Die Neonazipartei „Freie Sachsen“ hat mit ihrem Kandidaten Stefan Hartung bei der Oberbürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema die meisten Stimmen geholt. 29 Prozent der Wähler*innen stimmten für den ehemaligen NPD-Politiker. Knapp 20 Prozent wählten die AfD. Bei anderen Wahlen am Sonntag waren die Rechtsradikalen nicht so erfolgreich.

Hartung ist ein seit vielen Jahren in der Region bekannter Politiker und Aktivist. Er war beispielsweise Sprecher der Initiative „Schneeberg wehrt sich“, die im Winter 2013/14 Stimmung gegen Geflüchtete gemacht hat.

Die „Freien Sachsen“ hoffen nun laut einer Mitteilung von Sonntagabend auf die Unterstützung der AfD im zweiten Wahlgang. Deren Kandidat Lars Bochmann erhielt 18,5 Prozent der Stimmen. Außerdem hatten CDU, Freie Wähler und Linke Kandidaten ins Rennen geschickt. Im zweiten Wahlgang könnten theoretisch alle nochmal antreten – gewählt ist die Person, die die meisten Stimmen erhält, auch wenn es weniger als 50 Prozent sind.

Einen zweiten Wahlgang wird es auch in Görlitz geben. Dort verpasste Amtsinhaber Octavian Ursu (CDU) die absolute Mehrheit nur knapp: Er kam auf 49,1 Prozent. AfD-Kandidat Sebastian Wippel holte 44,3 Prozent der Stimmen.

Oberbürgermeisterwahlen fanden am Sonntag auch in Döbeln, Dippoldiswalde und Werdau statt. In Döbeln und Dippoldiswalde konnten sich Kandidat*innen mit CDU-Parteibuch im Amt halten; in Werdau gelang OBM Sören Kristensen von der Unabhängigen Liste die Wiederwahl.

Während in Sachsen das OBM-Amt für AfD-Politiker nichts Neues mehr ist – so gewann beispielsweise Anfang des Jahres André Barth in Altenberg im Erzgebirge –, konnte die rechtsradikale Partei in Brandenburg ihre Premiere feiern. Dort holte René Stadtkewitz in Zehdenick direkt die absolute Mehrheit.

Bei rund 11.000 Wahlberechtigten und einer Wahlbeteiligung von circa 50 Prozent waren es allerdings nur wenige tausend Menschen, die ihm seine Stimme gaben. Generell war das Kommunalwahljahr der AfD im Osten bislang vor allem von Misserfolgen geprägt.

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Es gibt 2 Kommentare

Danke für die Ergänzung. Ich hab an der späten Stelle im Text auf die Unterscheidung verzichtet, um nicht möglicherweise mehr Verwirrung als Klarheit zu stiften. Vielleicht hätte ich an der Stelle auch einfach “Stadtoberhaupt” oder sowas schreiben können.

In Zehdenick und auch in Altenberg gibt es nur den hauptamtlichen Bürgermeister. Für Oberbürgermeister sind die Orte zu klein.

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