Als Reaktion auf die Amokfahrt vom Montag, hat die Stadt Leipzig den Eingang zur Grimmaischen Straße heute mit mobilen Pollern gesichert. An dieser Stelle war der Täter mit seinem Wagen in die Fußgängerzone gerast. Die Leipziger Fußballteams werden bei ihren Heimspielen den Opfern mit einer Schweigeminute gedenken und mit Trauerflor auflaufen. Bei einer Auseinandersetzung in Grünau ist ein Mann schwer verletzt worden. Die LZ fasst zusammen, was am Mittwoch, dem 6. Mai 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.
Ambivalente Meinungen zu Pollern als Reaktion auf Amokfahrt
Der Eingang zur Fußgängerzone der Grimmaischen Straße ist seit heute durch Poller geschützt. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hatte das als eine erste Reaktion auf die Amokfahrt vom Montagnachmittag veranlasst. Die zertifizierten mobilen Fahrzeugsperren, Oktablocks genannt, wiegen jeweils 450 Kilogramm. Werden sie umgefahren, verkeilen sie sich unter dem Fahrzeug und verhindern somit die Weiterfahrt. Der Stückpreis eines solchen Oktablocks beträgt um die 9.000 Euro.
Die Reaktionen der Leipzigerinnen und Leipziger auf diese Schutzmaßnahme fielen ambivalent aus. „Das ist auf jeden Fall besser als gar nichts. Aber ganz sicher wird es nie werden, das ist einfach nicht auszuschließen“, teilte ein älterer Passant unserem LZ-Reporter vor Ort mit. „Ich habe aber das Gefühl, es wird immer schlimmer, so als ob die alle verrückt sind. Ich verstehe das nicht. Man kann nur mit dem Kopf schütteln und fragt sich, was diese Menschen im Kopf haben, die so etwas machen. Ich verstehe einfach nicht, dass es welche gibt, die unbedingt Menschen umbringen wollen – Magdeburg, Berlin, Erfurt und jetzt auch Leipzig. Wenn man von so etwas hört oder daran denkt, wird man ganz nervös und fängt an zu zittern.“
Eine andere Passantin findet ebenfalls gut, dass mit den Pollern etwas konkretes passiert. Andererseits stellt sie sich die Frage: „Was ist zum Beispiel, wenn Rettungswagen vorbei müssen?“ Kontrovers diskutiert wird das Aufstellen der Poller auch auf den LZ-Seiten in den Sozialen Netzwerken. „Als isoliert betrachtete Maßnahme sicher sinnvoll, obwohl man nicht vergessen darf dass die (Buslinie/ d. Red.) 90 durch die Fußgängerzone fährt und daher das bisherige Konzept keinesfalls ‘unachtsam’ war. Das Loch in der GKV in den Griff zu bekommen und aktiv dagegen arbeiten dass die Psychotherapie immer weiter stirbt, wäre die nächste sonnige Maßnahme“, kommentierte beispielsweise M. unsere Frage, was die LZ-Leser/-innen davon halten.
Damit fokussiert sie auf ein Thema, das im Zusammenhang mit dieser und ähnlichen Taten nie aus dem Blick verloren werden darf: der psychischen Gesundheit. „Wie wäre es stattdessen in eine psychisch gesunde Gesellschaft zu investieren. Ursachen mindern, statt Symptome bekämpfen“, machte R. auf dieselbe Problematik aufmerksam. Ein interessanter technischer Vorschlag kam von C., der die Installation von elektronischen Motorabschalt-Vorrichtungen anregte, die beim Vorbeifahren an Verbotsschildern auslösen.
Unterm Strich spiegelten die Social Media-Diskussionen die bisher im Beitrag genannten Meinungen wider: Viele finden gut, dass etwas getan wurde. Andere bemängeln, dass die Poller schon viel früher hätten installiert werden müssen oder aber dass das Aufstellen purer Aktionismus sei. Und den meisten ist auch klar, dass eine hundertprozentige Sicherheit einfach niemals gewährleistet werden könne. Oder vielleicht doch? „In früheren Zeiten gab es Stadtmauern“, führt R. ins Feld, „Man kann es als Denkanstoß ansehen.“
Ganz im realen Leben hatte es heute die Leipzigerin Jana Rokicki in die Grimmaische Straße gezogen. Kurz vor Beginn ihrer Arbeitsschicht legte sie an der Bronzeplastik noch ein paar Blumen nieder. Es sei ihr ein Bedürfnis, ihre Anteilnahme auszudrücken, erzählt sie der LZ. Die 41-Jährige hatte am Montag nur rein zufällig einen anderen Heimweg von der Arbeit gewählt, ansonsten hätte es vielleicht auch sie treffen können.
Fußball-Teams mit Trauerflor und Gedenkminute
Bei ihren über die nächsten Tage anstehenden Heimspielen, werden auch die Fußball-Teams von RB Leipzig und der BSG Chemie den Opfern der tödlichen Amokfahrt vom 4. Mai gedenken. „Die Ereignisse am Montag in der Leipziger Innenstadt haben uns tief betroffen gemacht. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen, die von diesem schweren Vorfall betroffen sind“, teilten die Rasenballer mit.
„Als Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit werden die Männer- und Frauen-Profimannschaften sowie die U19 am kommenden Spieltag mit Trauerflor auflaufen. Zudem wird es vor Anpfiff jeweils eine Schweigeminute geben. RB Leipzig setzt damit ein gemeinsames, stilles Zeichen der Anteilnahme und des Zusammenhalts in unserer Stadt.“ Die U19 spielt am Samstag gegen Mainz (11:30 Uhr, Cottaweg), die Männer am selben Tag gegen St. Pauli (15:30 Uhr, RB-Arena) und die Frauen am Montag gegen Leverkusen (18:00 Uhr, Cottaweg).

Auch die BSG Chemie Leipzig wird mit Trauerflor und Gedenkminute ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen, wie Pressesprecher Stefan Schilde bestätigte. Die Leutzscher können bei ihrem bereits ausverkauftem Spiel am Freitag gegen Eilenburg den Klassenerhalt definitiv klar machen. Mit einem Sieg wären aus eigener Kraft alle Zweifel beseitigt. Das würde man dann trotz der Geschehnisse vom Montag auch entsprechend feiern, unterstreicht Schilde. Denn: „Wir wollen uns die Freude am Leben und an Chemie nicht kaputtmachen lassen“. Darüber bestünde sowohl vereinsseitig als auch in der Fanszene Konsens.
Schwerverletzter bei Auseinandersetzung in Grünau
Wie die Polizeidirektion Leipzig heute mitteilte, ist bereits am Montagabend in Grünau ein Mann bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt worden. Kurz nach 21 Uhr seien auf der Lützner Straße, auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Schönauer Ring, zwei Männer in Streit geraten. Ein 28-jähriger Deutscher habe dabei einem 41-Jährigen mit einem spitzen Gegenstand Verletzungen am Oberkörper zugefügt und sei dann vom Tatort geflüchtet.
Passanten hatten dem Verletzten daraufhin Erste Hilfe geleistet und versucht, die Wunden zu versorgen, bis die Rettungskräfte eintrafen. Diese fuhren den Mann in ein Krankenhaus, wo er intensivmedizinisch behandelt wurde. Bisher konnte er auch noch nicht wieder nach Hause entlassen werden. Die Polizei hat den Tatverdächtigen wenig später unweit des Tatortes erwischt und festnehmen können. Gegen ihn wurde „wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“, Haftbefehl erlassen. Er sitzt nun im Knast. Die Ermittlungen dauern an.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
Der Stadtrat tagte: Auch in Leipzig werden mit dem „Sondervermögen“ nur ein paar Löcher gestopft
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Christian Wolff auf der Kundgebung „Leipzig trauert“: Warum diese Wut?
Das Geheimnis der Leipziger Lerche: Ein Kinderkrimi, in dem es eher nicht um Vögel geht
Ab 9. Mai im Naturkundemuseum Leipzig: „Das Haus mit der Spinne – Geologie und Paläontologie“
Was sonst noch wichtig war:
Der für den Tod des Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa verantwortliche polnische Autoschieber, ist heute am Landgericht Cottbus zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Israel hat angekündigt, Deutschland durch Lieferungen von Kerosin und Erdgas in der Energiekrise unterstützen zu wollen.
Das auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ ausgebrochene Hantavirus sei von Mensch zu Mensch übertragen worden. Das bestätigten Labortests in Südafrika sowie die WHO.
Die Ukraine hat heute die von ihr einseitig ausgerufene Waffenruhe begonnen. Diese werde nach ukrainischen Angaben jedoch von Russland ignoriert.
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