Ein mutmaßlicher Feuerteufel sorgte in Leipzig‑Grünau vor über einem Jahr wochenlang für Unsicherheit: Immer wieder wurden zwischen Januar und März 2025 Kellerboxen angezündet, ein Schwerpunkt waren Tatorte in der Ringstraße. Seit Montag muss sich mit Philipp P. (35) der mutmaßliche Urheber der Brandserie verantworten, die zahlreiche Menschen gefährdete und etwa 2,5 Millionen Euro Sachschaden anrichtete. Der Prozess am Landgericht findet größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Zahlreiche Menschen wurden gefährdet, einige erlitten Rauchgasvergiftungen, der Sachschaden ist mit geschätzt 2,5 Millionen Euro plus zerstörtem Privateigentum so hoch, dass ein Durchschnittsverdiener Hunderte Jahre mit der Rückzahlung beschäftigt wäre: Seit Montag, dem 11. Mai 2026, steht der 35 Jahre alte Philipp P. vor dem Landgericht Leipzig. Staatsanwältin Karin Schultrich warf dem zuletzt arbeitslosen Mann unter anderem vorsätzliche schwere Brandstiftung, mehrere Versuche und gefährliche Körperverletzung vor.

Brandserie begann Ende Januar

Es war in den frühen Morgenstunden des 27. Januar 2025, als die unheimliche Brandserie ihren Anfang nahm: In Kellerabteilen zweier Adressen in der Ringstraße wurde vor 04:00 Uhr brennbares Material entzündet, während sich mindestens 30 Bewohnerinnen und Bewohner – die meisten wohl ahnungslos schlummernd – in einem der betroffenen Mehrfamilienhäuser aufhielten.

Drei Feuerwachen der Leipziger Berufsfeuerwehr sowie die Freiwillige Feuerwehr Lausen löschten den Brand. Ein 67 Jahre alter Hausbewohner kam mit Verdacht auf Rauchgasintoxikation in eine Klinik. Der geschätzte Gesamtschaden – unter anderem kam es zu einer massiven Verrußung – liegt allein in diesen Fällen bei über 70.000 Euro.

Massiver Schaden durch Brände

Nach einem ähnlichen Muster sollen sich auch weitere Brandfälle abgespielt haben: So am 28. Januar, ebenfalls in der Ringstraße, wo eine Kellerbox komplett ausbrannte, die Flammen beschädigten zudem weitere Kellerabteile und eine Hauswasserleitung. Bewohner mussten evakuiert werden, eine Nachbarin (44) wurde wegen starken Hustenreizes ambulant behandelt.

Am 31. Januar um 01:20 Uhr richtete ein Brand in der Kellerbox eines Hauses in der Lützner Straße laut Anklageschrift etwa 433.000 Euro Sachschaden an. Nur kurz darauf hatte der Eigentümer eines Hauses in der Neulindenauer Beckerstraße gar mehr als 1,5 Millionen Euro Sachschaden zu beklagen. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von 12 Tatkomplexen aus, darunter allein vier in den Morgenstunden des 22. März 2025.

Diese ereigneten sich an der Zingster Straße, An der Kotsche und der Seffnerstraße. Teilweise wurden Elektro- und Wasserleitungen beschädigt, die Versorgung partiell eingestellt. Schon fünf Tage zuvor soll der Verdächtige in ein Haus, ebenfalls in der Zingster Straße, eingedrungen sein und dort vor dem Zündeln Wertgegenstände entwendet haben.

Angeklagter gilt als schwer suchtkrank

Auf Antrag von Philipp P.s Verteidiger Ingo Stolzenburg wird die Tür zum Gerichtssaal für die Öffentlichkeit ab jetzt bis zur Urteilsverkündung allerdings geschlossen bleiben: Weil die mögliche Unterbringung des Mittdreißigers in einer Entzugsanstalt nach § 64 des Strafgesetzbuchs zur Debatte steht, wird auch seine mögliche Suchtmittelerkrankung und Persönlichkeitsstörung eine wesentliche Rolle spielen.

Die 6. Kammer unter Vorsitz von Richterin Katrin Seidel folgte dem Ansinnen des Verteidigers weitgehend, ließ aber zumindest noch die öffentliche Verlesung der Anklage zu. Bei einem Vorgespräch zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung war dem Vernehmen nach bisher keine Vereinbarung über ein mögliches Strafmaß erzielt worden, das Philipp P. bei einem glaubhaften Geständnis erwarten könnte. Derzeit befindet er sich in Untersuchungshaft. In einer separaten Anklage liegt ihm illegaler Betäubungsmittelbesitz von Crystal Meth zur Last.

Für den Prozess sind derzeit sieben weitere Prozesstage bis 16. Juni geplant.

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