ließ sich das Gebäude nicht wirtschaftlich an die heutigen Anforderungen einer modernen Kindertagesstätte anpassen.
Auch die Kosten spielten bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle. Während eine Sanierung des Objekts am Poetenweg 22 laut Berechnungen rund 44.600 Euro pro Platz gekostet hätte, wäre ein Neubau mit etwa 39.400 Euro pro Platz deutlich günstiger gewesen. In die Kalkulation floss zudem eine angenommene jährliche Preissteigerung von 3,35 Prozent ein.
Ziel des Tauschhandels ist es, ein anderes Grundstück zu erhalten, das sich besser für kommunale Zwecke eignet. Für das Objekt am Poetenweg 22 wird ein Verkehrswert von 1.790.000 Euro angegeben. Das Gebäude liegt auf dem Flurstück 9/1 der Gemarkung Gohlis.
Alle wichtigen Details für die schnelle Entscheidung gibt es hier online.
Sterbende Kult-Kneipe wird zum Hörsaal
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wissen in Leipzig: Das Kneipengespräch“ steht am Abend die globale Rolle Chinas im Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussionsrunde im „Hotel Seeblick“ (Karl-Liebknecht-Straße 125). Ab 18 Uhr kommen Fachleute mit Bürgerinnen und Bürgern über den wachsenden Einfluss der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf Politik und Wirtschaft ins Gespräch.
Das Land prägt internationale Handelsströme, investiert weltweit in Infrastrukturprojekte und baut seinen geopolitischen Einfluss in Asien, Afrika und Europa weiter aus. Zugleich treibt China Entwicklungen in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und erneuerbaren Energien voran. Diskutiert werden unter anderem Fragen nach den Ursachen dieses Aufstiegs, nach dem Verhältnis zum Westen sowie nach Chinas außenpolitischen Ambitionen.
Auch die Beziehungen zum Iran und die Spannungen rund um Taiwan werden eine Rolle spielen. An der Gesprächsrunde beteiligen sich Elisabeth Kaske, Adrian Krawczyk sowie Gabriele Goldfuß. Prof. Dr. Elisabeth Kaske forscht seit 2017 an der Universität Leipzig zur gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des modernen China und untersucht insbesondere die Anpassung des Landes an die westlich geprägte Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Die Reihe „Wissen in Leipzig: Das Kneipengespräch“ verfolgt das Ziel, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Bürgerinnen und Bürgern außerhalb klassischer Hochschulräume ins Gespräch zu bringen. Das beliebte Szene-Lokal „Hotel Seeblick“ schafft dabei bewusst eine offene Atmosphäre für Austausch und Diskussion – allerdings vor dem traurigen Hintergrund, im Sommer schließen zu müssen. Unter anderem machen steigende Mietforderungen eine Bewirtschaftung mit dem Konzept aus Gemütlichkeit und moderaten Preisen unmöglich.

Archivblicke mit Frauen-Power
Anlässlich des bundesweiten „Tags der Frauenarchive“ öffnet heute auch das Louise-Otto-Peters-Archiv im Gerichtsweg 28 seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Zwischen 13 und 17 Uhr erhalten Interessierte Einblicke in die Arbeit des 1997 gegründeten Archivs, das sich der Geschichte der Frauenbewegung und insbesondere dem Leben und Wirken von Louise Otto-Peters widmet.
Im Mittelpunkt der Einrichtung stehen die demokratische Schriftstellerin, Journalistin und Frauenpolitikerin Louise Otto-Peters (1819–1895), die Entstehungsgeschichte des Allgemeinen deutschen Frauenvereins sowie das Wirken seiner Mitstreiterinnen.
Ehrenamtlich Mitarbeitende des Archivs berichten vor Ort über die Anfänge der Einrichtung und ihre heutige Arbeit. Darüber hinaus werden aktuelle und vergangene Projekte vorgestellt. Gezeigt wird unter anderem ein 2025 gemeinsam mit einer Animationskünstlerin entstandener Erklärfilm zur ersten gesamtdeutschen Frauenkonferenz von 1865 in Leipzig. Ergänzend dazu kann ein Hörspiel zur Frauenkonferenz angehört werden.
Auch das 2022 gestartete „fem/pulse-Projekt“ wird präsentiert, das sich im Podcast „Unüberhörbar“ seit dem vergangenen Jahr jüdischen Frauen in der ersten Frauenbewegung widmet. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit feministischer Archivpraxis und Wissenstransfer anhand der Zeitschrift „Neue Bahnen“, dem Organ des Allgemeinen deutschen Frauenvereins, das seit 1866 erschien. Im Louise-Otto-Peters-Archiv existiert dazu bereits seit den 1990er Jahren ein analoges Personen-, Orts- und Schlagwortregister.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:














Keine Kommentare bisher